Mit dem Motorrad via Griechenland in die Türkei (1999)
Reisebericht Nordgriechenland + Türkei (Südwest + Zentral)
(geschrieben von Berna Walti)
Wie es zu dieser Reise kam:
Am 1.1.99 lernten wir uns kennen, 2 Tage später hatten wir die Idee. Eigentlich wollten wir mit dem Africa Twin Club Schweiz (ATC) Tunesien bereisen. Doch wegen eines Vorfalls änderten wir kurzerhand unseren Plan und suchten eine Alternativreise. Israel/Palästina wäre unser beider Traumziel gewesen, doch wir hielten es für besser, mit unserer ersten gemeinsamen Tour "klein" anzufangen. So fokussierten wir Nordgriechenland und seinen Nachbarn, die Türkei.
Erfahrungsgemäss ist der September die beste Reisezeit für diese Länder. Die Touristenmassen sind kleiner, die Temperaturen angenehm warm und die Chance, einen Regentropfen zu spüren minim.
Unsere Reisevorbereitung: Koordinateneingabe im GPS, gute Karten, Länderinformationsbeschaffung, Geldwechsel für Italien/Griechenland (Tipp: für Türkei im Lande selbst, wegen schlechtem Währungskurs in Europa).
Anreise:
Meine 650-er XRV Africa Twin (RD03) hat bereits ¼-Lebenszeit mit über 70'000 km, die RD 07 von Werner gilt mit ihren 35‘000 km noch als jugendlich. Beladen mit je 2 Seitenkoffern u. einem Topcase, gefüllt m. wichtigsten Ersatzteilen wie Kupplungs-/Bremshebel, Flickwerkzeug, Fusspumpe, Schläuche u.ä. fahren wir am 28. August in Richtung Grenze Chiasso-Italien und übernachten in Vezia b. Lugano im gleichnamigen Biker-Motel (CHF 129.- DZ ohne Frühstück!).
Ausgeschlafen fahren wir anderntags natürlich über die Autobahn direkt nach Ancona. Am Hafen erledigen wir das übliche Check-In und parkieren unsere AT’s im dicken Bauch der Speed-Fähre Minoan-Lines. Die staatliche griechische Fähre ist luxuriös ausgestattet und soll uns in nur 15 Std. nach Igoumenitsa führen. Von den überwiegend griechischen Passagieren erhoffen wir uns die ersten Gespräche u. Infos über Griechenland, doch sie scheinen recht reserviert.
1. Tag in Griechenland: Igoumenitsa-Kalpaki (ca. 270km)
Wir wechseln Geld und tanken voll. Das Benzin ist günstiger als in Italien. Nach ca. 10km auf der Hptstr. Richtung Ionanina biegen wir rechts Richtung Filates ab.
Von hier via Kokinolitan/Keramitsa bis zurück zur Hptstr. nach Vrossina nehmen wir eine verkehrsarme kurvige schmale Asphaltstrasse. Die Gegend ist felsig u. leicht bewaldet, hie u. da gibt es kleine Dörfer, doch meist begegnen wir mehr Friedhöfen als Lebewesen. Eine Kaffepause scheint schlicht unmöglich! Bei Soulopoulo biegen wir in eine Nebenstr. Richtung Raiko ab. Auch hier sind die Strassen kurvenreich aber breiter. Und wieder weit u. breit kaum Verkehr u. Menschen.
Über Koukli u. Areti geht es Richtung Doliana. In Kalpaki machen wir unsere 1. Trinkrast in Griechenland. Auch hier sind wir die einzigen Gäste. Nur die paar vorbeifahrenden Vehikel verursachen Geräusche. Bis hier gab es übrigens keine Tankstelle f. Mensch u. Fahrzeug, die sind vermutlich alle an der Hptstr..
Wie in Schottland, überqueren immer wieder Schafherden die Strassen, wer hier zu schnell fährt, sieht sich in Schurwollkleidung wieder.
Auf der Hptstr. via Konitsa n. Neapoli kommen Kurvenfreaks so richtig auf Ihre Kosten. Angelangt in am See gelegenen Kastoria, finden wir nach der Eindunkelung doch noch eine Unterkunft. Dies hier ist ein beliebter Ferienort f. Lokaltouristen, die Einwohner sprechen kaum eine Fremdsprache u. zu guter Letzt ist alles nur in griechisch angeschrieben; am Besten greift man zur Körpersprache zurück.
2. Tag: Kastoria-Edessa (ca. ? km)
3km nördl. v. Kastoria fahren wir auf der Hptstr. Richtung Metamorfosis u. Vissinea. Auch hier ist es recht kurvig. Über Ozia geht es Richtung Perikopi. 3,5km davor beginnt eine Schotterstr.. Perikopi muss vor zig-Jahren v. seinen Einwohnern verlassen worden sein, nur eine Bauernfamilie haust hier, alle Gebäuden samt einer grossen Kirche sind zerstört; wir verdächtigen den Bürgerkrieg in den 50-er Jahren. 
Die Landschaft ist hügelig. 3km n. Perikopi beginnt eine Waldstr., es folgen 6km Grobschotter, teils felsig. Es sind die gefragten Verhältnisse des geübten "Offroadfahrers". Mein Vorderrad findet auf einem der glatten Felsstücke kein Halt mehr, rutscht und......ich komme mit schmerzenden Schürfwunden davon. Werner demontiert den linken gebrochenen Schutzflügel u. richtet provisorisch die linke Kofferhalterung. Nur der Cockpit bleibt unrichtbar schief. Aber....die Reise geht jetzt weiter. 
