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Mit dem Motorrad via Türkei nach Syrien (2001)

 

 

 

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Reisebericht Türkei + Syrien
(geschrieben von Berna Walti)

Eine Grenze – Zwei Welten

 

Samstag-Montag, 8.-10. September

Oetwil an der Limmat (Schweiz) – Venedig – Cesme (Südwesttürkei)

Auf dem kürzesten und schnellsten Weg durch den Gotthardtunnel, über die Grenze bei Chiasso und die italienische Autostrada, erreichen wir am späten Nachmittag den Fähr-Hafen von Venedig. Die „Turkish Marmara Lines“, kurz TML, fährt um 19 Uhr ab, das so genannte Check-in beginnt zwei Stunden davor.

Ab September bis Juni sind die Passagierzahlen gering, die Kutte wird deshalb mit europäischen Gebrauchtwagen, grösstenteils der Marken Opel Vectra und Mercedes C-Klasse ausgelastet.

Die 2-Räder werden in der zweiten Parketage mit Seilen an Stahlwänden und –Masten fixiert, damit bei hohem Wellengang nichts herumfliegen kann. Danach hinterlegen wir unsere Pässe beim Empfang und beziehen unsere lang ersehnte 2-Bett-Aussenkabine mit Meersichtobligatorium.

Wir (links) und unsere Teilzeitbegleiter Gemäss Prospekt benötigt die Fähre 51 Stunden zur südwesttürkischen Hafenstadt Cesme. Während der Überfahrt kann man eigentlich nur abschalten und sich mental auf die bevorstehende Reise einstimmen. Wir lernen zwei Motorradfahrer, Nils und Thomas kennen, die aus der Umgebung von Köln kommen. Sie wollen mit ihrer BMW R 80 (Jg. 87?) und Honda Africa Twin XRV 750 (Jg. 99?) transit durch die Türkei fahren und Syrien, Jordanien, wenn’s reicht auch Israel besuchen. Genau wie uns, stehen ihnen drei Wochen zur Verfügung.

 

Dienstag, 11. September

Zwischen Cesme und Konya – vom Südwesten nach Zentralanatolien

Unsere Fähre kommt 2,5 Stunden verspätet, um 00.30 Uhr in Cesme an. Das Anlege-Manöver eines grossen Schiffes in einem kleinen Hafen ist beeindruckend. Nachdem uns die türkischen Stempelmasochisten, „wie üblich“ freundlich aber lange aufhalten, sind wir gespannt, ob wir ausserhalb der Saison ein geöffnetes Hotel finden. Da meine Eltern in Cesme ein Ferienhaus haben, kenne ich diese Gegend gut, so scheint es normal, dass Nils, Thomas und Werner mir nachfahren. Beim zweiten Versuch müssen wir sogar den Hotelbesitzer wecken, dafür gibt’s saubere Doppelzimmer inkl. Frühstück für 20 Millionen Türk. Lira, umgerechnet CHF 12.- pro Person. Da wir noch kein Geld gewechselt haben, borgt uns der Mann ohne Weiteres 20 Mio. TL, damit wir einen Schlummertrunk nehmen können. Nils ist der erste uns bekannte Deutsche, der keine alkoholischen Getränke konsumiert.

Nach dem typischen Touristenfrühstück, Weissbrot-Schafskäse-Oliven-Konfitüre-Margarine, wechseln wir Geld auf einer Bank und müssen in unseren Portmonees Platz für 500 Mio. TL, umgerechnet CHF 600.-, machen.

4-Rad-AntriebWieder zu viert unterwegs, waschen wir auf einer Tankstelle das salzige Meerwasser von unseren Motorrädern herunter und steuern auf die gebührenpflichtige Autobahn (ca. CHF 3.- / 75 km) nach Izmir zu. Zwischen Izmir und Konya folgt eine breite Hauptstrasse, auf der wir im Schnitt gefahrlos 110 km/h drücken. Nach den Orten Salihli und Afyon, erreichen wir vor Einbruch der Dunkelheit Aksehir und quartieren uns in einem provinziellen Hotel ein. Konya ist noch 140 km entfernt aber nachts fährt es sich auch in der Türkei nicht gut.

Von Einheimischen erfahren wir über Flugzeugentführungen und Anschlägen in den USA und müssen via Bildschirm und anderen Kontakten herausfinden, ob wir morgen nach Syrien einreisen können.Neuer BMW-Fan?

Fazit: Abgesehen von den globalen Ereignissen, blicken wir auf eine angenehme erste Reiseetappe mit abwechslungsreicher Landschaft und idealen Wetterverhältnissen zurück.

 

 

Mittwoch, 12. September

Türkische Strafsitten – unterwegs in Zentralanatolien

Wegen den unberechenbaren Rachegelüsten der Regierung Bush’s, fokkusieren wir statt Syrien Kappadokien. Nils und Thomas finden auch, dass abwarten klüger ist. Via Konya, Aksaray und Nevsehir fahren wir ins zentralanatolische Göremetal.

Dein Freund und BremserAusgangs Konya tappen wir zum ersten Mal in eine türkische Radarfalle, weil wir knapp 30 Km/h zu schnell gefahren sind. Zwei uniformierte Polizisten klären uns kurz über das Vergehen auf und verhängen eine Busse von umgerechnet CHF 60.- pro Person, was für hiesige Verhältnisse sehr hoch ist. Doch eine Frau, die ein grosses Motorrad beherrscht (wenn auch oft umgekehrt), türkisch spricht und mit ihrem fremdsprachigen Mann die Türkei bereist, ist nicht alltäglich. Also reduziert der Beamte das Strafmass auf ein gastfreundschaftliches Minimum von CHF 15.- p.P.. (Eine grossartige Geste, unter Anbetracht der Tatsache, dass wir mit unserer Übertretung weder Mensch noch Tier gefährdet haben, da die Gegend unbewohnt ist und zum Zeitpunkt verkehrsarm war) und quittiert es ordnungsgemäss.Ein eitler Abschreckungsversuch

In Göreme, wo wir 1999 schon waren, buchen wir zwei Nächte im „Ottoman House“ und geniessen die orientalische Ambiance. Die besondere Note: ein absolut gefährlich aussehender (aber absolut lieber) Hotel-Hund bewacht den Eingang. Via SMS verabreden wir uns am Abend mit unseren deutschen Kollegen und tauschen das Erlebte aus.

Fazit: Das Teilstück zwischen Konya und Göreme ähnelt einer Mondlandschaft. Die Gegend ist weniger besiedelt und karger geworden. Auf Grund höherer Lagen über 1000 Meter, ist das Gebietsklima um diese Reisezeit sehr angenehm.

 

Donnerstag, 13. September

Ein Freilichtmuseum mit Science-Fiction-Kullisse

Sahne?Da Göreme eines unserer liebsten Orte in der Türkei ist, legen wir einen freien Tag ein. Hier kann man ausnahmsweise ohne Helm und Töffmontur herumkurven. Es ist ein Nationalpark und Freilichtmuseum zugleich. Die unvergleichbare Tufflandschaft verführt zum stundenlangen fotografieren, wobei sogar Amateuren (wie mir!) Spitzenaufnahmen gelingt.

Während einer Rast in einem gemütlichen Strassencafé erfahren wir zufällig die Lebensart einer Einheimischen. Die mehrfache allein erziehende Mutter, hat diese Lokalität von der Gemeinde gepachtet.Eine rastlose Mutter Ihr Ehemann sitzt im Gefängnis. Nebenan drückt ihr jüngster Sohn, 6-jährig, leere Alu-Büchsen mit den Füssen ein und wirft sie in grosse Sammelsäcke. Die Gemeinde zahlt dafür ein paar Franken. Inzwischen kommt ihr zweitjüngster Sohn von der Schule zurück. Man sieht ihm an, dass er frustriert ist, denn seine Mutter kann die 3 Mio. TL (ca. CHF 4.-) für die Reparatur seines Fahrrades nicht berappen. Als wir ihm 5 Mio. TL geben, ist es ihm peinlich, dass wir alles mitbekommen haben, er hielt uns wegen unseren ausländischen Kontrollschildern für Touristen. Eine Einladung der Mutter zum Essen lehnen wir dankend ab, denn den Sonnenuntergang auf dem gebührenpflichtigen (1 Mio. TL) „sunset hill“ möchten wir auf keinen Fall verpassen.

Kappadokiens CanyonSpätabends senden uns Thomas und Nils unweit von der syrischen Grenze, bei Antakya eine SMS. Morgen werden sie in Syrien sein.

