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Rundreise Ungarn (2007)

Wappen von Ungarn

 

 

Reisebericht Ungarn
(geschrieben von Werner Walti)
Dieser Reisebericht ist ist der Ungarische Teil einer Rundreise (Slowenien / Ungarn / Rumänien)

 

Ungarn liegt in Mitteleuropa und grenzt (von Süden im Uhrzeigersinn) an, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich, Slowakei, die Ukraine sowie Rumänien. Strassenmusiker in BudapestDie Grosse Ungarische Tiefebene nimmt nahezu die Hälfte des gesamten Staatsgebiets Ungarns ein. Sie ist eine ebene, weiträumige Fläche und mit in vorgeschichtlicher Zeit aufgeschütteten Geröllen und Sanden bedeckt. Die ungarischen Mittelgebirge verlaufen vom Bükkgebirge im Nordosten bis zum Bakonywald im Westen. Fast alle Mittelgebirge in Ungarn tragen in höheren Lagen dichten Laubwald. Die Hänge und Becken sind mit fruchtbaren Böden bedeckt, die Acker-, Obst- und Weinbau ermöglichen. Der längste Fluss auf ungarischem Staatsgebiet ist die Donau (ung. Duna), an deren Flusslauf unter anderem die wichtigen Städte Komárom (Komorn), Esztergom (Gran), die Hauptstadt Budapest (Ofen-Pest), Dunaújváros, Baja und Mohács liegen.

  

Vor der österreichisch ungarischen Grenze staute sich der Verkehr ca. 1.5 Km zurück. Die Autokennzeichen waren bunt gemischt zwischen Ungaren, Slowenen, Tschechen, Österreicher, Rumänen und Deutschen. Wieder war ich mit meinem Schweizer „Blech“ der Einzige. War das wohl der Grund, weshalb der Zollbeamte meinen Pass genauer studierte? Auf jeden Fall gab es keine Probleme und ich konnte die Fahrt in das nahe gelegene Sopron weiterführen. Dort angekommen fielen mir gleich mal die schlechten Fahrbahnen zur und in der Stadt selbst auf.Zentrum von Sopron Asphaltverwerfungen und kleine Schlaglöcher lassen mich spüren, dass diesem Land sehr wenig Geld für die Instandstellung der Strassen zur Verfügung steht.

Im Zentrum von Sopron angekommen mache ich mich gleich auf die Suche nach einem Hotel oder Pension. Ausser dem teueren „Best Western“ direkt im Zentrum musste ich lange suchen, bis ich etwas Preiswerteres fand. Doch die Schönheit dieser kleinen Stadt mit ihren 55'000 Einwohner, die 1972 den Europapreis für Denkmalschutz erhielt, machte die Mühe wett. Endlich eine Bleibe gefunden, zog ich zu Fuss ins Zentrum los. Soprons Altstadt ist ein Juwel. Alle Häuser innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer sind als Baudenkmäler eingetragen. So kann man in Sopron romanische Fenster, gotische Sitznischen und barocken oder klassizistischen Bauschmuck entdecken. Vom 61 m hohen Stadtturm (700.- HUF / Fr. 4.55), welcher das Wahrzeichen ist und auf einem Fundament aus dem 14.Jh. steht, hat man nach der Überwindung der sehr steilen Wendeltreppe eine herrliche Sicht über die ganze Stadt. Bei einem guten Nachtessen im Restaurant Puskas Söröz welches im Zentrum steht, lasse ich den Tag ausklingen.

  

5. Tag (11. August 2007) von Sopron nach Györ / 93 km
Highlights: Schloss Esterházy in Fertöd / Györ
Wetter: von stark bewölkt / heftigen Schauer bis Sonne
Tageshöchsttemperatur: 24 Grad