Es ist kurz nach 16 Uhr, wir befinden uns auf ca. 1500M Höhe evtl. auch auf dem Holzweg u. graue Gewitterwolken rücken näher. Seit dem zMorge ohne Verstärkung und seit dem Sturz noch unverstärkter suchen wir über Stock u. Stein, teilweise über Sack(strassen?), die uns 2x zur Rückkehr zwingen, den Weg nach Nimfeo. Es ist nichts beschildert, das GPS versagt (oder unsere Inputs?). Doch dann taucht aus dem Nichts Nimfeo (1730M Höhe) auf. Der kurze Weg dorthin ist allerdings steinübersät, als ob hier regelmässig Steinigungswettbewerbe stattfinden würden u. eine grosse Wasserpfütze danach lädt ungeschickte Offroader (wie mich?) zum Baden ein. Da ich jedoch keinen Badeanzug dabei habe, fährt Werner meine AT durch dieses Hindernis.
In diesem "Kaff" befinden sich ein paar hübsche Chalets aus Stein (fast wie im Wallis), auf dem linken Hügel befindet unpassenderweise eine Mülldeponie.
Von hier geht’s schlangenförmig auf Asphalt etwa 9km hinunter zur Hptstr..
In Agrapides geniessen wir in einem ruhigen Strassenrestaurant unsere 1. Rast. Währenddem wir Pommes Frites u. Zigeunersalat (mit den besten Oliven, die wir je gegessen haben), beginnt es plötzlich an zu prasseln. Innert Minuten entstehen grosse Wasserpfützen. Doch das Gewitter zieht von uns weg in die nördlichen Gebirge.
Wir bleiben bis Amindeo auf der Hptstr., es folgt eine Nebenstr. am Bahngeleise u. am Vegoritida-See entlang. Eine wilde Schildkröte überquert vor uns die Strasse, als Dankeschön für das schöne Erinnerungsfoto platzieren wir sie auf der vorgesehenen Wiese. Die wildromantische Landschaft ist jedem zu empfehlen (aber eben, mit Rücksicht auf die gepanzerten Verkehrsteilnehmer!). Sicher wäre auch die Bahnfahrt reizvoll hier.
In Arnissa am nördl. Seeende überqueren wir die Bahnlinie u. nehmen die Hptstr. Richtung Edessa. Der vorherige Platzregen hat, vermutlich wegen der überlasteten Kanalisation, Überschwemmungen verursacht. Ganze Erdschlammmassen überziehen da u. dort die Strassen u. führen zu Staus. Wir sind froh, die wasserdichten Stiefelschutzhüllen dabei zu haben, denn die besten Regenstiefel der Welt hätten hier nicht dicht gehalten.
Kaum in Edessa, erfragen wir uns bei Einheimischen den Weg zu einer trockenen Unterkunft. Ganze 3 Hotels zählt dieser Ort und die stehen alle nebeneinander. Sie sind ein wenig schmuddelig aber deswegen nicht günstiger. In der Toilette beobachten uns sogar neugierige Blicke, die Kakerlaken.
Edessa ist nicht gerade ein Ort, der als lebhaft bezeichnet werden kann. Die Restaurants schliessen früh und wir sind froh, etwas Lokales essen zu können.
3. Tag: Edessa-Nea Peramos (ca. 270 km)
Meine AT hat Anlaufprobleme (ab diesem Tag meldet sich bei jedem Startversuch das Zündboxsyndrom an – doch es hält bis 1 Tag nach Rückkehr in die Schweiz durch; über 5000km!). Kurz nach Edessa biegen wir rechts Richtung Naoussa ab. Wir passieren bei strahlendem Sonnenschein u. praktisch ohne Gegenverkehr hügelige kurvige Strassen. Unsere Augen erhaschen hie u. da weite Panoramablickfelder.
In Naoussa wird der gleichnamige Rotwein, der zu besten des Landes zählen soll produziert, leider bleibt keine Zeit zum Degustieren.
Etwa 7km n. Naoussa nehmen wir die Hptstr. bis Veria (30'000 Einw.). An der Stelle, wo im Jahr 54 Apostel Paulus seine erste Predigt hielt, hat man ein offene Kappelle m. Mosaiken errichtet. Nur wenige Schritte davon entfernt, erinnert eine Moschee an die Jahre unter türkischer Oberhoheit.
Um Zeit zu gewinnen, benutzen wir für nach Thessaloniki ausnahmsweise die Autobahn, wir zahlen pro Motorrad 250 Drachmen. Pannenspur wird in Griechenland vielerorts als erweiterte Strassenspur befahren. Uns fällt zudem auf, dass Griechen, wenn auch mit wenigen Ausnahmen, sehr diszipliniert und vorsichtig fahren.
Auf der Transitstrecke durch Thessaloniki (ca. 1 Mio. Einw.) spüren wir den zunehmenden Strassenverkehr u. die abnehmende Fahrdisziplin. (Zu)viel Verkehr, (zu)viel Menschen, westlicher Lebensstil. Weil wir das von Zuhause kennen, umfahren wir die zweitgrösste gr. Stadt, obwohl mein Grossvater, der hier geboren u. aufgewachsen war, sehr viel Schönes darüber erzählt hatte.
Richtung "ring road" u. Serres verlassen wir die 2300-jährige Stadt endgültig. Es folgt eine Hptstr. weiter Richtung Serres bis wir in eine Nebenstr. Richtung Langadas abbgiegen. Die verkehrsarme Strecke nördl. zweier Seen entlang, dem Koronia- u. Volvisee wirkt sehr entspannend. Via Profitis u. Rentina gelangen wir auf die Hptstr. Richtung Kavala, der ägäischen Meeresküste entlang. Bei Amfipolis biegen wir in eine Nebenstrasse ab, bei Orfina fahren wir links in Richtung Galipsos. Wer die Alternativroute wählt, wird die Küstenstr. nicht vermissen; denn es ist eine traumhafte Panoramastrasse!
