| Rundreise Polen (2008) |
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Reisebericht Polen (geschrieben von Werner Walti) Dieser Reisebericht ist ist der Polnische Teil einer Rundreise (Tschechien / Polen / Slowakei)
Das Gebiet Polens besteht aus fünf geografischen Räumen. Im Nordwesten befindet sich die von der Pommerschen bis zur Danziger Bucht reichende Ostseeküste, die durch zahlreiche Nehrungen, Binnengewässer und Dünen gekennzeichnet ist. Die weitgehend gerade verlaufende Küstenlinie wird durch das Stettiner und das Frische Haff sowie die Pucker Bucht unterbrochen. Im Norden und dem Zentrum schließt sich das von der Eiszeit geformte Tiefland der mitteleuropäischen Ebene an, in dem vier große Seenplatten (Masurische Seenplatte, Kaschubische Seenplatte, Pommersche Seenplatte und Grosspolnische Seenplatte) liegen, deren zahlreiche Gewässer in die hügelige Moränenlandschaft des Baltischen Landrückens eingebettet sind (vgl. Kaschubische Schweiz). Südlich des Tieflandes liegen die durch die Urstromtäler der großen Flüsse geprägten Landschaften Schlesiens und Masowiens. Insbesondere die Lubliner Region an der mittleren Weichsel mit ihren Lößböden ist stark durch Hohlwege gekennzeichnet. Südlich davon befinden sich die polnischen Mittelgebirge, des Krakauer-Tschenstochauer Jura, das Heiligkreuzgebirge, die Beskiden, die Waldkarpaten und die Sudeten. Die höchste Erhebung, die Hohe Tatra, ist ein geologisch sehr vielseitiges Hochgebirge.
28 % des Landes sind von Wald bedeckt. Über die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, wobei allerdings die Gesamtfläche der Äcker zurückgeht und gleichzeitig die verbliebenen intensiver bewirtschaftet werden. Die Viehzucht ist insbesondere in den Bergen weit verbreitet. In Polen leben noch Tiere, die in weiten Teilen Europas bereits ausgestorben sind, wie z. B. der Wisent (pln. Żubr) im Urwald von Białowieża und in Podlachien sowie der Braunbär in Białowieża, in der Tatra und in den Waldkarpaten, der Wolf und der Luchs in den verschiedenen Waldgebieten, der Elch in Nordpolen, der Biber in Masuren, Pommern und Podlachien.
5. Tag (25.04.08) von Olomouc (Tschechien) nach Wroclaw / 271 km Tageshighlight: Klodzko / Wroclaw Tagestemperatur: min: 11 Grad / max:16 Grad Wetter: sonnig bis leicht bewölkt
An der nicht mehr vorhandenen Grenze zwischen Tschechien und Polen wechselte ich in einer Zollfreiverkaufsstelle meine restlichen Tschechischen Kronen in Polnische Zlotych (zt). Danach fuhr ich durch einige ältere, ungepflegte und heruntergekommene Dörfer bis nach Klodzko (30'200 Einw.). Stadteingangs fand ich eine Parkmöglichkeit und legte die letzten paar hundert Meter zu Fuss zum Zentrum zurück. Über die steinerne, gotische „kleine Karlsbrücke“ wie sie oft auch genannt wird, erreicht man unmittelbar die Altstadt. Der Mittelpunkt dieser bildet der Rynek mit dem neogotischen Rathaus und dem Löwenbrunnen aus dem 17 Jh. Leider war die Basilika geschlossen, und so konnte ich ihrer Pracht keinen Augenschein nehmen. Da ich von architektonischen Schönheiten schon etwas sehr verwöhnt bin (auf die Altstadt bezogen), würde ich diesen Ort nicht nochmals aufsuchen.
Nun stand Swidnica bzw. Schweidnitz (64'800 Einw.) auf der Etappenliste. Dieses Städtchen nur unweit entfernt war schnell erreicht. Einst nach Breslau der zweitwichtigste Ort Schlesiens, mutet Schweidnitz heute wie eine verträumte Provinzstadt an. Ein Spaziergang durch die Altstadt mit ihren restaurierten Renaissance- und Barockfassaden sollte den Neptunbrunnen und die gotische Pfarrkirche der hl. Stanislaus und Wenzel einschliessen. Ein ganz besonderes Kleinod soll die Friedenskirche (kościół pokoju) sein, welche ich leider nicht gefunden habe. Schade, denn sie zählt (oder ist sogar) zu den Top Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Aber auch die katholische Pfarrkirche St. Stanislaus ist eine sehenswerte, gewaltig grosse gotische Hallenkirche, mit einem 104 Meter hohen Turm, der als Wahrzeichen der Stadt gilt. Der hohe Innenraum beeindruckt durch den Kontrast von gotischer Architektur und üppiger barocker Ausstattung.