Fazit: Auch unser zweiter Besuch im Göremetal hat uns fasziniert. Wir erachten dieses Naturwunder als ein Besuchs-Muss.

 

Freitag, 14. September

Über 1001 Kurven und Höhendifferenzen nach Ostanatolien

Noch nie waren wir so weit in den Osten der Türkei gereist. Nemrut Dag (2148 M.ü.M.) liegt zudem inmitten kurdischer Dörfer – auch auf kulturelle Unterschiede sind wir gespannt.

Insgesamt legen wir über 460 Km zurück und überqueren 4 Pässe auf Höhen zwischen 1600 und 2000 Metern. Die Strassen sind in einwandfreiem Zustand, ausserhalb Malatya herrscht wenig Verkehr und die Region ist nur leicht besiedelt. Tibet lässt grüssen!

In einem abgelegenen Bergdorf zwischen Kayseri und Malatya stillen wir unseren Durst mit einer grossen süssen Wassermelone. Der Ladenbesitzer organisiert im Nu zwei Stühle, ein Tisch, Teller, Besteck und Servietten – ein beachtlicher Empfang! Ein betagter Mann zeigt uns unaufdringlich, wie man die Melone in Stücke schneidet und isst. Höflich erkundigen sich einige nach unserer Herkunft, andere beäugen wortlos unsere Motorräder. Touristen sind hier selten. Ein freundlicher Ort.Fachmänner für Melonen

Während eines Tankstopps in Darende erkennt der Tankwart unsere CH-Kontrollschilder und erzählt von seinen Verwandten bei Baden im Kanton Aargau. Da wir grossen Hunger haben, schickt er einen Mitarbeiter los, um Käsetoasts zu holen. Inzwischen stellt er Tisch und Stühle für uns auf. Obwohl wir Shell-Tankstellen aus ethischen Gründen meiden, bereuen wir diese Ausnahme nicht.

Bei Malatya donnern übungshalber Kampfjets über unsere Köpfe hinweg. Die Region ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt für gedörrte Aprikosen. Oder waren das vorhin fliegende Aprikosen? Hier beginnt Ostanatolien, die Stadt besteht wie viele andere Städte der Türkei aus einem älteren Stadtteil mit vorwiegend echten Malatyanern und aus Neuzeit-Siedlungszentren mit grösstenteils kurdischen Zuzüglern aus östlicheren und somit ärmeren Regionen.

Ausgangs Stadt lassen wir den üppigen Verkehrsfluss hinter uns und tanken unsere Motorräder, da wir in abgelegenere Orte kommen werden. Etwa 12 Km weiter, biegen wir rechts in Richtung Kubbe-Pass (1966 M.ü.M.), eine gut 70 km lange kurvige Passage, umrandet von violettschimmernden Steinfelsen. Ganze zwei oder drei Autos fahren uns entgegen, vermutlich sind hier die meisten Einwohner unmotorisiert.

In Tepehan erkundigen wir uns nach der verbleibenden Distanz und stellen fest, dass die Menschen untereinander kurdisch kommunizieren. Die kurdische unterscheidet sich total von der türkischen Sprache, weshalb ich auf die offizielle Landessprache zurückgreife. Ein älterer Mann meint, dass wir die 20 Km bis Nemrut Berg nicht mehr bei Tageslicht schaffen würden. Im letzten Dorf vor der steilen Aufstiegsroute zum Berg fordern uns junge Dorfbewohner rufend und winkend zum Halten auf. Da aber keine Touristenunterkünfte vorhanden sind, wagen wir die letzten 10 Fahr-Km in totaler Finsternis. Die Jungs wollten uns wahrscheinlich mitteilen, dass die Strasse ausgangs Dorf aufhört.

Die letzte Etappe verläuft im zick-zack und hat eine ca. 20 cm dicke Kieselsteindecke, wir lassen deshalb Luft aus den Pneus raus. Ich schaffe die ersten 5 Km nur mit grosser Mühe, meine Knochen zittern vor Anstrengung. Mutlos lasse ich mein 250 Kg (inkl. Gepäck) schweres Motorrad stehen und fluche über die ausweglose Situation. Noch nie habe ich aufgegeben! Da helfen auch die liebevollen Aufmunterungsversuche von Werner nichts mehr. Er fährt die nächsten paar Hundert Meter meine Africa Twin rauf, läuft zurück und holt seine GS 1150 nach. Doch wer hält das schon lange durch? Stille, Dunkelheit und eine völlig unbekannte Gegend sind zudem eine mulmige Angelegenheit, wenn man bedenkt, was alles passieren kann. Plötzlich kommt uns wie aus dem Nichts ganz langsam ein Fahrzeug entgegen, den wir mit Handzeichen stoppen, um uns nach der verbleibenden Distanz zu erkundigen. Die letzten 4 Km zum einzigen Berghotel fährt mich Werner auf dem Rücksitz meiner Africa Twin hinauf, was ihm sichtlich Spass macht. Dank dem letzten talabwärts fahrenden Mobilist kann Werner sein zurückgelassenes Handgepäck, seine BMW nachholen.

Erschöpft aber glücklich, schadenfrei diesen aussergewöhnlichen Ort erreicht zu haben, setzen wir uns zu einer kleinen Touristen-Gruppe an einem langen Tisch und verpflegen uns mit Reis, Zigeunersalat und Efes-Bier.

Fazit: Eine sehr lohnenswerte Strecke und das Ziel ebenfalls ein Muss für den Türkei-Besucher. Für nicht geländegängige empfehlen wir den offiziellen Weg via Adiyaman/Kahta zum Nemrut Berg.

 

Samstag, 15. September

Ein göttliches Ziel über politische Umwege und Südostanatolien (ca. 390 km)

Umgestürzte Statue auf dem NemrutbergDer Reiseführer der internationalen Touristengruppe nimmt uns freundlicherweise in seinem Minibus zum 3 Km entfernten Nemrut Berg mit. Der Weg ist eine Geröllpiste. Auf dem Götterplateau stehen zu unserem Erstaunen etwa 50 Touristen, die von der asphaltierten Seite her, der Provinz Adiyaman mit Reisebussen angekarrt worden sind. Gemeinsam warten wir um etwa 6.30 Uhr auf den Sonnenaufgang, dessen Rot die Götterstatuen zumindest optisch zum Glühen bringen wird.

Auf der Ost- und Westterrasse des 2148 m hohen Gipfelplateaus stehen ca. 8-9 m hohe Steinfiguren (v. Kommagene-König Antiochos I. und Göttern wie Zeus, Apollo oder Herakles). Die von den Statuen gestürzten Köpfe sind das eigentliche Fotosujet. Verursacht durch Erdbeben, liegen sie verstreut herum und sorgen für eine mystische Stimmung. Mittendrin steht ein 50 m hoher Pyramiden-Hügel. Darunter befindet sich die bisher unerforschte Grabkammer (ca. 1. Jhr.v.Chr.) des Königs.

Rundherum haben wir eine herrliche Weitsicht auf das anatolische Bergmassiv.

Umgestürzte Statue auf dem NemrutbergEin paar Worte zum politischen Zwist der Provinzgouverneure von Malatya und Adiyaman: Der Nemrut-Hügel liegt geografisch in der Provinz Adiyaman, deshalb darf die Zugangsstrasse der Konkurrenz-Provinz Malatya nicht asphaltiert werden. Es existiert auch keine Verbindungsstrecke zwischen der Ost- und Westseite des Nemruts. Die Reisecars und somit die Touristenmassen sind gezwungen, durch die Provinz Adiyaman via Kahta anzureisen. Sonst würden die meisten via Malatya kommen, was für Adiyaman wohl der finanzielle Ruin wäre. Für uns bedeutet dies, dass wir zurück nach Malatya fahren müssen, um nach Sanliurfa zu gelangen, was einem politischen Umweg von 250 Km entspricht.

Zurück im Hotel, lernen wir beim Frühstück zwei Israelis kennen, die über politische Umwege in die Türkei gekommen sind. Da Syrien den Israeli (und umgekehrt) die Durchreise verbietet, mussten sie via Zypern einreisen. Sie wollen mit zwei Miet-Enduros die Schwarzmeerküste besuchen. Mit Hilfe dieser netten Typen und von Werner, kriege ich meine Maschine wieder den Berg runter.