2km vor Eleftheroupoli geht es rechts Richtung Nea Peramos. Diese kurvenreiche Strecke talabwärts ist ebenfalls eine Befahrung wert. Wir übernachten in Nea Peramos, ein touristisches Ziel f. Griechen, sehr schön am Meer gelegen. Ausserhalb der Schulferien, wie jetzt, herrscht besonnene Ruhe , wir geniessen dies.
4. Tag: Nea Peramos-Alexandroupoli (ca. 230 km)
Weiterfahrt auf der Hptstr. Eingangs Kavala biegen wir links Richtung Drama ab und fahren weiter Richtung "Philippi" (ca. 15km v. Kavala).
Wir besuchen den gleichnamigen Ausgrabungsort (Eintritt 800 Dr.), der 1914 v. franz. u. griechischen Archäologen wiederentdeckt wurde. Hier hat Apostel Paulus 49J. n. Chr. die erste Christengemeinde auf europäischem Boden gegründet.
Nach ca. 4,5km Rückfahrt Richtung Kavala biegen wir links in die Nebenstr. Richtung Paleo Kavala ein. Die kaum besiedelte herbe Gegend ist bekannt für Marmorbrüche. Nach ca. 20 km gelangen wir zur Küstenstrasse und biegen links Richtung Xanthi ab. Wir wollen das Nestos-Delta besuchen. Doch wegen ungenügender Beschilderung, mangels Einheimische die wir fragen können sowie schlechter Fahrbahn brechen wir dieses Unternehmen, nicht zuletzt auch wegen Zeitmangel, ab und finden über Schleichwege auf die Küstenstrasse zurück.
Über Porto Lagos erreichen wir gegen 16 Uhr Komotini, eine gemütliche Provinzstadt. Wir geniessen unsere 1. aber dafür längere Essrast in einem griechischen Restaurant. Es soll hier auch Türkenviertel geben, doch wir haben keine Zeit um dies festzustellen.
Nach 55km erreichen wir Alexandroupoli, in der wir unsere letzte Nacht im Norden Griechenlands verbringen.
5. & 6. Tag: Alexandroupoli-Behramkale (Assos) ca. 300 km
Bis zur türk. Grenze sind es noch 45km. Da das Benzin erheblich teurer ist in der Türkei, tanken wir an der letzten Tankstelle vor dem Grenzübertritt nochmals auf u. trinken Kaffee mit unseren letzten Drachmen. Viele Türken, die auf der Rückkehr nach Deutschland oder einem anderen westl. Land sind, machen es uns gleich. Der grossgewachsene Wirt verwehrt einer türk. Familie den Gang zur Toilette, da sie vermutlich nichts konsumiert haben. Wir hätten uns vom Griechen einen netteren letzten Eindruck gewünscht, schliesslich verdient er gut von den Reisenden.
An der türk. Grenze Ipsala schickt uns ein Beamter zum anderen. Alle wollen einen Stempel in den Pass statuieren. Einer meint sarkastisch, es sei toll, dass ich ein Motorrad fahre, bei ihnen könne manch einer nicht mal einen Esel reiten. Die Beamtenbeschäftigung sorgt bei den Ausreisenden für einen ca. 2 km langen Wartekonvoi. Wir nehmen Kurs auf Canakkale und lassen zum ersten Mal die grauen Wolken hinter uns.
In Troja (türk. Truva) besichtigen wir das berühmte hölzerne Pferd (eine Rekonstruktion), in dessen Bauch sich nach Homers Heldengedicht Illias griechische Krieger verbargen, um die vom trojanischen Königssohn Paris entführte Helena zu befreien. Es wird auch angenommen, dass der Kriegsgrund die Eroberung der Meerengen Dardanellen/Bosporus gewesen sei. Archäologen legten bisher 9 übereinander liegende Siedlungsschichten frei (Troja I „3000-2400 v.Chr.“ bis Troja IX „334 v.Chr.-400“). Anhand von Schautafeln, in türk., jap., engl. u. deutscher Sprache, sind die bisherigen Ausgrabungsresultate beschrieben.
Eigentlich wollen wir auf einer Naturstrasse über Kalafat n. Üvecik fahren, doch die im Nu um uns versammelten Einwohner Kalafats meinen, dass wir es wegen des Sumpfgebiets nicht schaffen würden. Nicht mal mit dem Traktor sei ein Durchkommen möglich, was uns schliesslich überzeugt. Dass ich ihrer Sprache kundig bin, können sie zuerst kaum fassen. Eine Frau auf grossem Motorrad ist hier immer noch sehr selten und dazu noch eine Türkin.
Übrigens, Einheimische schicken dich meistens auf die Hauptstrasse. Für sie ist es unverständlich, dass jemand „Offroads“ sucht. Deshalb sollte man sich immer ganz genau nach den Strassenverhältnissen erkundigen.
Wieder auf der Hptstr.Richtung Izmir, geht’s nach Sapanca rechts Richtung Ayvacik. Von hier bis Assos, etwa 17km, sind die Strassen schmal, kurvig u. uneben. Nach dem Dorf Assos (türk. Behramkale), wo Aristoteles u. Apostel Paulus geweilt haben sollen, führt schlangenförmig ein ca. 1,5km langer grob steingepflasterter Weg zum stillen Hafenörtchen Iskele.