Als Tagesendziel steuerte ich auf direktem Weg Wroclaw bzw. Breslau (632'000 Einw.) an. Der Stau in die Stadt hinein bewies mir – diese Stadt ist sehr belebt und pulsierend. Diese in den letzten Jahren aufpoliert, zeigte sich von der schönsten Seite. Der Rynek ist das Zentrum der schachbrettartig angelegten Altstadt, welcher im 12 Jh. entstand. Das Rathaus als „Perle der schlesischen Gotik“ genannt ist einer der wertvollsten Baudenkmäler Polens. Aber auch Kirchenfans kommen in dieser Stadt nicht zu kurz. Dafür sorgen die „Kirche Maria auf dem Sand“ und der Dom. Die Mariakirche ist aussen ein wirklich hässlicher, von der verdreckten Luft schwarz verfärbter Backsteinklotz, welcher aber innen genau das Gegenteil ist! Helle Farben und wunderschöne bunte Fenster mit viel Licht im Inneren. Das beherrschende Bauwerk auf der Dominsel ist die Kathedrale Jana Chrzciciela. Schon um das Jahr 1000 stand an dieser Stelle eine Kirche – sie ist nun die Vierte. Ihr ältester Teil ist der gotische Chor, der um 1245 dem romanischen Schiff angefügt wurde. Innen wie aussen sehr schön zu betrachten. Übrigens, mehrere Hotels sind in dieser Zeit im Umbau. 2 waren total ausgehöhlt und unbewohnbar und im 3* Hotel Polonia in welchem ich für 137.- zt (Zlotych) (sFr. 68.50) einquartiert war, wurde auch tagsüber mit viel Lärm tüchtig umgebaut.
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Website: www.odratourist.pl Tel: +48 713 43 10 21 Fax: +48 713 44 73 10
6. Tag (26.04.08) von Wroclaw nach Inowroclaw / 338 km Tageshighlight: Poznań / Gniezno und Umgebung Tagestemperatur: min: 12 Grad / max:16 Grad Wetter: sonnig mit leichten Wolken
Mit dem Navi fand ich schnell aus der Stadt Wroclaw heraus auf die nördlich führende E261, die mich nach ca. 176 km an mein nächstes Ziel, die Stadt Poznań (581'000 Einw.), führte. Glücklicherweise fand ich sehr nahe an der Altstadt bzw. Rynek einen bewachten Parkplatz. Obschon die über 750 jährige Stadt Poznań vor allem für ihre Messen bekannt ist, interessierten mich natürlich die „wirklichen“ Sehenswürdigkeiten. Der weitläufige Stary Rynek, der alte Markt, ist das Herz der Altstadt. Beherrscht wird er vom Rathaus, der „Perle der polnischen Renaissance“ Umsäumt von den vielen in basthellfarbenen aus dem 15. bis 17 Jh. stammenden Häusern welche barocke und klassizistische Fassaden haben, ragt das in weiss gehaltene Rathaus wie ein Märchenschloss hervor. Der Vorgängerbau aus dem 14 Jh. wurde zwischen 1550 und 1560 in einen prächtigen Renaissancepalast umgewandelt. Ein Blickfang und Freude jedes Besuchers. Auf jeden Fall sollte man aber die schönen und zugleich gut erhaltenen Häuser (z.T. mit prächtigen Gemälden als Fassade) nicht ausser acht lassen und mit einem kleinen Rundgang um das Rathaus diese zu betrachten. Es lohnt sich auch einen Blick in die südöstlich von der Rynek gelegene Jesuitenkirche bzw. Pfarrkirche Maria Magdalena zu werfen. Mitte des 17. Jh. wurde mit dem Bau begonnen und ist heute einer der schönsten Barockbauten Polens. Ausgestattet ist diese Kirche unter Anderem mit tragenden Säulen aus rotem Stuckmarmor und Fresken von Karl Dankwart. Viele Verzierungen in Gold prägen dieses Gotteshaus. Das Nationalmuseum soll auch sehr interessant sein, da es einer der bedeutendsten Kunstmuseen Polens ist. Auf der Dominsel ca. 700 m weiter östlich befindet sich die gewaltige gotische, klassizistische Kathedrale, welche zwischen dem 14. und 17. Jh. einige Male umgebaut und ergänzt wurde.