Schloss Esterházy in FertödNach einem selbst gemachten Frühstück (diese Pension bot kein Frühstück an) setzte ich mich bei strömenden Regen und ca. 17 Grad hinters Steuer und fuhr aus der Stadt in Richtung Györ  mit der Beschilderung 84 und danach 85. Auf halbem Weg zwischen Sopron und Györ bog ich in die Nebenstrasse nach Fertoszéplak ab, um danach die Ortschaft Fertöd zu erreichen. Ich wusste aus meinem Reiseführer, dass es dort die Ungarische Version von Schloss Versailles mit Namen „Schloss Esterházy“ zu sehen gab. Um 9 Uhr angekommen wunderte ich mich, dass das Schloss zwar geöffnet, aber keine Menschenseele zu sehen war. Dadurch hatte ich das ganze Schloss mit seiner riesigen Parkanlage für mich alleine. Als ich dann die Öffnungszeiten des Museums sah (10 bis 16 Uhr), war mir dann alles klar. Ich genoss nach ¾ Stunde Fotoshooting des Schlosses mit Park eine feine Tasse Kaffee-Melange im Schlosskaffee. Um 10 Uhr strömten dann die Menschenmassen, welche per Car und Auto von halb Europa gekommen waren, zur Kasse. Nach 20 Minuten anstehen und die Kreditkarte um 1350 Forint (Fr. 8.75) belastet (wer Knipsen oder Filmen will, zahlt zusätzlich), schloss ich mich der nächsten Gruppe an (das Museum kann aus Sicherheitsgründen nur in Gruppen welche mit Führung bzw. Erklärung besucht werden). In den 26 Zimmern durch die wir geführt wurden, sammelten wir vom Schlafzimmer der Fürsten, Salon, Esszimmer, Sala Terrena, Ofenausstellung, Musiksalon, jene Eckzimmer usw. mit vielen alten und gut erhaltenen Möbel, Ölgemälde, Wandteppiche, Vasen, Geschirr, Öfen, Stand- und Wanduhren usw. kombiniert mit der Erzählung der Geschichte aus dieser Zeit in Ungarisch eine ganze Menge Eindrücke, wie es zur damaligen Zeit gewesen sein muss. Fremdsprachige erhielten ein Beiblatt mit dem gleichen Text.

Schloss Esterházy in FertödDiese Residenz der Fürstenfamilie Esterházy hatte zwischen 1760 und 1767 dieses Schloss errichten lassen. Steinreich und mit Grundbesitz von ca. 5000 m2 leisteten sich die Esterházy’s Theaterensemble, ein eigenes Orchester und einen eigenen nicht geringer Hofkapellmeister Joseph Haydn, der von 1761 bis 1790 in Esterházy’s Dienste stand, und ab 1766 hier wirkte. Haydn hatte im Festsaal auch 1772 seine erste Abschieds-Symphonie gespielt. Ein historischer Ort.

Wieder aus der Führung entlassen bemerkte ich wie gross doch der Fassadenunterschied des Schlosses auf der Front- und Rückseite war. Sah sie vorne doch wie frisch errichtet aus, hatte ich auf der Rückseite das Gefühl, man habe mit einem schweren MG darauf gefeuert! Die Handwerker werden hier noch viel Arbeit finden.

Wer also den Weg bis zu diesem Schloss schon mal geschafft hat, muss auch das Museum und den sehr schönen Schlosspark unbedingt besuchen – auf jeden Fall lohnt es sich beides zu besichtigen.

Rathaus von GyörWieder auf der gut intakten Hauptstrasse zurück (man kann auf der Nebenstrasse weiterfahren und gelangt auch so wieder auf die Hauptstrasse) fahre ich weiter in Richtung Györ. Wie schon auf der Hinfahrt zum Schloss sind riesige Felder mit Mais und Sonnenblumen bestellt. Dazwischen sind kleinere Waldabschnitte wie zur Lockerung des Bildes. Die ganze Strecke von Sopron nach Györ sind ca. 91 Km.

In Györ angelangt fand ich gegenüber dem Bahnhof ein sehr einfaches Hotel (Hotel Szárnyaskerék), mit 8100 Forint (Fr. 52.60) günstig, sauber und mit Bad, aber alt und mit fast keinem Komfort. Wer aber auf den Luxus nicht verzichten kann, sollte im „Hotel Schweizer Hof“ absteigen.