Abends tummeln sich in den originellen Kneipen die betuchten Istanbuler, dafür sind ihnen die über 200km (pro Weg!!) keine Müh. In jeder der 4-5 gastronomischen nach gleichem Stil restaurierten Einrichtung (Musikbars & Hotels) gibt es eine andere Musikstilrichtung. Wir bleiben 2 Nächte im luxuriösen „Kervansaray“. In nur 12km Entfernung liegt die griechische Insel Lesbos.
7. Tag: Behramkale (Assos) – Pamukkale, ca. 460 km
Auf einer neuen ca. 20km langen Küstenstrasse gelangen wir wieder auf die pulsierende Izmir-Hauptstrasse Richtung Edremit und verlassen sie bei Keremköy links Richtung Bergama. Diese 60km lange beidseitig bewaldete Nebenstrasse wurde kürzlich asphaltiert. Die Türken verwenden derart grobes Gestein, das die Benützer glatt walzen dürfen, dabei verrichten die rassigen Lkw-Fahrer die Hauptarbeit. Eingangs Bergama fordern uns 3 unbehelmte jugendliche mit frisierten Kleinmotorrädern zu einem Rennen heraus. Werner macht voll mit und rast ihnen davon, da ich mich geschlagen gebe, verschwinde ich in ihrer Staubwolke.
Bergama beherbergt die antike Stätte „Pergamon“, eine der 7 apokalyptischen Kirchen Kleinasiens. Das Pergament-Papier stammt ursprünglich von hier. Leider bleibt uns keine Zeit für eine Besichtigung und so setzen wir unsere Fahrt Richtung Westen, über Soma nach Akhisar, fort. In Akhisar befand sich ebenso eine der 7 Kirchen, die Thyatira-Kirche, ansonsten ist die Gegend für Teppichknüpferei bekannt.
Es ist später Nachmittag als wir uns auf der Nebenstrasse, über Gölmarmara nach Salihli, Richtung Süden fortbewegen, dann bis Alasehir auf der Hauptstrasse. Beim 1. Tankstopp blicken wir auf eine ca. 230km lange verkehrs- und vor allem Lkwreiche Strecke zurück, währendem uns der Tankstellenwart, wie so oft in der Türkei, einen starken Cay (Tee) offeriert. Es gibt viele Weinrebe-Hügel in dieser Region, Bauern legen die Sultaninen überall zum Trocknen aus, sogar neben Tankstellen. Wir pusten den Strassenstaub weg und naschen ein paar weg....wie honigsüss die sind.
Sinnesgestärkt vom Tee, Benzingespräch und von den Sultaninen, verlassen wir diese andere aber ebenso schöne Türkei. Über Buldan gelangen wir nach Sarayköy, währendem die Sonne wie rote Lava dahinschmilzt. Ausgangs Sarayköy biegen wir links in eine Landwirtschaftsstrasse ab und es dunkelt bereits ein. Ich fahre allmählich blind, da mein Scheinwerfer seit dem Sturz in Griechenland seitwärts abstrahlt. Es fällt mir schwer, mich nach Werners Scheinwerfern zu orientieren und meine Augen zucken vor Anstrengung. Sichtlich erschöpft nehmen wir in Pamukkale ein schmuddeliges Hotelzimmer, das direkt den berühmten Kalksteinterrassen gegenüber liegt. Nach einer kleinen Mahlzeit und Kriegsführung gegen hungrige Mücken, versinken wir in tiefem Schlaf.
8. Tag: Pamukkale (türk. Baumwollschloss) – Egirdir Gölü (Göl=See), ca. 200 km
Und als wir erwachen...na nu, hat es geschneit? Ah, es ist der weisse Kalkberg. Nach einem mageren Frühstück erklimmen wir mit nackten Füssen die Kalksintterassen. Schuhetragen ist seit einigen Jahren wegen Verschmutzungsgefahr verboten. Steht man vor einem kalkbedeckten Hügel, sieht der Hintergrund wie eine Gletscherwand aus.
Hier entstehen faszinierte Fotoaufnahmen. Illegal erbaute Hotels leiteten jahrzehntelang das aus den Quellen (36-57°C heiss) sprudelnde kalkhaltige Wasser zu ihren Bädern ab, so dass der Schmutz auf den Terassen nicht weggespült werden konnte und sich braun färbte. Inzwischen hat man über die Hälfte der Hotels abgerissen und die Terassen werden regelmässig geflutet. Oben auf dem Plateau können Reste des antiken Hierapolis (gegründet im 2. Jhrd. v. Chr.) besichtigt werden.
Wir fahren Richtung Denizli und biegen nach ca. 13 km links zur Hptstr. Richtung Isparta ab. Bei Cardak, zwischen Denizli u. Dinar, kann man rechts Richtung Gemis,
einen Schotterpfad am rechten Ufer des Acigöl (Salzsee) nehmen. Eine geheimnisvolle wilde Landschaft! Aus Zeitmangel bleiben wir auf der Hptstr. und biegen ca. 50 km nach Dinar bei Kirikcayir links in Nebenstrasse Richtung Gönen ab. Über Atabey und Harmanören gelangen wir etwa 12 km vor dem Egirdir-See auf die Hauptstrasse. Ab Gönen sorgt die Landschaft, mal braun, mal grün, mal ein kleines Dörfchen, ein Einheimischer auf einem Esel, reichlich für Abwechslung. Oberhalb von Egirdir, ist die Aussicht auf den See und ihre Umgebung so toll, dass wir anhalten müssen, obwohl dies wegen der Militärpräsenz verboten ist. Als sie uns mit Trillerpfeifen und Hey-Rufen daran hindern, haben wir unser Panorama-Foto schon geschossen.