Wieder zurück beim Auto fuhr ich auf der E261 nordöstlich nach Gniezno (72'000 Einw.). Dieses über tausendjährige Städtchen liegt eingerahmt von mehreren Seen. Auch in ihr ist vor allem die Kathedrale der Anziehungspunkt jedes Besuchers. Diese dreischiffige gotische Kirche mit Chorumgang und Kapellenkranz wurde im 17 Jh. barockisiert und später in ein klassizistischen Bauwerk umgewandelt. Nach der teilweisen Zerstörung im 2. Weltkrieg erhielt sie danach ein gotisches Gewand. Wer nun also schon in dieser Umgebung ist, sollte sich unbedingt auf halber Strecke zwischen Gniezno und Bydgoszcz die rekonstruierte 2'500 Jahre alte Siedlung für 8 zt. (sFr. 4.-) aus der Eisenzeit besuchen (das parkieren kostet zusätzlich 5 zt. pro Auto).Nebst dem interessanten archäologischen Museum ist eine Wehrmauer aus dieser Zeit zu sehen, in der zwei Langhäuser mit vielen darin enthaltenen Hausteilen und dem Leben von dazumal näher gebracht wird. Selbst das Vieh lebt jetzt dort in den rekonstruierten Ställen. Ca. 1,5 km nach Inowroclaw in Richtung Toruń gibt es auf der linken Seite ein Motel, in welchem man für 80 zt. (sFr. 40.-) nächtigen kann. Die Betten sind stark „durchgelebt“ und das WC/Bad ist ein gemeinschaftliches; aber ansonsten ist es ganz ok und man isst da auch recht gut.
7. Tag (27.04.08) von Inowroclaw nach Łeba / 324 km Tageshighlight: Toruń / Gdańsk / Łeba Tagestemperatur: min: 15 Grad / max:18 Grad Wetter: sonnig
Um 6:30 Uhr hörte ich schon meinen „Nachbarn“ duschen und so war für mich ein Weiterschlafen lärmbedingt auch nicht mehr möglich. Mit einigen Rückenschmerzen von der miesen Matratze packte ich meine sieben Sachen und nahm für 12 zt (sFr.6.-) mein Frühstück zu mir. Die Fahrt nach Toruń (207'000 Einw.)war an diesem Sonntagmorgen einfach unglaublich – absolut kein Verkehr und irgendwie alles noch am schlafen. So war ich gegen 8 Uhr bereits in der Stadt und konnte mir die romantischen Gassen mit backsteinernen Giebelhäusern bewundern. Kaum die Rynek betreten fiel mir auch schon das riesige Rathaus auf, welcher auch den Mittelpunkt der Stadt symbolisiert. Es handelt sich um einen gewaltigen gotischen Bau, der zu den interessantesten Denkmälern der bürgerlichen Architektur in Europa zählt. Vor dem Gebäude steht das Kopernikus-Denkmal. Nordwestlich vom Rathaus steht die monumentale dreischiffige Klosterkirche bzw. Marienkirche, welche aus der zweiten Hälfte des 14 Jh. stammt. Ihre reiche Ausstattung vereint Werke aus verschiedenen Jahrhunderten. Auf der südlichen Seite (Seitenschiff) befinden sich Wandmalereien aus dem späten 14. Jh., und das Chorgestühl sowie das Triumphkreuz aus dem 15. Jh. sind beeindruckende Zeugnisse mittelalterlicher Holzschnitzkunst. Die Johanneskirche südöstlich vom Rathaus blieb von der Kriegszerstörung und späteren Umbauten gänzlich verschont und gehört ebenfalls zu den Sehenswürdigkeiten dieser prächtigen Stadt.