Währenddem ich im Dorf unten auf Werner warte, versammeln sich neugierige Kinder um mich. Ich verteile ihnen die für solche Zwecke eingepackten Kugelschreiber, noch nie wurde ich so schnell 20 Kugelschreiber los, doch die nächste Schar lässt nicht lange auf sich warten – seufzg.Werner und die israelischen Helfer

Statt wie die israelischen Kollegen die „normale“ Strasse zu nehmen, lass ich mich von Werner zu einem hoffnungslosen offroad-Experiment überreden. Eine 20 Km lange Verbindungspassage führt nach Kahta, zur anderen Provinz. Doch der Weg ist sehr mühsam, die Einwohner nehmen das Esel-Taxi. Nach einigen Hundert Metern gebe ich erschöpft auf und wir kehren wieder zurück auf die normale Strasse. Es ist nicht lustig, von Eseln überholt zu werden.

Während einer Trinkrast in einem der kleinen Dörfer, erfahren wir vom kurdischen Ladenbesitzer, dass die jungen Kurden von hier wegzögen, um nach Istanbul oder anderen Wirtschaftsmetropolen zu emigrieren. Hier gäbe es keine Perspektiven.

15 km vor Adiyaman biegen wir Richtung Sanli-Urfa ab und haben bereits über 280 Km hinter uns. Bald schimmert das Blau des Atatürk Baraji (Stausee) zwischen den braunen kargen Hügeln hervor. Nach 35 Kilometern besuchen wir den Staudamm, der von einer Militärzone umgeben ist. Trotz des nahenden Sonnenuntergangs, nehmen wir uns die Zeit für einen Cay und fotografieren das wuchtige Dammwerk von der Aussichtsterasse aus. Traurig ist, dass für den Bau 40'000 Menschen umgesiedelt werden mussten. Dennoch lohnt sich ein Ausflug in diese Gegend.

Atatürk-StaudammEs ist bereits nachts geworden, als wir Sanli-Urfa erreichen. Als erstes fällt uns auf, dass die Verkehrsteilnehmer ihren Fahrschein im Lotto gewonnen haben müssen. Zum Glück wissen wir, in welchem Hotel wir übernachten werden und steuern es zielgerade an. Den Tipp und die Übernachtung zum Firmen-Tarif verdanken wir meinem Onkel, der als Marketingleiter bei „Honda Motorrad“ in Istanbul hier regelmässig Messen besucht und die Hotels kennt. Als ich meinen Helm absetze, erlebe ich zum ersten Mal in der Türkei, dass die Männer stehen bleiben, um mich anzuschauen und verwundert Sätze wie „das ist ja eine Frau u.ä.“ von sich geben. Ein Vorgeschmack auf Syrien?

Da wir müde sind, entschliessen wir uns, im Hotel Harran zu speisen. Wir setzen uns zu den rund 100 Seniorinnen und Senioren des türkischen Eisenbahnerverbandes, die rund um den Swimmingpool eine Party mit Live-Musik und Tanz veranstalten. Amüsiert blicken wir einmal mehr auf einen unvergesslichen Reisetag zurück.

 

Sonntag, 16. September

Ort heiliger Fische und Legenden

Halil-Rahman KomplexDa die Gegend um Urfa historisch reichhaltig belegt ist, schauen wir sie uns genauer an. Sanli Urfa, einst das biblische Ur oder antike Edessa, wo Abraham und Hiob gelebt haben sollen, ist heute die fünft heiligste Stadt des Islam. Der Höhepunkt sind die heiligen Karpfen innerhalb des wunderschönen Halil Rahman Komplexes. Für die einen ist er ein beliebter Ausflugsort für die anderen ein Wallfahrtsort. In den breitflächig angelegten Parkcafés kann man sich hervorragend verpflegen und erholen. Dahinter auf dem Hügel befindet sich eine Burgruine aus der Kreuzritterzeit, von wo sich ein weiter Blick über die arabisch anmutende Stadt bietet.

Wie es zu den heiligen Fischen gekommen ist, erzählt folgende Geschichte, gefunden im Internet:

Türkisches Bankgeheimnis Nimrod, dem gewaltigen Herrscher von Babylon wurde geweissagt, dass einer kommen werde, die Götter seines Reiches zu stürzen. Darum ließ der König alle schwangeren Frauen einsperren. Zelika entkam und gebar heimlich in einer Höhle Abraham, den biblischen Stammvater. Nicht einmal der Erzeuger, Götzendiener Azer, erfuhr davon. Im Alter von 16 Jahren fühlte sich Abraham stark genug, die ihm von der Heilsgeschichte zugedachte Rolle zu übernehmen. Seine Versuche, Nimrod von der Existenz eines einzigen Gottes zu überzeugen, scheiterten jedoch. Der junge Mann wollte nun mit Gewalt seine Idee durchsetzen, bis ihn Soldaten gefangen nahmen. Unverzüglich wurde er zum Feuertod verurteilt. Ein riesiger Scheiterhaufen wurde errichtet. Die Hitze war so groß, dass man den Delinquenten nicht mehr hineinstoßen konnte. So sollte er mit einem Katapult hineingeschleudert werden. Aber Gott rief: Sei gerettet! und bevor Abraham das Flammenmeer erreichte, entstand an dieser Stelle ein Teich und er landete im Wasser. Die Glutbrocken, die jedoch hineinfielen verwandelten sich in Karpfen, deren Nachkommen heute heilig, also unantastbar sind.

Der Steinmetz von UrfaAus heutiger Sicht finden wir jedoch die Karpfen, die aus Platzmangel und Fettsucht zu platzen drohen und die mageren herrenlosen Katzen neben dem Teich eine unheilige Allianz.

Scharfe WareDa auch in der Türkei der Sonntag ein Ruhetag ist, laufen wir an geschlossenen Läden vorbei. Nur Anbieter von allerlei lokalem Marktangebot oder Handwerker wie z.B. Steinhauer sind in den Passagen präsent. Wer’s scharf mag, bekommt in Urfa den landesweit besten Chili-Pulver.

Fazit: Aus unserer Sicht, ist Urfa eine heimliche Grenze, wo die arabische auf die europäische Kultur trifft und umgekehrt. Beide Kulturen scheinen jedoch für den Besucher nicht greifbar zu sein. Ein Land in einem Land also, kulturell und historisch einmalig.

 

Montag, 17. September

Auf nach Syrien – kleine Grenze, grosse Klima- und Kulturveränderung

Silicon-Valley von HarranVon Urfa sind es nur 52 Km an die syrische Grenze. Wir freuen uns sehr auf das Unbekannte. Das Wetter war bisher, typisch für die Türkei im September, immer sonnig aber nie zu warm.

Gut 16 Km vor Syrien, führt eine 10 Km lange Strasse nach Harran. Bekannt ist das kleine Dorf für seine Bienenkorbförmigen Häusern aus Stampflehm und die Ruinen einer der ersten islamischen Universitäten. Die Gegend ist auffällig dürr und die Einheimischen sind vorwiegend arabischer Herkunft. Wir erfahren von einem angenehmen Reiseführer, ein pensionierter Vater von 14 Kindern, dass sein Vater vor 70 Jahren aus dem Irak gekommen sei. Auf die Frage, weshalb er so viele Kinder hat, antwortet er wie selbstverständlich, dass ein Mann hier nur als etwas gelte, wenn er eine Grossfamilie habe (grosse Familie=grosses Ansehen)!

Stammes-Ältester-ThronAls wir Harran verlassen wollen, rollt ein Automobilist vor unseren Augen langsam über einen Hund, der genauso überrascht über die Apathie des hirnamputierten Fahrers ist, wie wir, sonst wäre er wohl schneller ausgewichen. Währenddem Werner und zwei dazu gestossene Deutsche den Hund vom Verkehr schützen, suche ich einen Veterinär auf. Seinem Gehilfen gelingt es zwar den vor Schmerzen jaulenden Hund an den Strassenrand zu ziehen, doch mangels Medizin im Dorf, kann er ihn auf unsere Bitte hin nicht mal einschläfern. Da die Hinterbeine gebrochen sein müssen, bitte ich, ihn zu erschiessen, denn hier würde sich niemand um einen verletzten Hund kümmern. Mit diesem Versprechen, lassen wir einen Hund seinem Schicksal zurück, dessen Schreie mein Gewissen immer plagen werden, weil wir ihm nicht helfen konnten.