Zwar sind die Gebäude in Györ ebenfalls sehr alt, ist aber im Gegensatz zu einem Hotelzimmer erwünscht, da die meisten Häuser noch in einem sehr guten Zustand sind. Rund 170 Bau- und Kunstdenkmäler sind in Györ offiziell registriert – in manchen Strassenzügen fast jedes Haus! Györ gehört mit seinen liebevoll renovierten Wohnhäusern aus Renaissance und Barock unbestritten zu den schönsten Städten ganz Ungarns. Nur schon das Rathaus (erbaut 1898) mit seinem 85 Meter hohen Turm und seiner extravaganten Fassade ist einen Besuch in Györ wert.

In diesem Ort ist heute echt der Heiratswahn ausgebrochen. Ich zählte sicher 5 verschiedene Hochzeiten (gut zu unterscheiden an der Braut J ), weshalb einige Kirchen „besetzt“ waren. Apropos Kirche; der Liebfrauendom war innen der schönste Dom, die ich je gesehen habe. Der romanische Bau im frühbarocken Stil besteht aus einem Haupt- und zwei Seitenschiffe und ist mit Prunk ausgestattet, dass es mir beinahe den Atem verschlug. So verwundert es mich nicht, dass sogar der Pabst im Jahre 1996 ihr einen Besuch abstattete.

  

6. Tag (12. August 2007) von Györ nach Budapest / 199 km
Highlights: Abtei in Pannonhalma / Bischofsbezirk mit Bischofspalais und Dom in Veszprém / Ruinengarten in Székesfehérvár
Wetter: von bewölkt / heftigen Schauer
Tageshöchsttemperatur: 22 Grad

Abtei in PannonhalmaPannonhalma, 20 Km südlich von Györ, wird hauptsächlich wegen seiner berühmten Abtei auf dem Martinsbern, Mutterkloster und Zentrum der Benediktiner Ungarns, besucht. So machte ich mich auf die Suche nach der Strasse 82 aus der Stadt Györ, welche Bezeichnung ich schon kurz um die Ecke des Bahnhofes auch schon fand. Fast immer auf dieser Strasse bleibend fand ich die Landstrasse, welche für Veszprém angeschrieben war. Nach ca. 15 Km war dann auch schon Pannonhalma angeschrieben und somit nicht zu verfehlen. Hoch oben über der Ortschaft thronte die Abtei auf einem mächtigen Felsen und lud förmlich zur Besichtigung ein. Die steile Strasse hoch in Richtung Abtei überwunden fand ich den Parkplatz verlassen auf der linken Seite. Ich war um 9 Uhr wieder mal zu früh dran. Beim Parkplatz ist dann auch schon die Kasse an der mir erklärt wurde, dass erst um 10 Uhr die kleine (nur Bibliothek), und um 11 Uhr die grosse Führung sei. Die grosse sowie die kleine Tour dürfe aber nur mit Fremdenführer (welche im Preis inbegriffen ist) besichtigt werden. Für 1700.- Forint (Fr. 11.-) entschied ich mich 2 Stunden im Parkplatzrestaurant zu verweilen und die grosse Tour zu besichtigen. Die Tour selbst war recht interessant, doch in der Bibliothek verschlug es mir fast den Atem – rund 400'000 Bücher dicht aneinandergereiht waren sie in kunstvollen Bänder über mehrere Wände in den Regalen verteilt.Abtei in Pannonhalma Ein Anblick, der jedem Bibliothekar die Augen hätte zum glänzen bringen. Seit der Gründung sind zwischen 1786 und 1802 Mönche hier ansässig. Das Kloster selbst ist seit 1997 auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Der Besuch hat sich gelohnt!

Vom grossen „Schock“ über die vielen Bücher erholt setze ich meine Fahrt wieder auf der Hauptstrasse in Richtung Veszprém fort. Obschon es die ganze Zeit über regnete, war die Fahrt durch die Wälder und Landwirtschaftszonen wunderschön. Die 61 Km nach Veszprém vergehen durch die abwechslungsreiche Landschaft sehr schnell. Die Hauptsehenswürdigkeit ist schon von weiten zu sehen: Der auf dem schmalen Burgberg thronende alte Bischofsbezirk mit Bischofspalais und Dom gehört zu den schönsten Architeckturensembles in Ungarn. Zuerst das Burgviertel besucht war ich doch leicht enttäuscht, da bis auf den Grunsriss der Mauern nichts mehr übrig war. Doch die Gisela-Kapelle sowie die umliegenden Kirchen entlöhnten meine Mühen den Ort Veszprém aufzusuchen.