Ich empfehle allen Reisenden, sich auf die Landzunge Egirdirs zu begeben und sich in einem der zahlreichen Pensionen m. herrlicher Seesicht niederzulassen. Im Adac-Motel, ein Familien-Unternehmen, wird man besonders herzlich aufgenommen, sie haben mich nach 2 Jahren sofort wieder erkannt als wir 1997 mit 11 Motorrädern und 15 Personen zu Gast waren.
9. Tag: Egirdir Gölü - Göreme, ca. 460 km
Wenn wir eine Note von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) geben müssten, so erhielte die ca. 130km lange Route zwischen Egirdir-See und Beysehir die 10. Dazwischen befinden sich die Dörfer Agilköy – Aksu – Yakaafsar – Yenisarbademli – Yesilday, fernab von der Zivilisation. Weit und breit scheinen wir die einzigen Verkehrsteilnehmer zu sein; nur vereinzelt sehen wir Einheimische oder frei herumlaufende Kühe. Ich glaube hier beginnt Tibet, einfach fabelhaft diese Postkartenlandschaft! Auf Anfrage, nimmt Werner den Bürgermeister
von Yenisarbademli ein Stück mit, ein lächelnder Mann über 60. Wenig später nehmen wir einen jüngeren Mann bis Beysehir mit, wo er uns zum Tee einladet. Noch 97km auf der Hptstr. bis Konya (ca. 700'000 Einw.), dem sog. Islamisten-Hochburg der Türkei. Konya ist Hauptstadt der grössten türk. Provinz und liegt auf 1016m Höhe. Ihre Bewohner leben vorwiegend von landwirtschaftlichen Rohstoffen und der verarbeitenden Industrie. Das Mevlana-Kloster der tanzenden Derwische u. die Sarophage des alttürk. Ordensgründers können besichtigt werden. Etwa 57km südöstlich von hier liegt die Ausgrabungsstätte „Catal Hüyük“, eines der bisher ältesten Siedlungen der Menschheit (6'800 v. Chr.). Der Zeitmangel treibt uns jedoch 106km Nordostwerts, über die vielbefahrene Hauptachse nach Aksaray.
Wir umfahren Aksaray auf der E90. Es ist später Nachmittag geworden und Nevsehir noch 80km entfernt. Während eines Tankstopps nehmen wir rasch 1-2 Baklava (Süssspeise) und Cays zu uns. Das Sonnenlicht schmilzt langsam weg, als wir die hügeligen Wege „Kappadokiens“ erreichen und sich die einzigartige Tufflandschaft um uns in rötlichem Schimmer emporhebt. Wow,...dafür gibt es keine Worte!
Live sieht diese mystische Gegend einfach unglaublicher aus. Noch nie haben ich und Werner ihresgleichen gesehen. Wir erkundigen uns in Göremeköy, im Zentrum dieses Nationalparks, gleich nach der schönsten und zugleich teuersten Unterkunft, dem Hotel Ataman. Hier gibt es etliche ausgehöhlte Unterkünfte aller Preiskategorien. Als wir unsere 2-Rad-Limousinen am Eingang der Nobelhöhle (aus dem 18. Jhrd.) parkieren, glaubt das Personal, wie sie uns Nächstentags verrät, dass wir uns nach einem Blick auf die Preistafel (ab 170.- USD) wieder verabschieden würden. Biker haben doch kleine Budgets?!
10. – 13. Tag: Göreme Nationalpark (Kappadokien)
Sind wir im Märchen aus 1001 Nacht? Man beherbergt uns für 120.- USD/Nacht (Dumpingpreis der Tiefsaison) in der orientalischen Hochzeitssuite. Die Zimmer sind unterschiedlich aber mit viel Holz, Satin und Kelims ausgestattet, was keineswegs kitschig sondern vielmehr harmonisch und heimelig wirkt.
3-4 Tage eignen sich gut, um die 300km2 grosse bizarre Landschaft zu erkunden. Durch die mondlandschaftähnliche Gegend zu kurven macht richtig Spass. Wer Matmata in Tunesien kennt, kann sich ein Bild davon machen, nur reicht das hier viel weiter. Zwei nicht mehr existierende Vulkane sorgten für eine riesige Tuffschicht.
Wasserläufe gruben sich jahrtausendelang darin ein und trugen das Material ab, woraus Erdpyramiden u. Felskegel entstanden. Von Römern und Arabern verfolgte Christen fanden in diesen leicht bearbeitbaren Tuffgestein komplexen Schutz. So entstanden zwischen dem 7. u. 9. Jhrd. Kirchen u. Klöster. Viele davon sind noch gut erhalten oder wurden restauriert und können gegen Eintrittsgeld besucht werden.
Am Sunset-Hügel beobachten wir den schönsten Sonnenuntergang, von der Üchisar-Befestigung aus, hat man den besten Überblick über Kappadokien. Den feinsten einheimischen Rotwein trinkt man in den teureren Restaurant.

14. Tag: Göremeköy – Mut, ca. 350km
Nachdem wir den beiden einzigen Obern des Hotels Trinkgeld verabreichen, verlassen wir den Märchenpark. Wir kommen bestimmt wieder.
Nach 32km Richtung „Nigde“ besuchen wir eines der etwa 34 unterirdischen Städte, die während der Hethiterzeit und von frühen Christen bewohnt waren. In „Derinkuyu“ wurden bisher 8 Etagen unter der Erde freigelegt, worin sich Weinkeller, Wohnungen, eine Kirche und sogar das erste Irrenhaus der Welt befinden. Für diese hoch empfehlenswerte kühle Murmeltour ist eine Taschenlampe notwendig.
Bis Kemerihisar sind es noch 75km auf der Hauptstrasse, dann nehmen wir bis Yeniköy eine unbefestigte Landwirtschaftsstrasse. Eine wüstenähnliche weite Landschaft und ein primitives Lehmhütten-Dorf wie in Afrika bietet sich uns an. So krasse Gebiets- und Zivilisationsunterschiede sieht man in der Türkei häufig.