 

Montag, 17. September, Harran – türkisch-syrische Grenze – Ar Raqqah (Km 140)

Syrien – Kleine Grenze, grosse Zeitreise – Der wenig besuchte Nordosten

Ausgangs der Ortschaft Akcakale befindet sich neben den Bahngeleisen die schwach frequentierte türkisch-syrische Grenze. Am türkischen Militär-Checkpoint, etwa 30 Meter vor dem Zoll, erkundigen wir uns via Mobiltelefon beim Schweizer Konsulat in Damaskus nach der aktuellen politischen Lage. Denn die Medien haben nach den Anschlägen vom 11.9. auch im Zusammenhang mit Syrien über die Möglichkeit eines US-Angriffs berichtet. Es gäbe keinen Anlass zur Sorge, so der Schweizer Diplomat. Unserer Ausreise steht jetzt also nichts mehr im Wege. Während ein Beamter unsere Daten in den Computer eingibt, unterhalten wir uns mit Anderen über Motorräder, Berufe und Einkommensunterschiede. Die Zöllner können es sich nicht vorstellen, dass Syrien ein attraktives Urlaubsland sein soll. Dort mangle es an moderner Zivilisation und Infrastruktur. Unsere Absichten finden sie daher abenteuerlich und mutig. Sie bevorzugen da lieber westliche Reiseziele wie Spanien oder die Schweiz. Doch dies hat vermutlich damit zu tun, dass die Türken gerne, sofern sie es sich natürlich leisten können, die Länder bereisen, deren Kultur ein Vorbild für sie darstellt. Der arabische Lebensstil, so die allgemeine Meinung, ist da eher rückständig. Nach 1,5 Stunden sind die Formalität und die lebhafte Konversation abgeschlossen. Teure Einreise: Um zum syrischen Zoll zu gelangen, lohnt es sich nicht einmal, die Motoren anzulassen. Er ist nur 10 Meter entfernt. Wir müssen mit unseren Motorrädern zuerst einen braunen Wassergraben befahren, dann die Schuhsohle kurz in einen Desinfektionsbehälter drücken. Daraufhin gehen wir in das Büro des ranghöchsten Beamten. Er vergleicht wortlos unser Gesicht mit den Bildern im Pass und schickt uns in ein anderes Bürogebäude. Das Zollgelände ist knapp Fussballfeld-gross und geschützt durch eine drei bis vier Meter hohe Stahlwand. Darin befinden sich insgesamt vier Büro-ähnliche Räume. Bäume, die Schatten spenden würden, gibt es keine. Da haben es die türkischen Kollegen besser. Wir sitzen in einem einfach eingerichteten Büro und bekommen einen heissen „Cay“ serviert. Da wir gerade die einzigen Touristen und überhaupt die einzigen Grenzgänger sind, schenkt man uns viel Aufmerksamkeit. Zum Glück können wir uns mit den Syrern auf Türkisch verständigen. Das vereinfacht die Situation erheblich. Ein älterer, etwas korpulenter Beamte erstellt unterdessen die Zollpapiere. Das Visum muss bereits vorliegen, sonst wird man abgelehnt. Verlangt wird zudem ein internationaler Führerausweis und ein „Carnet de Passage“, das ist ein Grenzpassierschein mit Wertangaben des mitgeführten Fahrzeugs. Diesen haben wir vergessen, doch der Beamte drückt ein Auge zu. Da die grüne Versicherungskarte hier nicht anerkannt ist, müssen wir noch eine Haftpflichtversicherung abschliessen. Sie händigen uns nach insgesamt 1,5 Stunden die zusammen gehefteten arabischsprachigen Zolldokumente aus und verlangen dafür 105.- US-Dollar pro Person. Das ist nicht gerade günstig, doch nun sind wir endlich in Syrien. Der Nordosten - Trockenheit, Wärme und Stille: Die Türkei liegt nicht einmal ein Kilometer zurück, dennoch verspüren wir hier ein anderes Klima. Die Landschaft ist dürr, die Luft scheint trockener, die Temperaturen höher und das Licht greller zu sein. Es ist so, als hätten wir eine Zeitreise gemacht. Nach nur 200 Metern werden wir an einem kleinen Kontrollposten angehalten. Die Männer überprüfen unsere Zollpapiere. Dann müssen wir im Büro des Chefbeamten Platz nehmen. Er ist höflich und freundlich und stellt uns kurz ein paar Verlegenheitsfragen auf Englisch. Bevor wir uns verabschieden dürfen, bietet er uns Bonbons an. Das weckt natürlich Erinnerungen an die Kindheit. Inzwischen beträgt die Temperatur draussen rund 35°C bei Windstille. Unterwegs im NordostenWir sind auf der 100 Km langen Strecke bis Ar Raqqah nahezu die einzigen Verkehrsteilnehmer. Es gibt auch keine Tank- oder Raststelle, keine Menschen und keine Tiere. Die Farbe der Erde ist hellbraun und die Landschaft mehrheitlich flach und unfruchtbar. Unvermutet gastfreundlich: Trotz über 100'000 Einwohnern ist die abgelegene Kleinstadt Ar Raqqah eher unbedeutend. Sie hat aber eine grosse Vergangenheit, obwohl ihre Spuren heute verwischt sind. Sie wurden Opfer eines rasanten Bevölkerungsanstiegs der letzten Jahrzehnte. Unter ihrem Mandat hatten die Franzosen die Stadt übermässig durch Nomaden besiedelt. Wir möchten hier übernachten und erkundigen uns in einem Imbissladen nach Hotels. Dies spricht sich rasch herum, so dass sich innert 10 Minuten ein Polizeibeamter, der eben noch den Verkehr geregelt hat, zu uns gesellt. Er stoppt einen einheimischen Autofahrer, steigt wie selbstverständlich bei ihm ein und bittet uns, ihm zu folgen. Vor einem Hoteleingang verlässt er uns winkend und geht vermutlich zu seinem Posten zurück. Er hatte es so eilig, dass wir uns nicht mal für seine flexible Gastfreundschaft bedanken konnten. Das 3-Stern-Hotel Karnak soll die beste Unterkunft in der Stadt sein. Die Zimmer sind spartanisch aber mit Allem eingerichtet. Nach dem Duschen gehen wir zu Fuss in die etwa ein Kilometer entfernte Imbissbude von vorhin zurück, um zu Abend zu essen. Auf der Strasse begegnen wir hauptsächlich Männern. Kaum haben wir die Imbissstube betreten, bietet uns das Personal Hocker an. Ein junger Angestellter bringt uns ohne Bestellung Joghurtgetränk und Wasser. Dazu wählen wir als Vegetarier natürlich Falaffel (Kichererbsen-Kebab). Sie behandeln uns derart zuvorkommend, als wären wir prominent. Einer spricht zum Glück ein wenig Englisch, so dass wir uns gegenseitig ausfragen können. Als wir schliesslich zahlen möchten, lehnt dies der Ladenbesitzer vehement ab. Unser Besuch habe sie gefreut, wir seien ihre Gäste. Dann strecken wir eben das Geld dem Ladenjüngsten zu, für die Schule, fügen wir hinzu. Doch dieser, wie wir erfahren der Sohn des Chefs, lehnt auch ab. Nach dem dritten Versuch geben wir auf und sagen „schukran“ (danke). Diese Gastfreundschaft ist nicht mit Worten zu beschreiben! Zurück im Hotelzimmer, versuchen wir verzweifelt die Nachrichten eines arabischsprachigen TV-Kanals zu verstehen. Ein hoher Minister hält gerade eine Rede an das Volk und wenn er nicht gestorben ist, dann redet er wohl heute noch….

Fazit: Die Grenze bei Akcakale hat nur von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Der Vorteil dieser Grenze ist, dass es keine Schlepper gibt, wie bei den grossen Grenzübergängen. Die Türken und Syrer haben, wie es scheint, ausser dem Koran und der Gastfreundschaft nichts gemeinsam. Eine westliche Zivilisation ist im Nordosten fast nicht mehr auszumachen. Darunter fallen auch Kleidung und Aussehen der Männer. Der Grossteil der Einheimischen trägt ein langes weisses Gewand und Kopftuch. Syrien stand lange unter dem Einfluss des sozialistischen Regimes in Russland und verhält sich auch heute noch isoliert. Dies spürt man als Reisende sehr rasch, vor Allem, weil keine freie Marktwirtschaft vorhanden ist.