Kurzerhand fuhr ich auf der E66 rund 43 Km in Richtung Nordosten nach Székesfehérvár, dessen Namen für mich auch jetzt noch kaum aussprechbar ist. Dort angekommen suchte ich umsonst den Wegweiser für den Ruinengarten der Königlichen Basilika. Per Zufall entdeckte ich ihn innerhalb der Stadt durch ein Tor. Das Auto parkiert machte ich mich mit meiner Kamera bewaffnet auf den Platz. Doch die schönsten Teile der Ruinen dürfen nicht geknipst werden, was mich schon etwas traurig stimmte. So genoss ich halt den schönen Anblick der Fresken und der kleiner Gruft (ganz hinten nach dem offenen Gelände die Öffnung hinein gehen).

Kettenbrücke in BudapestAlles gesehen schaute ich auf die Uhr und sah, dass ich noch genug Zeit hatte, um nach Budapest zu gelangen. So entschloss ich mich anstelle der Autobahn die die rund 72 Km Überlandstrasse am See (Velencei-tó) entlang zu nehmen, was sich als grossen Fehler entpuppt hatte! Wer also gerne nur mit 30 bis 40 Km/h ca. 15 Km fährt bzw. schleicht, sollte unbedingt HS 7 nach Budapest wählen!!

In Budapest angekommen war ich sehr froh, dass mein Navigationssystem die Hauptstadt komplett inne hatte und ich dadurch wie ein Einheimischer sehr schnell zu meinem gewünschten Hotel „Bara“ fand. Das ***-Hotel ist in Preis- Leistung für Budapest mit € 80.- ganz ok. Man sollte dabei wissen, dass diese Stadt alles andere als günstig oder sogar billig ist!! Wie es sich für eine Grossstadt „gehört“, sind die Preise nicht nur bei den Hotels, sondern auch beim Essen in den Restaurants recht gesalzen.

Innerhalb eines „kleinen“ Abendspaziergangs suchte ich sehr lange ein Restaurant, das nicht nur Fleisch und Fisch, sondern auch etwas Vegetarisches (ich bin Vegetarier) anbot. In der Nähe der Kettenbrücke wurde ich dann endlich fündig, und konnte meinen Heisshunger stillen.

  

7. Tag (13. August 2007) Budapest
Highlights: Budapest
Wetter: von leicht Schleierwolken / sonnig
Tageshöchsttemperatur: 31 Grad

Mythischer Vogel „Turul“ in BudapestLiebe Leserinnen, liebe Leser, Budapest ist eine einmalig schöne Stadt mit so vielen Sehenswürdigkeiten, dass ich gar nicht alle aufzählen vermag. Meine persönlichen Highlights, und den Weg den ihr euch für einige sparen könnt, möchte ich euch aber dennoch nicht vorenthalten.

Wie allgemein sicher „bekannt“ ist, war die Geburtsstunde von Budapest im Jahr 1873, als die strategisch günstig angelegte Königsstadt „Buda“ und die auf der anderen Donauseite gelegene, schnell wachsende Siedlung „Pest“ vereinigt wurden. So ist sie heute mit einer Fläche von 525 Km2 die bedeutendste Kultur- und Wirtschaftsmetropole in Ostmitteleuropa und gleichzeitig die Hauptstadt Ungarns.

Wer also auf der Buda-Seite stationiert ist, beginnt am einfachsten am höchsten Punkt – mit dem Burgpalast. Darin sind das Historische Museum und die Nationalgalerie untergebracht. Beide sind vom „hören sagen“ sehenswert; ich musste sie aber aus Zeitgründen weglassen. Aber nur schon um diesen Bau von Aussen mit dem Matthiasbrunnen und dem mythischen Vogel „Turul“, der aus einer Sage stammt, genau zu sehen, benötigt man leicht eine Stunde. Vom Burgviertel selbst ist leider nicht mehr viel übrig. Auch vom Magdalenenturm, einst sicher mal eine schöne Kirche, ist nur noch der unrestaurierte Turmteil vorhanden.Fischerbastei in Budapest Ein absolutes MUSS ist aber die Fischerbastei und die angrenzende Matthiaskirche, welche zurzeit aussen renoviert wird. In der Fischerbastei, welche zwischen 1895 und 1902 erbaut wurde, verzaubert jeden Besucher mit ihren neoromanischen Türmen und dicken Mauern und versetzt sie in 1001 Nacht. Kein Wunder also ist sie das meist besuchte und fotografierte Bauwerk Ungarns! Die davorstehende Matthiaskirche wurde seit der Erbauung im 13. Jh. mehrfach umgestaltet, bis sie in ihrem heutigen Dasein strahlt. Die geometrischen Muster und Pflanzenornamente erinnerten mich stark an eine Moschee. Von dort aus unbedingt noch die Fotos vom gegenüberliegenden Parlament schiessen, da es die beste Sicht darauf bietet!