Über Eregli erreichen wir nach 150km Karaman, bis „Mut“ sind’s jetzt nur noch 80km. Mut sieht richtig anatolisch aus, überall lauern dunkelschnäuzige Männer mit weiten Hosen. Nahe der Hauptstrasse finden wir ein sauberes, einfaches Hotel, in dessen unvermietetem
Schaufenster wir unsere Motorräder einsperren dürfen. Als Lkw-Transitstrecke in den Süden, liegen die Esslokale an der Hauptstrasse und sind auf müde, hungrige Fernfahrer ausgerichtet. Zu unserer Überraschung erhalten wir als einzige ausländische Gäste Servietten, Besteck und Gläser statt Dosen. Da der freundliche Wirt uns darüber hinaus nicht abzockt, runden wir die Rechnung auf.
15. Tag: Mut – Alanya, ca. 280km
Es war eine extrem schwüle Nacht. Nach dem Standard-Frühstück, Oliven-Schafskäse-Konfitüre-Butter, holen wir unsere Motorräder wieder aus dem Schaufenster. Am Busbahnhof raten uns die Chauffeure von der beabsichtigen Bergpanoramaroute Richtung Ermenek wegen Strassenbauarbeiten ab.

Nach 29km auf der Hauptstrasse Richtung Silifke, biegen wir rechts in die Nebenstrasse Richtung Gülnar/Aydincik ab. 55km lang ist dieser verkehrsarme idyllische Streckenabschnitt und in einwandfreiem Zustand. Aydincik ist der östlichste Punkt unserer Reise an der Südküste. Die 58km bis Anamur sind kurvenreich aber defekt, der Asphalt durch die extreme Hitze buckelig.
Die Region ist bekannt für Bananen, den Strassenrand säumen zahlreiche Bananenstände. Trotz Sicherheitsmanko, müssen wir zum 1. Mal unsere Goretex-Hosen durch normale Jeans austauschen, denn die Temperaturen sind auf über 35°C angestiegen.
Ca. 7 km vor Anamur besichtigen wir eine Burg aus dem 12. Jhrd. Vor dem Eingang tummeln sich in einem Biotop verschiedene Wasserschildkröten-Arten.
Zwischen Anamur und Gaziapasa (81km) gibt es keine einzige Tankstelle, die Fahrbahn ist kurvig, schmal und uneben. Die nächsten 48km zwischen Gazipasa und Alanya sind hingegen touristisch geprägt, nicht mehr Bananenplantagen sondern 2- bis 4-Sterne-Hotels dominieren die Küste.
Gerade bevor es eindunkelt, quartieren wir uns am Hafen dieser Mega-Touristenstadt Alanya, im Kaptan Oteli (angenehmes 4-Stern-Hotel), ein. Alles scheint hier in Bewegung, helle Strassenlaternen, bunte Souvenirläden, Musik, Stimmen, Gelächter und gebräunte Touristen, vorwiegend Deutsche. Nach den bisher ziemlich verhaltenen Reisezielen, die wir hinter uns haben, geniessen wir geradezu dieses reichhaltige Angebot.
16. Tag: Alanya - Olympos, ca. 260km
Doch 1 Abend Konsumgesellschaft genügt und wir verlassen Alanya nach dem Frühstücksbuffet weiter westlich Richtung Antalya. Nach ca. 99 km biegen wir rechts zum 4km entfernten Amphittheater „Aspendos“ (v. 2. Jhrd., sehr empfehlenswert) ab. Einst war Aspendos eine wichtige Hafenstadt, doch die Strandlinie hat sich seit dem Altertum um 3-4 km meerwärts verschoben.
Nach weiteren 43 km westwärts, biegen wir rechts zu den ca. 3 km entlegenen „Düden“-Wasserfällen ab.
Eine feuchtfrische Abwechslung! Gegen Eintrittsgeld kann man zu Fuss die Höhlendurchgänge hinter den Fällen beschreiten oder sich im Park oder in einem Restaurant erholen. Jugendliche Einheimische imponieren mit Sprüngen aus etwa 17m Höhe. Sonntags tummeln sich hier Familien für einen Picknick. Am Eingang steht stets ein Dromedar für Touristenfotos bereit.
Für nach Olympos müssen wir quer durch Antalya fahren, dabei hilft uns die gute Beschilderung. Inzwischen hat die Stadt gegen eine halbe Million Einwohner, viele aus Anatolien. Antalya verfügt über einen eigenen Flughafen, welcher im Sommerhalbjahr hunderte von Charterflügen abfertigt, die Touristen zu Badeorten wie Side, Belek oder Kemer bringt.
Unterwegs peilen wir hungrig und durstig ein Restaurant an der Hauptstrasse an und beobachten den vorbeirollenden Verkehr. Manche Lkw’s sind haarsträubend überladen oder wären bei uns längst schrottreif, wir befinden uns eben auf anderen Breitengraden der Erde. Ich habe dazu eine folgende Regel aufgestellt, „je überladender ein Transportmittel, desto ärmer bzw. problembeladener ist das Volk“.
Breite kurvige Küstenstrasse, links das Meer, rechts Pinienwälder, über uns hellblauer Himmel. Bei sinkender Sonne, verlassen wir die Küstenautobahn und biegen links Richtung Olympos (türk. Cirali) ab. Noch 11km enge kurvige Strassen bis zum naturbelassenen Tal. Hier gibt es ausschliesslich einfache Unterkünfte und man hat das Gefühl, in einem Indianergebiet zu sein. Junge „grüne“ Türken oder „Hippies“ aus Westeuropa verleihen diesem Ort auch einen Hauch vom „Aussteigen“.