 

Dienstag, 18. September, Ar Raqqah – Deir ez Zor – Palmyra (Km 365)

Ost-/Zentralsyrien: Entlang dem Euphrat – Die Nähe zu Irak – Durch die Halbwüste

Geld ist Männersache:

Wir frühstücken in einem grossen Esssaal und wie es scheint, sind oder waren wir die einzigen Gäste des Hotels. Da wir noch kein syrisches Geld besitzen, können wir das Hotelzimmer in US-Währung zahlen. Bevor wir Ar Raqqah in Richtung Südosten verlassen, müssen wir zur „Commercial Bank of Syria“. Sie ist die einzige Landesbank, die Geldwechsel betreiben darf. Die Suche nach ihr ist aufwendig. Sie liegt in einer Nebenstrasse und befindet sich in einem unspektakulären Gebäude. Davor bauen sich rasch etwa zwanzig Passanten um uns herum auf. Sie sind neugierig und fassen die Motorradteile an. Ich kann gerade noch verhindern, dass mein Motorrad umkippt. Werner wartet deshalb draussen und versucht die Schar auf Distanz zu halten. In der Zwischenzeit suche ich den Geldwechsel-Schalter auf. In der Bank befinden sich nur Männer, etwa 50 an der Zahl. Sie tragen entweder einen Business-Koffer oder dicke Geldbündel in der Hand. Ich finde die Situation ein wenig peinlich, lasse es mir jedoch nicht anmerken. Der Geldwechsel nimmt viel Zeit in Anspruch, da die Passdaten registriert werden müssen. Wir wechseln deshalb unser ganzes Reisebudget auf einmal. Weiter nach Südost: Bis Deir ez Zor fahren wir zirka 130 Km mehr oder weniger entlang dem Euphrat-Fluss. Dieses Gebiet, zwischen der Türkei und dem Irak, wird „Djezire“ (Insel) genannt, weil es zwischen den Flüssen Tigris und Euphrat liegt. Auf der halben Strecke können die antiken Ruinen von Zenobia besichtigt werden.Stadtwahrzeichen von Deir ez Zor Deir ez Zor ist eine Kleinstadt mit gut 200'000 Einwohnern. Irak liegt in nur 140 Km Entfernung. Da die Stadt vom Euphrat durchzogen ist, sehen wir erstmals seit der Türkei üppiges Grüngewächs. Auffallend schön ist auch die nostalgische Hängebrücke von 1931, das Wahrzeichen der Stadt. Zudem sollen der Suk (Markt) und das archäologische Museum sehr sehenswert sein. Auf den breiten geraden Hauptstrassen herrscht fast kein Verkehr. Es ist früher Nachmittag. Wir suchen das „Furat Cham Palace“, ein 5-Stern-Hotel auf. Die leichten arabischen Vorspeisen dort sind gerade richtig für die Weiterfahrt nach Palmyra. Im Restaurant waren wir wieder die einzigen Gäste. Von Ost- nach Zentralsyrien: Die nächsten 230 Km führen durch eine Halbwüste. Die Temperaturen steigen über 40°C und machen uns zu schaffen. Der Fahrwind ist wie heisse Föhnluft, ansonsten ist es windstill. Immerhin kommen wir auf diesen leeren und gut ausgebauten Strassen schnell voran. Auf den ersten 150 Km gibt es weder eine Siedlung noch einen Laden. Arm ist die Landschaft auch an Vegetation. Wir wollen diese Einöde fotografisch festhalten und machen einen Stopp.Erfrischende Begegnung Strassenengel: Plötzlich taucht ein grosser Lkw auf. Er bremst brüsk ab und kommt knapp hinter uns zum stehen. Der Fahrer holt etwas aus der Aussen-Kühlbox heraus und kommt damit lächelnd auf uns zu. Es sind zwei gekühlte Orangina-Dosen, die er uns entgegenstreckt. Wir dürfen sie weder ablehnen noch bezahlen. Damit wolle er uns, Gäste in seinem Land, eine Freude machen. Dies gelingt ihm natürlich überdurchschnittlich gut und bei dieser Hitze sind wir ihm dafür auch sehr dankbar. Sein täglicher Arbeitsweg führe ihn von der fruchtbaren Nordwestküste, wo er mit seiner Familie lebe, zum Osten des Landes. Er transportiert Gemüse und Früchte. Bevor wir uns verabschieden, zeigt er uns stolz die Kühlbox und holt Kartoffelsalat hervor, den wir unbedingt probieren sollen. Tankstellen, weiter nichts: 70 Km vor Palmyra müssen wir tanken. Die Tankstellen sehen alle etwas trostlos aus. Einen farbigen Anstrich oder bunte Werbeplakate gibt es genauso wenig wie einen Verkaufsshop. Vier Zapfsäulen sind das Maximum. Wie meistert wohl der Tankwart unter diesen Umständen seinen Alltag? Einmal haben wir nach Getränken angefragt. Der Tankwart hatte nur einen offenen, mit Eis gefüllten Eimer, darin schwamm etwas Schmelzwasser.Hotelaussicht Palmyra Touristenziel Nr. 1: Während der Abenddämmerung erreichen wir die antike Stätte von Palmyra. Dieser wohl stärkste Touristenmagnet Syriens befindet sich in der Oase Tadmur, grün und fruchtbar ist es hier jedoch nicht. Der Berühmtheit dieses Orts entsprechend, findet man Hotels in allen Kategorien. Wir suchen das Älteste auf, weil es innerhalb des Ruinenparks liegen soll. Das einstöckige Hotel Zenobia hat zwanzig kleine Zimmer, die modern aber geschmackvoll eingerichtet sind. Die Südzimmer sind nur einige Schritte von den Ausgrabungen entfernt. Beim Abendessen, draussen auf der Terrasse, erleben wir gerade noch die fabelhafte Auswirkung des Abendrots auf die Säulen und Tempel Palmyras. Diesmal sind sechs weitere Touristen anwesend.

Fazit: Unterwegs haben wir uns Schattenplätze, Toiletten, Raststellen und etwas tiefere Temperaturen gewünscht. Toilettenbesucher können, dürfen oder müssen den Strassenrand benützen. Bei grösseren Ortschaften sollte man sich mit Trinkvorrat eindecken. Es gibt z.B. das einheimische Quellwasser „Dreykish“ in 1,5-Liter PET-Flaschen. Für die Türkei nicht ungedingt, aber für Syrien sollte man um diese Jahreszeit schon hitzetaugliche Motorradbekleidung mitführen. Wer auf den Ostteil verzichten will, kann zum Beispiel den kürzeren Weg von Nordosten (via Rusafa) nach Palmyra nehmen. Gemäss den Erfahrungen von Nils und Thomas soll dieser unbefestigt sein und teilweise starke Bodenwellen aufweisen. Zudem gäbe es da weder eine Tankstelle noch sonst ein Lebenszeichen.

 

Mittwoch, 19. September, Palmyra – Damaskus (Km 240)