Folgt man der „Hunyadi J. ut“, gelangt man unmittelbar an eines der Wahrzeichen Budapests und erste feste Brücke über den Strom, die Kettenbrücke. Die 375 m lange und fast 16 m breite Brücke wird mit Spannketten gehalten, die an 48 m hohen, wuchtigen Pfeilern befestigt sind. 10 lange Jahre (1839 bis 1849) dauerte die Bauzeit. Von den Deutschen im 2. Weltkrieg zerstört, wurde sie jedoch schon am 21. November 1949 wieder eingeweiht.

Kettenbrücke in BudapestÜber die Kettenbrücke auf der „Pest“-Seite angelangt, zog es mich in die nahe gelegene St. Stephan-Basilika, eine mit 96 m hohen Zentralkuppel und 80 m hohen Türmen. Innen überwältigend pompös ausgestattet kann sie sich wirklich zeigen lassen. Das Interessante an dieser Basilika ist aber, dass man für 500.- Forint (Fr. 3.25) mit dem Lift in die Kuppel und somit über die ganze Stadt blicken kann. Für sportliche wie mich gab es anstelle des Lifts 300 Treppen zu steigen. Dabei begegnete ich so mancher menschlichen „Dampflocke“, die ebenfalls diesen Weg eingeschlagen hatte. Im oberen Ende der 300 Treppen führt ein Stück Treppe zwischen innere und äussere Kuppel – hier hat man die seltene Gelegenheit, die Kuppelkonstruktion in Augenschein zu nehmen. Nach einem Rundblick und Fotoshooting bevorzugte ich doch den Lift für nach unten, um meine Knie zu schonen.

Die nahe gelegene „Váci ucta“ ist Budapests Einkaufsstrasse Nummer eins. In dieser breiten Fussgängerzone hat man das Gefühl, jeden aus der Stadt zu treffen. Die unterschiedlichsten Shops, Kaffees und Restaurants sind sehr einladend und abwechslungsreich.

Leider verlor ich bis dahin so viel Zeit, dass ich um 3 Minuten für den Einlass in die Grosse Synagoge zu spät kam (schliesst schon um 16:30 Uhr). Also, zuerst die Synagoge und dann erst die Einkaufsstrasse besuchen – dann klappt es J

Blick von der St. Stephan-Basilika in BudapestAls Kirchenfan (was den Bau betrifft) werfe ich auch in die äusserlich nicht so ansprechenden Kirchen gerne mal einen Blick hinein. Auf dem Rückweg zum Hotel wurde ich deswegen von der „Innerstädtischen Pfarrkirche“ belohnt. Nichts ahnend trat ich in die älteste Kirche auf der „Pest“-Seite ein. Die Überraschung war gross als ich sah, wie gut erhalten und schön sie doch innen ist. Als ich dem alten Mütterchen zwei Euro statt einem (Fotografieren ist in dieser Kirche kostenpflichtig) in die Hand drückte und sie danach bemerkte, wie genau ich alles anschaute, erhielt ich durch sie eine private Führung durch die ganze Kirche. Dadurch erfuhr ich Details wie Gebetsnischen aus der Zeit der Türkischen Besetzung (Mihrab), Kanzel aus reinem Rosenholz gefertigt, der berühmte Franz Liszt der hier oft gespielt hat und wie es zum Stilbruch in der Mitte der Kirche zwischen barockem und gotischem Stil kam. Diese Infos erhielt ich in einem bunten Mix innerhalb eines Satzes zwischen Englisch, Deutsch und Französisch. Alles zusammen war recht beeindruckend!