Noch viel Zeit übrig um gleich nach Gdańsk (457'000 Einw.) loszuziehen. Die rund 184 km in Richtung Norden waren dank des wenigen Verkehrs ebenfalls schnell abgespult. Danzig, wie diese Stadt im Deutschen genannt wird, liegt an der Mündung der Toten Weichsel und ist einer der wichtigsten Ostseehäfen des Landes. Der Königsweg ist mit Abstand die meist frequentierte Strasse bzw. Fussgängerzone der Stadt. Die schmucken Gebäude links und rechts verlaufen in dieser Zone vom Goldenen Tor zum Grünen Tor. Auf halbem Weg steht das Rechts. Rathaus und Museum. Zu jeder vollen Stunde schlägt das Glockenspiel des Rathauses eine wohlklingende Melodie, zu deren Klängen sich jeder Besucher umdreht und staunt. Das Rathaus selbst wurde ursprünglich im gotischen Stil erbaut, später erhielt es ein Kleid der Renaissance. Unten am Fluss angelangt und links um die Ecke des Grünen Tor abgebogen erblickt man unweigerlich das Wahrzeichen Danzigs; der Kran-Tor. Mit Sicherheit ist er auch das meistfotografierte Objekt der Stadt. Ursprünglich ganz aus Holz gebaut wurde er nach einem Brand im Jahre 1444 neu errichtet. Der zweite Weltkrieg legte es erneut in Brand und so wurde es danach äusserst sorgfältig restauriert und wiederhergestellt. Der Kran hatte die Funktion des Be- und Entladen von Schiffen, und wegen seiner Grösse zum Aufstellen von Schiffsmasten. Nördlich direkt hinter dem Rathaus steht die monumentale Marienkirche, und ist der grösste gotische Sakralbau Europas. Mit 105 m Länge und 66 m Querschiffbreite fasst diese Kirche rund 25'000 Menschen; der Turm ist mit 78 m ebenfalls gigantisch. Drinnen ist sie erstaunlicherweise sehr zurückhaltenden ausgestattet, alles in weiss bzw. nur der Altar in seiner goldenen Pracht, und dennoch imponiert sie mit ihrer gewaltigen Grösse und Höhe. Wer drinnen fotografieren will, wird von einer „Dame“ sehr unfreundlich angefaucht, dies gefälligst zu unterlassen.
Kulinarischer Tipp zu dieser Stadt: Im oberen Drittel des Königwegs befindet sich ein ausgezeichnetes vegetarisches Restaurant, in welchem man auch draussen die hervorragenden Köstlichkeiten geniessen kann.
Alles noch etwas wirken lassen und los ging die Fahrt in den hohen Norden Polens nach Łeba (4’500 Einw.) Das ehemalige Fischerdorf auf einer Landzunge zwischen Ostsee und Lebskosee hat sich mit seinen herrlichen weiten Sandstränden in einen viel besuchten modernen Badeort verwandelt. Viele Polen kommen vor allem an den warmen Wochenenden aus der ganzen Umgebung, um sich an diesem herrlichen Strand die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Wegen des feinen Sandes wird die in der Nähe befindliche Wanderdüne auch „polnische Sahara“ genannt. Diese befindet sich im Słowiński-Nationalpark (siehe unten), und erstreckt sich westlich von Leba entlang der Ostseeküste. Wer diesen Ort besucht, soll sich viel Zeit nehmen und dort auch übernachten. Die Sonnenuntergänge mit dem Sand unter den Füssen und dem Meer sind so schön wie im Süden.
Tipp zum übernachten: Im 3* Hotel Wodnik (letzte Parallelstrasse zum Meer) erhielt ich ein schönes Einzelzimmer für 150 zt (sFr. 75.-)
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8. Tag (28.04.08) von Łeba nach Warszawa (Warschau) / 508 km Tageshighlight: Słowiński-Nationalpark (Łeba) / Malbork Tagestemperatur: min: 17 Grad / max:22 Grad Wetter: sonnig / zwischendurch etwas Wolken
Noch in Łeba bin ich an diesem Morgen direkt nach dem Frühstück das kurze Strassenstück von Łeba zum Nationalpark gefahren. Der Nationalpark, gegründet im 1967, umfasst mehr als 180 km². Seine Attraktion sind weisse, bis zu 42 m hohe Wanderdünen, die sich jährlich um etwa 10 m weiter in die Kieferwälder verlagern und so die Bäume nach und nach unter sich begraben - eine Wüste am Ostseestrand! Diese wüstenähnliche Landschaft ist einzigartig schön und interessant zugleich. Fahrräder (zu leihen) oder Elektroautos bringen Besucher von Łeba oder Rąbka direkt zur grössten Düne Łącka Góra; sportliche können auch die rund 5,5 km zu Fuss gehen. Selbst habe ich diese Strecke zu Fuss zurückgelegt, da ich das Schild mit den Kilometern übersehen hatte. Sicher, einmalig schön durch den Nadelwald zu spazieren, aber dafür braucht man wirklich Zeit. Für 15.- zt. bringt einem das Elektroauto dann auch wieder zum Parkplatz zurück. Um nach Malbork zu kommen, entschloss ich mich nicht wieder über Gdańsk zu fahren, da ich bei der Hinfahrt um die riesige Baustelle und deren Stau bei Rumia wusste. So entschloss ich mich über Sierakowice, also südlich anstelle der Küste entlang, zu fahren. Die schöne Landschaft bestätigte mir diese richtige Entscheidung zusätzlich.