Zentralsyrien: von siedlungsfrei bis zur 3-Millionensiedlung

PalmyraPalmyra: Von Früh bis Mittag spazieren wir durch die eindrucksvolle Ruinenlandschaft Palmyras. Besonders interessant sind der Baal-Tempel (32 J.n.Chr.), der den Göttern geweiht war, die 1,2 Km lange Säulenstrasse, das Triumphtor (200 J.n.Chr.), das rekonstruierte Theater und der Tetrapylon. Speziell ist auch das Tal der Gräber mit den Grabtürmen. Sie wurden zwischen 100 Jahre vor und 250 Jahre nach Christus im Auftrag von reichen Familien erbaut und beinhalten etwa 300 Gräber. Auf einem Hügel im Hintergrund ragt unübersehbar die arabische Burg „Qalaat ibn-Maan“ aus dem 16. Jh. empor.Grabturm in Palmyra Sie ist zwar nicht so sehenswert, doch ihr Ausblick ins Tal hinunter soll, vor Allem bei Sonnenuntergang, wunderschön sein. Das war’s, uns zieht es wieder weiter. Bevor wir uns auf die Strasse Richtung Damaskus begeben, möchten wir vorbeugend die Benzintanks voll tanken. Doch entweder haben die zwei einzigen Tankstellen vor Ort kein Benzin oder ihre Pumpen sind mangels Stromversorgung ausser Betrieb. Ein Tankwart improvisiert mittels eines Plastikschlauchs. Er saugt so lange daran, bis der Treibstoff von der Benzin-gefüllten Tonne in den Motorradtank zu fliessen beginnt. Diese orale Tankmethode hat natürlich seinen Preis. Wer zählt schon die Liter? Unterwegs nach Damaskus: Wir haben insgesamt 240 Km Halbwüste vor uns. Schon nach wenigen Kilometern meldet die BMW von Werner einen deutlichen Leistungsabfall. Vermutlich hatte das Benzin aus der Tonne eine zu tiefe Oktanzahl. Die Fahrt macht auch uns schlapp.Tanken ohne Zapfsäule Es herrschen wieder hohe Aussentemperaturen, die Sonne scheint durchgehend am unbewölkten Himmel und es ist windstill. Kontinuierlich ist auch der Strassenzustand. Die Strecke ist gut ausgebaut und wir haben sie beinahe für uns allein. Nach etwa 160 Km und mitten im Nachmittag erreichen wir die zweite Tankstation. Nebenan gibt es tatsächlich so etwas wie einen gläsernen Kiosk mit ein paar Stühlen und Tischen drumherum. Die zwei bestellten 1,5-Liter-Mineralwasserflaschen haben wir rasch ausgetrunken. Denn unser mitgeführtes Wasser ist inzwischen ungeniessbar. Sie hat den Geschmack der Plastikflasche angenommen und ist durch die stundenlange Sonneneinwirkung bereit für einen Teeaufguss. Gelitten haben auch unsere Füsse. Der aufgewärmte Asphaltboden und die heisse Motorenluft sorgen schliesslich für anhaltenden Wärmestau in den Motorradstiefeln. Wir nutzen daher die Pause, sie der frischen Luft auszusetzen. Zum Glück steht niemand in unmittelbarer Nähe, der Geruch würde sie alle umhauen.Unterwegs nach Damaskus Eine Metropole: Wie erwartet, nimmt der Verkehr kurz vor Damaskus rapide zu. Eine breite mehrspurige Autobahn führt uns direkt ins Stadtzentrum. Wir wissen jedoch nicht, wo sich die „family hotels“ befinden und erkundigen uns zufällig bei einem Militärgendarmerieposten. Das Wort „family“ soll ein Rotlicht-Viertel, falls er denn vorhanden ist, ausklammern und tut es in der Regel auch. Doch unsere Anwesenheit verursacht einen Beinahe-Verkehrskollaps. Einige Autofahrer bremsen brüsk ab oder bleiben mitten im Verkehr auf der Strasse stehen, nur um uns anzuschauen. Zudem versteht man bei diesem Huplärm kein Wort. Wir nehmen uns deshalb ein Taxi. Dieser fährt vor und bringt uns durch das Verkehrschaos zum „Alaa Tower Hotel“, eine bekannte Hotelkette. Meine Honda bekommt einen Ehrenplatz innerhalb des Hoteleingangs. Die BMW von Werner, da zu breit, muss auf den Gehsteig. „Mohammed“, der Hotelportier, versichert uns, unter seinen Augen geschehe den Motorrädern nichts. Später, nach dem Duschen und frische Kleider anziehen, oder „entstinken“, wie wir das nennen, lassen wir uns mit dem Taxi ins Christen-Viertel fahren. Dort besuchen wir ein nobles Lokal. Nach dem Essen gehen wir stundenlang und kilometerweit zu Fuss durch das nächtliche Damaskus. Dabei verlieren wir in dieser Grossstadt die Orientierung und müssen wieder ein Taxi zu Hilfe holen.

Fazit: Eine Übernachtung in Palmyra sollte man auf jeden Fall einplanen. Zwischen Palmyra und Damaskus ist es praktisch siedlungsfrei. Es gibt lediglich ein paar entfernte Industrieanlagen, allem Anschein nach im Chemie- oder Pharmabereich. Damaskus hat inoffiziell über 3 Mio. Einwohner. Der Verkehr ist typisch arabisch geregelt. Man fährt hauchdünn beim Anderen vorbei und füllt jede noch so winzige Lücke. Ohne Hupen geht nichts, gehupt wird auch ohne Grund. Für uns war es ein Albtraum, den Verkehr nur schon als Taxiinsasse zu beobachten. Es ist besser, das Fahrzeug im Hotel oder auf einem bewachten, gebührenpflichtigen Parkplatz stehen zu lassen.

 

Donnerstag, 20. September, Damaskus (Km 0)

Keine durchschnittliche Hauptstadt

Omaijaden-Moschee in DamaskusDamaskus bei Tag: Kurz vor 8 Uhr früh klopft jemand heftig an unserer Hotelzimmertüre. Natürlich erschrecken wir und vermuten, wer weiss weshalb, den Geheimdienst hinter der Türe. Ein junger Hotelangestellter kündigt „visitor for you“ an, da taucht schon Thomas um die Ecke auf. Zufällig habe er beim Vorbeigehen die Honda mit dem Zürcher Kennzeichen im Hotelflur gesehen. Seit Kappadokien hatten wir uns immer wieder gefragt, wo die Beiden sich wohl gerade aufhalten. Spontan verabreden wir uns für den Abend im stadtberühmten Café „Naufara“, direkt hinter der Omaijaden-Moschee.Johannes-Schrein Beim Frühstück fällt uns auf, dass wir die einzigen westlichen Touristen sind. Wir verlängern an der Rezeption unseren Aufenthalt und gehen zu Fuss zum nahe gelegenen Nationalmuseum. Am Ticketschalter des Nationalmuseums begrüsst uns ein bekanntes Gesicht, Mohammed, der Hotelportier. Er sei auf diesen Zweitjob angewiesen, nur so könne er sein Studium finanzieren. Das Museum, mit wichtigen Ausgrabungsfunden aus ganz Syrien, ist kolossal und spannend. Einen Kilometer weiter setzen wir unseren Fuss in den 500 Meter langen Suk al-Hamidiye (Basar), vorher besuchen wir noch den Hedschas-Bahnhof aus dem Jahr 1903. Das durchlöcherte gewölbte Wellblechdach ist das Merkmal des Basars. Angeblich stammen die Löcher von Maschinengewehrsalven der Franzosen, als sie Damaskus 1925 unter Beschuss genommen hatten. Besonders interessant ist der Suk jedoch nicht. Multireligiös: Wenn man aus dem Basar raus kommt, steht man auf dem Vorplatz der Omaijaden-Moschee.Bunte Fahrt... Am Eingang der Moschee erhalten Frauen, die wie ich in Jeans und T-Shirt ankommen, ein braunes Kapuzenkleid. Die Schuhe bleiben draussen, wir wandeln deshalb vorsichtig über den mit Taubenexkrementen verschmutzten Innenhofboden. Das Moschee-Innere ist Fussballfeld-gross, zwei Haus hoch und reichlich beschmückt mit Stuckatur. Die Besucher suchen hier Ruhe und Erholung, manche geben sich sogar einem Kurzschlaf hin. Die Meisten halten sich beim grün beleuchteten Marmordenkmal auf.Das erste Alphabet überhaupt - Aus Ugarit Darin werde das Haupt vom Johannes der Täufer aufbewahrt, dieser gilt im Islam als bedeutender Prophet. Der islamisch-sunnitische Glaube prophezeit zudem, dass Jesus von einem der Minarette dieser Moschee das endzeitliche Gericht einleiten werde. Wieder draussen in der verwinkelten Altstadt (UNESCO-Weltkulturerbe), befinden sich etliche Karawansereien, Hamams, Paläste und Moscheen, die mehrheitlich aus der osmanischen Zeit (1516-1920) stammen. Während dieser Zeit hat sich Damaskus zu einer Vielvölkerstadt entwickelt. Einen Drittel der Bevölkerung machen heute noch Kurden, arabische Christen, Armenier und Juden aus. Im Nordosten der Altstadt, an der „Geraden Strasse“, betreten wir das christliche Viertel mit seinen unterschiedlichen Kirchen. Die Bezeichnung der Strasse kommt von der Bekehrung von Saulus zum Apostel Paulus, die habe sich in der dortigen „Ananias-Kapelle“ zugetragen. Paulus-Kirche in DamaskusWiedersehen macht Freude: Wie vereinbart, treffen wir um 19 Uhr unsere deutschen Kollegen. Normalerweise werden im Naufara-Caféhaus arabische Geschichten und Märchen erzählt. Das Publikum, viele eine Wasserpfeife rauchend, ist bunt gemischt, darunter sind auch westlich gekleidete Frauen. Nils und Thomas schildern uns ihre Erlebnisse.Vielleicht das sauberste WC von ganz Syrien? Wir kommen also doch noch in den Genuss einer Geheimdienstgeschichte. Sie wurden in Damaskus von einem Fahrzeug gestoppt und vom Fahrer, einem angeblichen Geheimdienstmitglied ausgefragt. Bald darauf sei der echte Geheimdienst aufgetaucht, habe den Mann als Iraner identifiziert und verhaftet. Die beiden sind mit leichtem Schrecken davongekommen. Ursprünglich wollten sie ja via Jordanien nach Israel reisen. Doch im Süden Syriens hätten sie sich wieder zur Umkehr entschlossen. Und bevor sich wieder unsere Wege auf ungewisse Zeit (spätestens bis zur Rückfahrt mit der Fähre) trennen, geben sie uns ein paar Tipps für den Süden.