Ich bin jetzt das 3. Mal hier, doch die mitternächtliche „Fire-Tour“ zum 300m hohen Feuerberg, wie sie hier genannt wird, lasse ich mir nie entgehen. Der Fusspfad liegt inmitten des Waldes und ist ohne Taschenlampe nicht zu empfehlen. Oben angelangt, sieht man an verschiedenen Stellen das Feuer aus dem Boden oder Felsspalt flackern und es riecht nach Erdgas. Sonnenstrahlen entfachen hier seit Jahrtausenden das Feuer ohne Einwirkung des Menschen. Erste Seefahrer sollen die Feuer als Orientierung benutzt haben und nach Homers „Ilias“, handelt es sich um das feuerspeiende Ungeheuer „Chimäre“.
17. Tag: Olympos - Fethiye, ca. 225km
Am frühen Morgen verlassen wir dieses Naturschutzgebiet um Olympos Richtung Fethiye. Auf halbem Wege machen wir Rast in Kale (einst „Myra“ genannt). Eine Tafel am Ortseingang heisst uns in der Stadt des „Santa Claus“ willkommen. Wir besuchen die Basilika des ersten Bischofs von Myra, wo sein ausgeplündertes Marmorgrab steht. Piraten haben seine Gebeine nach Italien geschmuggelt. Niklaus wurde um das Jahr 300 in Patara, 100 km westlich von Myra geboren. Die Türken nennen ihn liebevoll „Nöel Baba“, was Weihnachts-Vater heisst. Er soll einem armen Bauer das Mitgift für seine 3 Töchter durch den Kamin (da das Haus verriegelt war), in die dort zum Trocknen aufgehängten Strümpfe geworfen haben, damit sie verheiratet werden konnten; woher der Ausdruck Nikolausstiefel stammt.
Ebenso bekannt sind hier die Orangen- und Mandarinenbäume.
Vom Hafen Kale’s aus werden Bootstouren zu einer versunkenen Stadt an der Insel Kekova angeboten. Ein empfehlenswerter Ausflug.
Entlang wilder felsiger Buchten, fahren wir an historischen Orten wie Patara, Saklikent-Canyon, Letoon, Xanthos, Tlos usw. vorbei. Für die Besichtigung dieser Ausgrabungsstätten bleibt jedoch keine Zeit und zudem haben wir genug dergleichen besucht. Mit der Zeit, sehen für Laien wie uns, alle antiken Stätte gleich aus.
17. – 19. Tag: Fethiye und Umgebung
Fethiye bietet Tourismus à-la-carte. Wir nisten uns direkt am Meer, in einem modernen 3-Stern-Hotel ein. Die nächsten 2 Tage besuchen wir den berühmten Bilderbuchstrand „Olüdeniz“ (dt. Totes Meer), eines der besten Paragliding-Orte Europas und die Felsengräber aus dem 4. Jhrd. v. Chr..
Bei der Hondavertretung kann ich endlich das Cockpit meines Motorrades richten lassen. Während unserer Clubreise vor 2 Jahren, waren wir schon mal hier. Ein lokales Fernsehteam interviewte uns damals vor dieser Werkstatt.
20. Tag: Fethiye – Datca, ca. 220 km
Heute steuern wir die Halbinsel Resadiye an, deren Hafenstädtchen „Datca“ als heilklimatischer Kurort gilt, da die Luftfeuchtigkeit nahezu bei Null liegt. Ca. 53 km nach Fethiye kann man links Richtung Dalyan abbiegen, was ein Besuch wert ist. Dalyan ist Ausgangspunkt für Bootsfahrten nach Kaunos, mit seinen rund 150 Felsengräbern, zu den Sultaniye-Thermen oder zum Iztuzu-Strand, dem Rückzugsgebiet für Meeresschildkröten.
Bevor man an der grossen Kreuzung bei Gökova in die lange Baumallee Richtung Marmaris abbiegt, sollte man unbedingt das nahe gelegene Restaurant „Cennet“ (dt. Paradies) besuchen. Diesen Tipp verdanke ich einem Bekannten aus Izmir.
Nach der feinen Mahlzeit, für mich wie immer vegan (rein pflanzlich) und für meinen Mann Werner vegetarisch, fahren wir bei Temperaturen über 30° C dem Badeort Marmaris zu. Der Weg auf die Halbinsel ist gut beschildert. Die hügelige Bergstrasse wurde vor Kurzem verbreitert und nicht mehr so gefährlich. Kiefernwälder und rötlich-mergeliges Gestein prägen diese wilde schroffe Landschaft.
In Datca sichern wir uns zuerst die Tickets für die Fährüberfahrt nach Bodrum. Ab Mitte September verkehrt die Mini-Fähre nur 1x montags und freitags. Die Alternative ist ein grosser Umweg via Marmaris nach Bodrum.
Ein Hotel am Meer ist genau das Richtige. Wir geniessen Datcas gesunde Luft und schöne Gegend. Bekannt ist zudem das 34km entfernte antike Knidos, am Ende der Insel, wo schöne Sonnenuntergänge beobachtet werden können. Mir gefällt es so gut in Datca, dass ich mir vor ein paar Jahren Land zum Kaufen angesehen hatte.
21. Tag: Datca – Bodrum, ca. 10! km
Kurz vor 9 Uhr treffen wir im kleinen Hafen ein. Wir befestigen unsere Motorräder an der Seite der Fähre, danach dürfen 8 Pkw’s rein, dann ist die Kutte voll.