In Malbork (42'000 Einw.) angekommen fiel mir schon bei der Überquerung des Nogat-Fluss die monumentale deutsche Ordensburg auf. Hunderttausende Touristen zieht es jedes Jahr in das moderne Industriestädtchen, um die berühmte gotische Marienburg zu sehen. Diese Burg zählt zu den gewaltigsten und schönsten Profanbauten des Mittelalters. Seit 1309 war sie die Residenz der Hochmeister des Deutschen Ordens. Die Burg strahlte eine solche Macht aus, dass ein Sieg über die Kreuzritter unvorstellbar schien. Und doch musste der Hochmeister die Burg nach der Niederlage in der Schlacht von Tannenberg an seine unbezahlten Söldner verpfänden, die sie 1457 den Polen übergaben. Sie ist die grösste Backsteinfestung Europas. Selbstverständlich steht sie ebenfalls in der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Doch leider war Montag und somit blieben mir das Museum, der Rittersaal und einige Räume des Mittelschlosses verschlossen. Für 5.- zt. (sFr. 2.50) erhielt ich lediglich Eintritt, um die dicken Mauern in und um das Hochschloss (Durchgang im Mittelschloss ebenfalls) zu besichtigen. Doch immerhin das oder?!! Ursprünglich plante ich die Besichtigung des Puszcza Bialowieska, dem Urwald von Osteuropa, in dem noch die urtümlichen Wisenten (der Wisent ist ein gehörnter Riesenbüffel) leben. Doch der Weg bis ganz an die Ostgrenze von Polen erschien mir doch etwas zu weit. So entschloss ich mich in Malbork den direkten Weg nach Warschau anzugehen, und fuhr noch am selben Tag dahin.
Tipp: zum übernachten: Im Hostel Oki Doki (pl. Dąbrowskiego 3 in 00-057 Warszawa) übernachtet man gut und günstig (Zimmer mit Frühstück und Bad 190.- zt. (sFr. 95.-) / ohne Bad 150.- zt.(sFr. 75.-)
9. Tag (29.04.08) Warszawa (Warschau) / 0 km Tageshighlight: Warszawa (Warschau) Tagestemperatur: min: 15 Grad / max:17 Grad Wetter: stark bewölkt / zwischendurch Regen
In die Höhe schiessende Büro- und Hoteltürme, moderne Shoppingmeilen und vierspurige Strassen – die Hauptstadt Polens boomt zusehends. Doch diese moderne Stadt hat auch architektonisch einiges zu bieten, wie z.B. die rekonstruierte Altstadt, welche im 2. Weltkrieg dem Erdboden gleich gemacht wurde. Warschau ist ebenfalls seit 1980 in der Liste des Weltkulturerbens der UNESCO. Die Krakowskie Przedmieście gehört mit Sicherheit zu den beliebtesten Strassen Warschaus, da sie nicht nur Teil des 10 km langen Königweges ist (beginnt beim Schlossplatz und endet in Wilanów), sondern auch direkt zur Altstadt führt. Kurz vor dem Schlossplatz befindet sich die im 14 Jh. erbaute gotischen Annenkirche, welche nach einem Brand im 17. Jh. in barocker Form wieder aufgebaut wurde. Beachtenswert sind die Fresken in der frühbarocken Kuppelkapelle und nebst dem Portal sicherlich auch die prächtige Orgel. Ein paar Schritte weiter, und man erreicht den angrenzenden Königspalast. Von aussen eher schlicht gehalten ist man umso mehr über die einzelnen Räume erstaunt. Kein Wunder, denn hier gingen blaublütige Adlige wie Zygmunt II. August, Zygmunt III oder König Stanisław August Poniatowski ein und aus. Anfang der 1970er wurde das im 2. Weltkrieg völlig zerstörte Bauwerk rekonstruiert und im Jahre 1984 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Für 20.- zt. (sFr. 10.-) erhielt ich Zugang zu den Prunkräumen, numismatischen Kabinett mit über 8'000 „Münzen und Medaillen der Geschichte Polens“, Galerien in denen Kunstwerke von namhaften Künstlern wie z.B. Rembrandt zu finden waren, im Keller befindlichen archäologischen Ausgrabungen sowie Teppiche aus der königlichen Zeit. Ein Besuch ist ein Muss für jeden der nach Warschau kommt. Auf dem Weg zur Rynek (Zentrum der Altstadt) trifft man auf die Kathedrale/Johanneskirche. Vor allem die bunten Kirchenfenster mit ihren Motiven sind eine Augenweide. Ein Besuch der Rynek selbst ist ebenfalls