Fazit: Die Geschichte von Damaskus ist reichhaltig und den Sehenswürdigkeiten entsprechend vielfältig. Die Menschen sind eher zurückhaltend, einfach und durchwegs auch westlich gekleidet. DEN Damaszener gibt es nicht! Frauen sind vorwiegend schwarz eingehüllt und weniger anzutreffen. Je nach Schichtzugehörigkeit, gibt es aber auch westlich aufgemachte Frauen. Wie bereits erwähnt, ist der Verkehr mühsam, die Strassen jedoch sind in einwandfreiem Zustand. Abgesehen von der Altstadt und den historischen Gebäuden, ist das Stadtbild eher unattraktiv. Damaskus hat kein Grün, ist zubetoniert und wirkt sozialistisch-orientalisch. Sie ist aber sauber. Westlichen Touristen sind wir so gut wie nie begegnet. Deshalb wurden wir manchmal (zu) genau betrachtet. Einheimische lassen sich nicht unbedingt gerne fotografieren, deshalb muss man vorher um Erlaubnis fragen. Gefahren oder Kriminalität haben wir keine beobachtet.

 

Freitag, 21. September, Damaskus-Bosra-Damaskus-Malula (Km 345)

Der Süden – Nähe zu Jordanien - Durch die Steinwüste – Eine Christenhochburg

Theater von BosraDamaskus am Freitag: Heute Freitag, dem Sonntag bei uns, bleiben die Läden geschlossen und die Strassen nahezu leer. So macht es in Damaskus Spass, Motorrad zu fahren! Wir fahren in den Süden. Dort wollen wir eine Nacht bleiben und uns die Ausgrabungen von Bosra anschauen. Ausgangs der Stadt, vor Beginn der Autobahn, fallen uns die vielen Tankstellen auf. So zahlreich gibt es sie sonst nirgends in Syrien. Bis zur Ausfahrt bei Der’a, bleiben wir rund 100 Km auf dieser schnurgeraden Autobahn. Auf ihren breiten Spuren könnte vermutlich ein Jumbo landen. Das Verkehrsaufkommen ist wieder gering. Der Süden: Von Der’a sind es bloss 12 Km zur jordanischen Grenze. Bis Bosra fahren wir rund 40 Km in den Osten und durchqueren dabei ein paar siedlungsarme Bauerndörfer. Die Landschaft ist wiederum flach aber weniger trocken als im Nordosten. Berühmt ist Bosra vor Allem wegen ihres römischen Theaters (UNESCO-Weltkulturerbe), das zusammen mit dem in Orange (Frankreich) und Aspendos (Türkei) zu den besterhaltenen der Welt gehört. Als zweifache Aspendos-Besucherin gehe ich nicht mit rein und warte, bis Werner mit ein paar guten Innenaufnahmen aus dem Theater zurückkommt. Überall der Präsident: Er kommt jedoch ein wenig frustriert heraus. Im Theaterinnern hänge etwa ein dreifach kinoleinwandgrosses Bild vom syrischen Ex-Präsidenten und decke die schöne Innenwandfassade vollständig ab. Hinter dem Theater, rund um eine alte Kolonnadenstrasse, befinden sich weitere historische Bauten, darunter eine der ältesten Moscheen der islamischen Welt (um 720 J.n.Chr.). Während der Besichtigungstour folgt uns auf Schritt und Tritt ein junger Mann. Er will uns gegen Entgelt alles genau erklären. Nach diesem Rundgang unter der glühenden Sonne, suchen wir das nahe gelegene Luxus-Hotel Bosra Cham Palace auf. Hier gibt es eine grosse Auswahl an arabischen Vorspeisen. Das Restaurant befindet sich im Untergeschoss und bietet für etwa 300 Gäste Platz. Wir sind wieder einmal die einzig Anwesenden und scheuchen mit unserer Präsenz geradezu das Personal auf. Nach dem Mahl sind wir wieder so fit, dass wir doch nicht im Süden bleiben sondern wieder in den Norden aufbrechen wollen.Lavabrocken in der Steinwüste Steinreich I: Wir suchen die von Nils und Thomas vorgeschlagene Route auf. Sie verläuft kilometerweit durch eine Steinwüste. Dieses mondlandschaftähnliche Niemandsland ist, so weit das Auge reicht, mit dunkelrot, violett und schwarz gefärbten, unterschiedlich grossen löchrigen Steinsbrocken übersät. Es handelt sich um längst ausgeglühte und versteinerte Lavamassen, die von einem frühzeitlichen Vulkanausbruch stammen. Wir gelangen in diese Gegend über As Suwayda, Ahire, Dema und Khabah. Einige unbenannte Abzweigungen erschweren dabei trotz GPS unsere Orientierung. Auf den letzten Kilometern der Steinwüste ist die Strasse nur einspurig befahrbar. Sie führt steil wie über Kamelhöcker auf ab und ist gleichzeitig kurvig. Es ist also unmöglich zu sehen, was hinter dem nächsten Fahrhügel kommt. Trotz unserer mässigen Geschwindigkeit, hebt auf jeder Anhöhe das Vorderrad manchmal sogar das ganze Motorrad ab. Dabei fühlen wir im Magen das typische Wellensyndrom. Das macht Spass! Steinreich II: Kurz vor der Autobahneinfahrt bei Khabah fallen uns die protzigen Villen und Einfamilienhäuser auf. Der Anblick dieser modernen Infrastruktur verwirrt uns ein wenig. Gerade befanden wir uns noch inmitten einer Steinwüste, an deren Rand Nomadenfamilien in Zelten leben. Damaskus zum Zweiten:  Um weiter in den Norden zu gelangen, müssen wir nochmals quer durch Damaskus fahren.Maloula Und da wir ja immer noch Freitag haben, gelingt uns das wieder ohne Zeitverlust. Somit könnten wir das gut 60 Km entfernte Bergdorf Maloula noch vor Sonnenuntergang erreichen. Ausgangs Damaskus beginnt die Autobahn Richtung Aleppo. Auf den ersten Kilometern hat sie eine massive Steigung und führt an schattigen Bergmassiven vorbei. Den Lkws und leistungsschwachen PW’s bereitet die etwa 10-prozentige Steigung sichtlich Mühe. Ein hohes Ausflugsziel: Die 10 Km lange Nebenstrasse nach Maloula befindet sich auf der linken Seite der Autobahn. Für die Ausfahrt ist keine Brücke oder Unterführung vorhanden, wie dies bei uns vorgeschrieben ist. So hat man eben die mittleren Leitplanken für eine Distanz von zirka 50 Metern weggelassen. Es ist somit nicht ungefährlich, mit einem zügigen Tempo von der Überholspur, rechtzeitig in der Mitte der Autobahn anzuhalten und dann die Gegenfahrbahn zu überqueren. Nach etwa 7 Km erreichen wir einen „Betontorbogen“, der die Besucher willkommen heisst. Der Dorfkern ist schnell ausgemacht. Wir fahren auf eine Bergkante hinauf. Dort befindet sich das grösste und nobelste Hotel des Ortes, das 4-Stern-Hotel Safir. Ein Doppelzimmer kostet je nach Saison zwischen 80.- und 120.- US-Dollar. Das Hotel ist zwar ein wenig in die Jahre gekommen, seine Lage auf zirka 1'650 Meter Höhe macht ihn jedoch einzigartig. Zeichen der Zugehörigkeit: Vom Zimmer oder von der Terrasse aus, hat man ganz Maloula vor sich. Nach Anbruch der Dunkelheit intensiviert sich der Anblick noch. Beinahe die Hälfte aller Hausdächer ist mit einem etwa ein Meter hohen Kreuz bestückt. Sie sind bunt beleuchtet, wie die Bäume bei uns zur Weihnachtszeit. Vermutlich untermalt dieser symbolische Hausschmuck die Religionszugehörigkeit und den Stolz der überwiegend christlichen Bewohner. Auf uns wirken diese Kreuze etwas bedrohlich.

Fazit: Wer im Südwesten des Landes die Golanhöhen, die seit 1967 von Israel besetzt sind, besichtigen will, kann dies mit einer Bewilligung der zuständigen Behörde in Damaskus tun. Mit diesem Papier begleiten die Militärs die Besucher zum syrischen Teil und zeigen den von Israel angerichteten Schaden. Uns hat der Papierkram davon abgehalten. Wer Zeit hat, sollte auch unbedingt die Nähe zu Jordanien ausnützen und es bereisen. Dafür können schon 3-6 Nächte ausreichen. Wenn man uns fragt, was typisch für Syrien sei, so sind das die immer und überall angebrachten Bilder, Plakate und Statuen der Staatsführung. Entweder ist es der frühere Präsident Hafiz Al-Assad, sein erster Sohn Basil (immer mit schwarzer Sonnenbrille), der sein Nachfolger hätte sein sollen aber 1994 bei einem Verkehrsunfall starb oder der gegenwärtige Präsident Bashar (zweiter Sohn von Assad). Die Allgegenwärtigkeit von Machtpersonen haben wir gleichermassen auch in Jordanien und Tunesien erlebt.