Zum Schluss meiner Mega-Tour besuchte ich noch auf dem Rückweg das Gellért-Denkmal aus dem Jahre 1902, welches unmittelbar nach der Elisabethbrücke auf einer 235 m hohen markanten Erhebung im Stadtbild von Budapest steht. Über die Treppen ist diese schnell erreicht und man erhält einen wunderbaren Blick über Budapest in der Abendsonne.

Was noch zu erwähnen wäre: ohne guten Stadtplan und Reiseführer (in Buchform) sollte diese schöne Stadt schon gar nicht besichtigt werden. Dazu wirklich gute und bequeme Schuhe, denn ich habe alles zu Fuss und sicher mehr als 10 Km hinter mir gelassen.

  

8. Tag (14. August 2007) von Budapest nach Recsk (nähe Eger) / 246 km
Highlights: Dom in Esztergom / Burg in Visegrád / Donauknie / Museumsdorf in Hollókö / Landschaft von Esztergom bis Gyöngyös
Wetter: von leicht Schleierwolken / sonnig
Tageshöchsttemperatur: 31 Grad

Aussicht vom Dom auf EsztergomMit leichtem Wehmut stieg ich heute in meinen Smart, denn ich verliess nur sehr ungern diese ausgesprochen schöne Stadt. Um aber aus ihr herauszukommen, und das erst noch auf der richtigen Strasse, war aber ein anderes Thema. Navi sei Dank fand ich bis auf einen kleinen „Verfahrer“ schnell mal zur HS Nr. 10, welche mich nach Esztergom führte. Die Agglomeration von Budapest erstreckt sich über mehrere Kilometer und macht die Fahrt bis nach Esztergom nicht wirklich attraktiv. Es lohnt sich auf jeden Fall die Umfahrung bei Esztergom-Kertváros zu nehmen, da Dorog eine reine Industriestadt ist, und nicht viel zu bieten hat. Kurz vor Ende der Umfahrung kann man noch einen verstohlenen Blick auf die Suzuki-Autowerke werfen, die auf der linken Seite auftauchen.

Esztergom, eine der ältesten Städte Ungarns erkennt man schon weitem an ihrem gewaltigen Dom, der über der Stadt auf einem 156 m hohen Burgberg thront. Einst Residenz der ungarischen Fürsten und Könige ist sie seit 1715 Sitz des katholischen Fürstprimas von Ungarn. Mit seinen gewaltigen Ausmassen von 118 m Länge und 48 m Breite, seiner imposanten Kuppel beherrscht der Dom das Stadtbild Esztergom. Im Jahre 1010 fertig gestellt und einem Umbau im 12. Jh. erhielt die Kirche das legendäre Portal. Effektiv vollendet war der Dom erst 1856.

Dom von EsztergomGleich zum Dom gesteuert welcher gut beschildert zu finden ist, parkiere ich mein Auto zum Fusse des Berges, und ging die alte Holztreppe zu Fuss hinauf. Nimmt man wie ich den unteren Eingang, führt einem der Weg durch das Burgtor, nach welchem wunderschöne alte Glocken aufgebart jeden Besucher faszinieren. Die Innenausstattung des Doms aus grauem Marmor verströmt klassizistische Kühle und Erhabenheit und lässt alle Münder der Besucher offen stehen. Ein Blick in der Mitte des Doms an die Decke gerichtet, entdeckt man die Kuppel, welche durch 12 Fenster den Dom mit viel Licht durchfluten. Für 200 Forint (Fr. 1.30) kann man auch in diesem Dom die Kuppel besteigen. Unten noch einigermassen breit für eine Person windet sich die Eisentreppe immer höher, steiler und auch schmaler. Gegenverkehr wird schon fast zu einem Akrobatikakt. Die Mühe lohnt sich aber, denn von der Kuppel aus hat man einen wunderbaren Blick auf Esztergom, die Donau und auch auf den Königspalast. Von Letzterem ist doch auch noch einiges zu sehen und besuchenswert.