empfehlenswert. Wer dann über die „Steinerne Treppe“ vorbei an der Barbakane schlendert, trifft das „Denkmal des kleinen Aufständischen“. Von dort aus gelangt man südlich zum Denkmal des Warschauer Aufstandes, der 1944 stattfand. In der Nähe befindet sich auch der Sächsische Garten, bei dem das Grabmal des „Unbekannten Soldaten“ steht und an die vielen Polen erinnern soll, die während des Krieges und beim Kampf für die Unabhängigkeit gefallen sind. Dieser wird tagsüber von 2 Soldaten bewacht, deren Ablösung um 13 Uhr stattfindet. Nun freute ich mich auf die ungewöhnliche wertvolle „Sammlung von Johannes Paul II.“, dessen Inhalt europäische Malereien mit über 400 Werken wie Tizian, Rubens, Rembrandt, Renoir, van Dyck usw. beinhaltet. Unglaublich aber wahr; obschon es Dienstag war und das Museum geöffnet haben müsste, wurde es für einen privaten Anlass genutzt und blieb allen Anderen verschlossen. Ich war nicht der Einzige, der ziemlich Sauer von Dannen ging!
10. Tag (30.04.08) von Warszawa (Warschau) nach Łańcut / 446 km Tageshighlight: Kazimierz Dolny / Zamość Tagestemperatur: min: 17 Grad / max:20 Grad Wetter: sonnig / zwischendurch grosse Wolkenfelder
Ich muss ja nicht erwähnen, wie wertvoll ein Navigationssystem in einer fremden Grossstadt ist! Ich hätte vermutlich viel Zeit aufwenden müssen, nur um aus der Stadt Warschau zu kommen. Mit dem Navi ging das echt flink und wenige Minuten nach der Abfahrt war ich auch schon südöstlich auf der E372 auf direktem Weg nach Kazimierz Dolny unterwegs. Selbstverständlich liegt das kleine verträumte nicht an dieser Hauptstrasse, sondern in der Nähe von Pulawy. Kazimierz Dolny (7'400 Einw.) liegt malerisch auf einer bis zu 100 m hohen Uferterrasse über dem Fluss Wisła (Weichsel) und hat mit seinen prächtigen Renaissance-Häuser sowie mächtigen, reich verzierten Speichergebäude die staatliche Anerkennung als Geschichtsdenkmal erhalten. Dorfeingangs stehen unübersehbar die zwei grossen Speicheranlagen der Renaissance, worin heute in einem dieser Speicher das Naturkundemuseum einquartiert ist. Bevor man auf derselben Strassen zur Rynek gelangt, fällt einem als erstes gleich das Celej-Haus an der Senatorska-Strasse auf. Dieses im 1635 erbaute Haus hat eine schöne gestaltete Fassade mit einer hohen und reich verzierten Attika. Heute ist das Stadtmuseum darin untergebracht. Wer nun schon mal die Rynek erreicht hat, sollte doch auch gleich die schöne Renaissance-Annenkirche besuchen, welche innen barock ausgestattet ist. Einen herrlichen Blick hat man von der Burgruine aus, welche sich hinter der Kirche verbirgt. Wieder zurück auf der Hauptstrasse E372 führt die Reise weiter südöstlich bis nach Zamość. Zamość (68’000 Einw.), wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Region, liegt nur noch 50 km westlich zur Ukrainischen Grenze. Das Zentrum der Stadt hin zu den Befestigungsanlagen ist ein Kleinod der Spätrenaissance: Man findet dort fast alles so vor, wie es der Grosskronkanzler Jan Zamoyski im 16. Jh. nach damals utopischen Entwürfen des Italieners Bernardo Morando anlegen liess. Die Stadt wurde auch in die Liste der Unesco als Weltkulturerbes aufgenommen. Die Rynek wurde quadratisch errichtet und ganz gegen die Tradition wurde das Rathaus, welches wieder mal einen neuen Farbanstrich nötig hätte, mit einer schwungvollen Freitreppe an die nördliche Häuserreihe gerückt, damit es nicht mit dem Palast konkurriert. Rundherum stehen die Laubenhäuser, wobei die schönsten Dekorationen die fünf Häuser neben dem Rathaus an der Nordseite des Platzes erhalten haben. Die vielen Restaurants und Kaffee auf der Rynek laden förmlich zum verweilen ein, um die schönen Fassaden der Häuser zu geniessen, und dem bunten Treiben auf dem Platz zuzusehen. Auf holprigen Nebenstrassen ging es zügig weiter bis nach Łańcut, in dem Stadteingangs auf der linken Seite ein gutes Motel zu finden ist. Für 120.- zt. (sFr. 60.-) erhielt ich ein Doppelzimmer für mich alleine. Motel Bogdanka Ul. Armii Krajowej 82 Tel: 017 / 225 74 51 www.motelbogdanka.com.pl