Die Passagiere nehmen am Sonnendeck Platz und nippen am Teeglas. Nach nur 2 Stunden erreichen wir den grossen Yachthafen von Bodrum, das türkische Saint Tropez schlechthin. Seinen Reiz hat das Städtchen trotz des Wachstums erhalten, die Bauten sind niedrig und haben einen weissen Anstrich. Sie pulsiert 24 Stunden am Tag. Dafür sorgen originelle Bars, Diskotheken, Cafés oder Boutiquen. Wer hier seinen Urlaub verbringt, gehört mindestens zur gehobenen Mittelschicht der Türkei.
Nicht ungern barrikadieren wir uns in der Nähe des Hafens in einem historischen 4-Sterne-Hotel mit grossen Swimmingpool.
22.-23. Tag: Bodrum und Umgebung
Vom 6. antiken Weltwunder, das Mausoleum von Halikarnossos, blieb fast nichts mehr. Erdbeben im 13. Jhrd. liessen seine Mauern und Säulen stürzen. In der Kreuzritterburg (15Jhrd.), dem Wahrzeichen der Stadt, befindet sich ein Museum mit Ausgrabungsfunden der Region, ein meereskundliches Museum sowie ein Glasmuseum.
24. Tag: Bodrum – Pamucak bei Selcuk (Ephesos), ca. 215 km
Über eine 52 km lange kurvige Küstenautobahn, die 1x jährlich für ein Rallye gesperrt wird, gelangen wir zum Provinzort Milas. Der Strassenbelag ist teilweise so glatt, dass das Motorrad von Werner bei einer absteigenden Kurve schrägwärts rutscht. Die Gegend ist mal wild, mal beackert, mal hügelig mal bewaldet, also wieder mal abwechslungsreich. Besonders schön ist der Abschnitt um den Bafa-See.
Bei Dalyan biegen wir links nach Milet ab. Eine schöne antike Ausgrabungsstätte mit gut erhaltenem Theater (2. Jhrd.) ist zu sehen. Die Stadt soll im 11. Jhrd. v. Chr. von den Ioniern (Griechen) gegründet worden sein. Damals befand es sich am Hafen, doch der Fluss Menderes schob die Küstenlinie soweit meerwärts, dass der Hafen versandete und an Bedeutung verlor.
Unser Zwischenziel ist eigentlich der „Dilek-Nationalpark“. Im kleinen Dörfchen Tuzburgazi erkundigen wir uns nach dem Strassenzustand. Sie meinen alle, es sei unmöglich, die Landeszunge zu umfahren. Tatsächlich ist nach 12km Weiterfahrt Endstation, wo ein Militärposten stationiert ist. Der zuständige Offizier ladet uns zum Tee ein und wir plaudern eine Weile über das türkische Militär und die Kurden.
Wir fahren wieder 12km zurück und gelangen vorbei an Baumwollfeldern, wo gerade geerntet wird, nach Söke. Lange Traktorenschlangen, beladen mit Baumwolljutensäcken, warten am Strassenrand auf die staatliche Abnahme. Ein Schild weist uns nach Kusadasi, einer Hafen- und Touristenstadt. Wir durchstreifen sie der Küste entlang und halten erst wieder in „Pamucak“ an, wo wir in einer einfachen Unterkunft am Strand übernachten.
25.-27. Tag: Selcuk
Wegen der Moskitoplage in Pamucak, hausen wir die nächsten 2 Nächte in einer hübschen Holzresidenz inmitten von Selcuk. Selcuk ist vor allem
berühmt für die antiken Stätte „Ephesos“. Das Ephesos-Museum verschafft uns einen Überblick von den Ausgrabungen. 7km südwestlich von Selcuk befindet sich der Wallfahrtsort, das Marienhaus. Die Mutter Jesu, soll hier ihre letzten Tage verbracht haben. Auch die Johannes-Basilika ist sehenswert, sie liegt oberhalb der Stadt Selcuk.
7 km östlich befindet sich das einst griechisch bewohnte Dorf „Sirince“ (dt. niedlich). Vor dem Abzug der Griechen hiess es „cirkince“ (dt. hässlich). Selcuks Bewohner zogen sich früher hierher zurück,
wenn der Fluss Menderes Hochwasser führte. Einen Besuch ist das Dorf schon alleine des Apfelweines wegen wert. Für Bierliebhaber gibt’s ja noch das „Efes“-Bier, das im ganzen Land zu haben ist.
28. Tag: Izmir, ca. 90 km
Nach ein paar Erinnerungsbildern mit Baumwollfeldarbeiterinnen, schliessen wir unsere Türkeireise ausgangs Selcuk ab und fahren über die Autobahn zum Alsancak-Hafen in Izmir. Dort wartet bereits unsere Fähre für die 3-tägige Überfahrt nach Venedig. In der MMM-Filiale der Migros, gegenüber dem Hafen, decken wir uns noch mit diversen Snacks ein, da das Anbot auf der Fähre dürftig ist.
Noch ein letztes Mal blicken wir vom Deck der türkischen Maritime Line auf die einst sehr schöne Stadt Izmir. Ein Bekannter von mir nennt sie ironisch „Iz-mir-übel“, dem heute leider nichts beizufügen ist.

Karten
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GPS Informationen
Als kleines Hilfsmittel für die Reise montierten wir ein Garmin GPS III Satelliten-Empfänger. Am Ende der Reise teilte er uns folgendes mit:
Durchschnittliches Tempo: 68,1 Km/h
Total Km mit GPS: 5181 Km
Total Km nach Tacho: 5491,9 Km
Die Differenz zwischen GPS und Tacho ergab es durch keinen Empfang des GPS (Tunnel oder nicht immer eingeschaltet).