Wieder zurück im Auto fuhr ich in Richtung Osten auf der HS Nr. 11. Von nun an ist jeder Kilometer bis nach Recsk ein wahrer Genuss! Alles der Donau entlang bis nach Visegrád vergeht die Zeit mit der schönen Umgebung wirklich schnell. In Visegrád angekommen, der ehemaligen Königsstadt in malerischer Lage, bog ich im Zentrum rechts zur Burgstrasse ab.Wachsfigurenkabinett in der Burg Visegrád Oben angekommen zwackte mir man gleich mal 300 Forint (Fr. 1.95) fürs Parken ab. An der Kasse für die Burgbesichtigung wird man mit 900 bzw. 1300 Forint (ohne oder mit Wachsfigurenkabinett) nochmals tüchtig zur Kasse gebeten. Leider sind vom Königspalast nur noch die Ruinen übrig, welche einem nur noch eine vage Ahnung über die Grösse und einstige Pracht vermuten lässt. Dafür erhält man in den kleinen Sälen Ausstellungen über damaligen Waffen und Leben im und um den Hof zu sehen. Im Wachsfigurenkabinett findet man einen Hoftanz und Fressgelage zu sehen, wie es dazumal hätte sein können. Ganz interessant und amüsant.

Wieder zurück auf der Hauptstrasse setze ich mit der kleinen Fähre für 1550 Forint (Fr. 10.-) auf die andere Seite der Donau nach Nagymaros über. Erstaunlich ist dabei, dass diese kleine Fähre sogar ganze Sattelmotorfahrzeuge nebst PW’s mitnimmt.

Auf der HS Nr. 12 biege ich nach 14 km auf die HS Nr. 2 und danach kurz nach Rétság auf die Nr. 22 ab. Durch die Stadt Balassagyarmat hindurch fahre ich weiter bis nach Szécsény, und biege bei der Beschilderung Hollókö nach rechts ab. Somit verlasse ich die sehr gut ausgebaute Hauptstrasse und finde mich nach einer etwas holprigen Strecke in Hollókö ein. Dieses berühmte Palozendorf ist als bewohntes Museumsdorf 1987 von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen worden. Zum alten Ortskern gehören 54 zum Teil denkmalgeschützte Häuser, die trotz einigen Brände seit dem Mittelalter beinahe unverändert erhalten geblieben sind.Berühmtes Palozendorf in Hollókö Die schlichte kleine Kirche mit Holzturm passt sehr gut ins Bild, und stammt auch noch aus dieser Zeit. Alles in allem sehr sehenswert und ein gefundenes „Fressen“ für die Fotolinse.

Nun geht die kurvenreiche Strasse runter bis an die HS Nr. 21. Bei Szurdokpüspöki biege ich links nach Gyöngyös ab und folge der Strasse bis zur Ortschaft. Liebe Leserinnen, liebe Leser, diese ganze Strecke von Esztergom bis hierher ist einfach atemberaubend schön und zeigt Ungarns Landschaft von einer der schönsten Seiten. In Gyöngyös links abgebogen in Richtung Eger (Nr. 24) führt die Strasse über einen kleinen Pass. Diese bewaldete Passstrasse ist auch gleichzeitig die Hausstrecke vieler Motorradfahrer, welche in den Kurven ihre Knie beinahe am Boden aufsetzen lassen und die Motoren bis zum Drehzahlbegrenzer hochziehen. Dabei werden auch die Kurzen mächtig geschnitten, was die Autofahrer vorsichtig stimmen sollte.

Kurz vor Ausgang Recsk fand ich eine private Unterkunft bei einem älteren, sehr herzlichen Ehepaar. Fast den ganzen Abend sprachen wir über die kulturellen Unterschiede zwischen Ungarn und der Schweiz, über Familie, Beruf und Elektronik.