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11. Tag (01.05.08) von Łańcut nach Nowy Sącz / 463 km Tageshighlight: Schloss Łańcut Tagestemperatur: min: 9 Grad / max:17 Grad Wetter: morgens sonnig / nachmittags teils heftiger Regen
Ohne dem Schloss, das im 14 Jh. durch König Kazimierz II. errichtet wurde, würde kaum niemand das Städtchen Łańcut (18'000 Einw.) kennen. Aber genau wegen des Schlosses reisen jährlich Tausende dahin. Seine heutige Gestalt mit vier Ecktürmen und einem fünfzackigen Verteitigungswall erhielt es erst im 17.Jh. Von aussen nicht wirklich umwerfend wirkend sind die Räume aber prachtvoll ausgestattet und präsentieren sich als Museum adliger Wohlkultur. Die Zimmer sind z.T. in grün, rot und gelb gehalten, und zwar so geschmacksvoll und stimmig, dass Tapeten, Sofa- und Stuhlbezüge genau im selben Farbton sind. Man besichtigt den Sommer- und Wintersaloon, das sehr komfortable Bad mit Kamin, Hoftheater sowie Speisesaal und einer faszinierend schön gestalteten Skulpturengalerie. Ebenso schön sind die z.T. riesigen Gemälde von Adligen, Natur- und Kampfszenen, aber auch die wertvollen Porzellan und Glassammlungen. Zu meiner grossen Enttäuschung war im inneren des Schlosses Fotoverbot. Die weiblichen Posten liessen keinen aus den Augen und waren sehr aufmerksam. Das Schloss innen und aussen inkl. dem angrenzenden Park bewundert verliess ich das Städtchen auf der E40 in Richtung Kraków (Krakau), doch mein Ziel war das grösste Konzentrationslager des Zweiten Weltkriegs - Oświęcim (Auschwitz). Rund 60 km westlich von Krakau liess Hitler 1940 dieses Konzentrationslager errichten. Ungefähr 1,1 Mio. Menschen, in der Mehrzahl Juden, wurden hier erschossen oder mit ZyklonB vergast, verscharrt oder in einem der fünf Krematorien verbrannt. Sowohl das Stammlager Auschwitz I wie die später errichtete Aussenstelle Auschwitz II (Birkenau) sind heute Mahnmal und Gedenkstätte des Grauens.
Museum Auschwitz-Birkenau Dez.-Feb. tgl. 8-15, März-Mai u. Sept.-Nov. 8-17, Juni-Aug. 8-19 Uhr www.auschwitz-museum.oswiecim.pl
Am frühen Nachmittag traf ich in Oświęcim von Osten her ein. Um das KZ zu finden, musste ich durch ganz Oświęcim hindurch fahren, da es sich auf der Westseite der Ortschaft befindet. Zu meiner grossen Überraschung sperrte die Polizei den Eingang zum Parkplatz und forderte jedes Auto zur Weiterfahrt auf. Doch so schnell liess ich mich nicht abspeisen und wollte es genau wissen. So erhielt ich die Auskunft, dass ausgerechnet heute die ganze Anlage Auschwitz I und II wegen einer Kundgebung geschlossen sei. Nicht nur ich war sehr wütend darüber, denn es kamen zur Besichtigung dieser Anlage auch Reisende aus Holland, Schweden, Ungarn, aber auch aus Polen selbst. So blieb uns allen nichts anderes übrig als weiterzufahren, oder am nächsten Tag nochmals zu kommen (was in meinem Fall nicht in Frage kam). Ich fuhr also wieder das ganze Stück ziemlich geladen zur E77 zurück, um in Richtung Süden zu gelangen. Auf der Höhe von Rabka führt eine Strasse östlich nach Nowy Sącz. Kaum auf dieser Strasse war meine ganze Wut vergessen, denn ich wurde mit einer wunderschönen hügeligen Landschaft, die bis auf 650 MüM hinaufreicht, entschädigt. Kaum einige 100 Meter Ortseingans gefahren, fiel mir schon von weitem die sehr moderne Kirche auf der rechten Seite auf, die zwar nur einen Turm, daraus aber zwei Endstücke ragen. Auch innen ist sie sehr modern eingerichtet und gefällig. Im Stadtzentrum suchte ich vergebens nach einem Motel und so blieb mir nichts anderes übrig, als mich im nah gelegenen Hotel einzuquartieren.
Hotel Beskid w. Nowym Sączu Ul. Limanowskiego 1 Tel: 018 / 443 57 70 www.orbis.pl / www.orbisonline.pl
12. Tag (02.05.08) Nowy Sącz an die Grenze zur Slowakei / ca. 16 km Wetter: leicht bewölkt
An diesem Morgen fuhr ich nach dem Frühstück über die kurvenreiche Strasse an die Grenze zur Slowakei. Dieser Reisebericht wird nahtlos über das Land Slowakei weitergeführt.
Strassen und Verkehr: Zu diesem Thema gibt es doch noch so einiges zu sagen. Vor allem was die Strassen anbelangt, hat Polen noch viel aufzuholen. Die Hauptverkehrsadern sind noch einigermassen gut ausgebaut und nur leicht holprig zu fahren, doch die Neben- und Verbindungsstrassen sind meist in einem schlechten Zustand. Wenigstens ist nicht dauernd mit tiefen Schlaglöchern wie z.B. in Rumänien zu rechnen, da die Polen diese regelmässig mit Asphalt auffüllen, aber die Asphaltverwerfungen und tiefen Spurrinnen, verursacht durch die schweren Lastwagen, können das Auto ganzschön bei Unachtsamkeit von der Strasse bringen. Zusätzlich säumen oft dicke Bäume die Strassen, schön zum ansehen, aber bei einem Fahrfehler haben sie eine todbringende Wirkung. Nicht selten sieht man am Strassenrand bzw. an den Bäumen Blumen und Kreuze für Menschen, die auf diese Weise ihr Leben gelassen haben. Die meisten Polen halten sich weder Inner- noch Ausserorts an die Verkehrsregeln. Da wird sehr oft auch bei doppelter Sicherheitslinie überholt und meist mit 20 km/h und mehr über der gesetzlichen Limite gefahren. Die fest montierten Radarkasten sind mit grosser Sicherheit selten geladen – ich auf jeden Fall sah nie einen blitzen. Und trotzdem sollte man sich vor allem Innerorts an die Regeln halten, denn die mobilen Laser sind im kommen.
Tankstellen: Diese gibt es für alle Sorten (Benzin 95 + 98 Oktan / Diesel) und die Versorgung ist flächendeckend. Die Preise sind wie in Deutschland oder Schweiz von Ortschaft zu Ortschaft unterschiedlich. Am teuersten war der Treibstoff in und um die Grossstädte.
Sprachen: In grösseren Ortschaften ist mit Englisch und Deutsch kein Problem zum durchkommen, geht man aber etwas aufs Land, sind ein paar Brocken Polnisch Voraussetzung. Sie geben sich zwar grosse Mühe einem zu verstehen und oft kommt man auch mit Hand und Fusssprache zu seinem Ziel, aber das Notwendigste wie „Haben sie noch ein Zimmer frei?“ oder „mit/ohne Frühstück bitte“ sowie „Danke“, „Ja“ und „Nein“ usw. sollte man schon beherrschen und kommt auch sehr gut an. Meistens steht die Übersetzung schon im Reiseführer.
Dieser Bericht endet hier für Polen, doch diese Reise geht mit der Slowakei weiter (siehe Reisebericht Slowakei)
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Daten und Fakten zu Polen:
Amtssprache: Polnisch
Hauptstadt: Warschau
Staatsform: Parlamentarische Republik
Fläche: 312.685 km²
Einwohnerzahl: 38.115.909 (30. Juni 2008)
Bevölkerungsdichte 122 Einwohner pro km²
BIP: 420.284 Mio. US$ (2007)
Währung: Złoty
Unabhängigkeit am 11. November 1918
Zeitzone CET (UTC+1)
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