  

9. Tag (15. August 2007) von Recsk nach Biharkeresztes / 309 km
Highlights: Bükk-Gebirge und Nationalpark bei Hortobágy
Wetter: leichte Quellwolken / sonnig
Tageshöchsttemperatur: 32 Grad

Nationalpark bei HortobágyGute geschlafen zog ich nun nach einem Kaffee los und holte mir in den immer wieder auftauchenden „Lidl“ mein Frühstück. In Eger angekommen bog ich links in die HS Nr. 25, um nach 4 km bei Felnémet links in Richtung Felsötárkány, die Strasse welche mich über das Bükk-Gebirge brachte, abzubiegen. Die höchste Erhebung mit 958 m ü. M. ist über die sehr holprige Strasse schnell erreicht. In diesen Bergen wurden über 300 Höhlen entdeckt, einige mit vorgeschichtlichen Siedlungsspuren. Seit 1976 ist der landschaftlich schöne Teil des Gebirges als Nationalpark ausgewiesen. Obschon der erste Drittel der ganzen Strasse bis nach Hámor nicht wirklich gut zu befahren ist, wird man vom Rest der Strecke dafür nicht nur von der guten Strasse, sondern viel mehr durch die wunderschönen Wälder, welche sich vorwiegend aus Buchen und Eichen zusammensetzen, verwöhnt. Ich würde es mal mit dem Schwarzwald in Deutschland vergleichen. Es lohnt sich also die Strecke langsam zu fahren um auch links und rechts in den Wald hinein zu sehen.Wieder auf der Hauptstrasse in Miskolc bog ich rechts in die HS Nr. 3, folge dieser bis nach Mezökövesd (viel Verkehr), bog dort in die Nebenstrasse nach Borsodivánka und in der Gabelung nach rechts nach Poroszló. Auf der HS Nr. 33 beginnt 8 km nach Tiszafüred der Nationalpark und zieht sich 41 km durch eine schier unendlich lange Ebene. Hirtenleben in HortobágyAusgedehnte Weideflächen mit kurzem Graswuchs, Ziehbrunnen und Herden von Zackelschafe oder Graurinder prägen das Bild um Hortobágy. Schon 1973 wurde diese Eben Ungarns als Nationalpark ausgewiesen und 1999 erklärte die UNESCO sie zum Weltnaturerbe.Hortobágy selbst ist eigentlich keine Ortschaft, sondern mehr eine Insel aus Touristeninformationsbüro, Unterkünfte inkl. Zeltplatz, einem Restaurant, Souvenirshops und einem Hirtenmuseum. Für 500 Forint (Fr. 3.25) erhält man Einlass in das Letztere, in welchem man einen guten Einblick durch Filme, Bilder und Wachsfiguren in das Leben der Hirten bekommt.

Die Fahrt führte mich weiter nach Debrecen, in der ich auf der HS Nr. 47 bis nach Berettyóújfalu und danach auf der HS Nr. 42 nach Biharkeresztes (6 km vor der Grenze zu Rumänien) eine Appartement nahm.

  

Fazit zu Ungarn:

Nebst den wirklich vielen Sehenswürdigkeiten im ganzen Lande sind mir die wunderschönen Landschaften, ob es nun der Nationalpark, die bebauten Felder mit ihren unzähligen Quadratkilometern an Sonnenblumen und Maisplantagen oder das Bükk-Gebirge ist, gut in Erinnerung geblieben. Sicher, Budapest mit ihrem Scharm war in jeder Hinsicht der Punkt auf dem i. Aber auch die aufgeschlossenen, modernen und sehr freundlichen Menschen werde ich nicht vergessen. Ich fühlte mich auch jeder Zeit und im ganzen Lande sicher, hatte nie Probleme wegen Diebstahl oder Betrügereien und muss überhaupt sagen, dass Ungarn zum Westen sehr aufgeschlossen hat und fortschrittlich ist.

Die Strassen sind im Durchschnitt etwas schlechter als in unserem Breitengrad, dafür ist die Disziplin und Anstand (ausser gegenüber Fussgänger) zum Teil besser als bei uns.

 

Ungarn ist aus meiner Sicht inzwischen ein westliches Land und absolut eine Reise wert.

 

 
Daten und Fakten zu Ungarn: 

Amtssprache: Ungarisch

Hauptstadt: Budapest

Staatsform: Parlamentarische Republik

Fläche: 93.030 km²

Einwohnerzahl: 9.956.108 (Juli 2007, CIA-Schätzung)

Bevölkerungsdichte 108 Einwohner pro km²

BIP: 107,1 Mrd. US-$

Währung: Forint (HUF)

Unabhängigkeit am 31. Oktober 1918

Zeitzone CET (UTC+1)

Ungarn in Europa
  
 

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