 

Samstag, 22. September, Maloula-Hama (Km 290)

Der Westen – Die Spuren der Kreuzritter – Syriens grüne Lunge - Hochburg des Islams

Hier spricht man die Sprache Jesus: Vor Allem die gut betuchten Damaszener sind es, die Maloula wegen seiner hohen Lage und guten Luft häufig besuchen. Das Besondere ist jedoch, dass die christlichen Einwohner die fast ausgestorbene Sprache neuwestaramäisch beherrschen. Jesus soll sie auch gesprochen haben. Bei einem Spaziergang durch die Gassen, begegnen wir vorwiegend Frauen. Mit ihrer Bekleidung und ihrem Aussehen, ähneln sie am ehesten den Frauen des ländlichen Griechenlands oder Italiens. In einer grossen Dorfecke steht das griechisch-orthodoxe Kloster Mar-Thekla zur Besichtigung offen. Wer einmal die fromme, stille Atmosphäre, inmitten von gastfreundlichen Nonnen kennen lernen will, kann hier für 5.- oder 10.- US-Dollar übernachten.Krak des Chevaliers Nordwestwärts: Gegen Mittag verlassen wir Maloula in Richtung Norden und setzen unsere Reise auf der Autobahn, entlang der Antilibanon-Gebirgskette fort. Kurz vor Homs nehmen wir die Umfahrung in Richtung der Westküste. Ausnahmsweise gibt es hier am Strassenrand zahlreiche Gemüsestände mit Getränkeangebot. Homs soll eine Provinzstadt mit wenigen Sehenswürdigkeiten sein. Angeblich werden ihre rund eine Million Einwohner ironisch „Homsis“ genannt und sind so etwas wie die Ostfriesen Deutschlands. Etwa nach 50 Km, insgesamt 180 Km seit Maloula, biegen wir rechts ab und verlassen die Autobahn. Die restlichen 15 Km fahren wir auf einer schmalen kurvigen Nebenstrasse. Dann stehen wir vor einem der berühmtesten Kreuzritterburgen der Welt, dem „Krak des Chevaliers“ (750 M.ü.M.). Sie sei sogar Symbol für die gesamte Kreuzritterbewegung. Ihre Lage bietet eine Rundumsicht auf die fruchtbarste Region Syriens. Wir fühlen uns beim Spaziergang durch den Rittersaal, die Burgkappelle, den Speisesaal und die Oberburg geradezu ins Mittelalter versetzt. Zuerst stand hier im Jahr 1031 eine Festung. Während der Eroberungszeit durch den Johanniterorden, zwischen 1142 und 1217, wurde sie dann massgeblich ausgebaut. Durch das frucht- und furchtbare Labyrinth: Die nächsten 40 Km bis zur Hauptstrasse bei Masyaf müssen wir uns immer wieder durchfragen. Es ist wie in einem Labyrinth. Das ständige Auf und Ab, die vielen unübersichtlichen Kurven und tückische Abzweigungen ohne Beschilderung verlangen einen guten navigatorischen Instinkt. Abgesehen davon ist diese hügelige, fruchtbare Landschaft jedoch sehr reizvoll und abwechslungsreich. Vor Allem aber sind die Temperaturen hier im Westteil viel angenehmer als in Zentral- und Nordostsyrien. Auf den letzten 40 Km zwischen Masyaf und Hama sind die Hügeln wieder weit auseinander gezogen und die Strassen breit. Wasserräder (Norias) in HamaOrientierungshilfe in Hama: Irgendwo am Stadtrand von Hama, bleiben wir vor einem Verkehrspolizisten stehen. Der Verkehr ist gut zu bewältigen, doch wir können das Zentrum nicht finden. Noch während wir den emsigen Polizisten fragen, kommt der Fahrer eines Lieferwagens auf uns zu. Er fordert uns auf, ihm in die gewünschte Stadtrichtung zu folgen. Schon nach einigen Hundert Metern sind wir am Ziel. Er zeigt uns mit dem Finger auf das Hotel Noria. Ein Trinkgeld für die Orientierungshilfe lehnt der zuvorkommende Mann, die Hand auf die Brust legend, ab. Der Lifteingang des Hotels befindet sich in einer engen Einkaufspassage mit etwa fünf Läden. Wir dürfen unsere Motorräder direkt neben dem Lift, gegenüber einem Näh-Atelier parken. Der ältere Besitzer ist einverstanden, ab und zu ein Auge auf die Motorräder zu werfen. Das Noria ist ein gepflegtes Mittelklasse-Hotel. Unser 50 US-Dollar-Zimmer ist mit einem TV, Kühlschrank und grossen Badezimmer ausgestattet. Als wir uns heisshungrig auf die Suche nach einer Falaffel-Filiale machen, ist es draussen bereits Nacht. Wir hatten den ganzen Tag keine vegetarische Verpflegungsmöglichkeit gehabt und steuern deshalb das erstbeste Lokal an. Drinnen sitzen eine handvoll Männer mit arabischer Kopfbedeckung und weissem oder hellblauem Gewand. Unsere Anwesenheit überrascht sie ein wenig. Doch so unterschiedlich wir sein mögen; in diesem Imbissladen wollen alle dasselbe, essen.

In unserem zellulosen Reiseführer steht, die rund 250'000 Bewohner seien konservativ und Hama sei eine Hochburg der Islamisten.

Fazit: Nicht alle Syrer sind so ortskundig wie der Fahrer in Hama. Umwege gibt es aber nur, wenn sie in die falsche Richtung tippen, statt zuzugeben, es nicht zu wissen. Dies ist uns nur ein einziges Mal passiert. Im Reiseführer steht zum Beispiel, dass viele Syrer französisch oder englisch verstehen würden. Doch dies trifft kaum zu. Nachdem wir auch den Süden und einen Teil des Westens kennen, können wir bestätigen, dass Syrien mehr als Einöde zu bieten hat. Und an der Westküste soll es nicht nur reiche und westlich orientierte Syrer geben sondern auch, wie Nils und Thomas es uns lebhaft geschildert haben, Mädels in Bikinis.

 

Sonntag, 23. September, Hama-Aleppo (Km 140)

Im Norden – Das Reich toter Städte – Die zweitgrösste Stadt

Taxi in HamaKn(u)rrende Provinzstadt: Die Regierung hat 1982 die Altstadt von Hama bombardieren lassen. Der Grund waren aufständische Moslems. Tausende von Menschen sollen dabei umgekommen sein. Entsprechend gering sind seither auch die Sehenswürdigkeiten. Schön ist der Fluss Orontes, der sich durch die Stadt schlängelt. Am Flussufer befinden sich ein paar wenige, bis zu 20 Meter hohe „Norias“. Das sind laut knarrende Wasserräder aus Holz, wofür Hama bekannt ist. Jahrhunderte lang wurde das Wasser des Orontes in die Gärten und auf die Felder geleitet. Auch der Besuch des Azem-Palasts mit integriertem Museum lohnt sich. Am Schluss unserer Besichtigungstour steigen wir noch in ein heruntergekommenes amerikanisches Auto aus den 60er Jahren. Gelb angestrichen, sind sie als Taxi unverkennbar und werden hier zahlreich im Verkehr eingesetzt. Zur nördlichsten Grossstadt: Um nach Aleppo, zur zweitgrössten Stadt Syriens zu gelangen, nehmen wir die Schnellstrasse. Auf diese Weise verpassen wir bewusst die abgelegenen toten Städte. Denn um diese zu besichtigen, muss man Umwege und Navigationsschwierigkeiten in Kauf nehmen. Doch langsam spüren wir die Müdigkeit dieser anstrengenden Reise in den Knochen und führen deshalb ein körperschonendes Ausschlussverfahren. In Aleppo begegnen wir einer rund drei Millionen Einwohnern entsprechende Verkehrshektik. Sie ist aber nicht so schlimm wie in Damaskus. Auch hier entscheidet sich ein Einheimischer spontan, uns ins Stadtzentrum zu führen.Zitadelle in Aleppo Eben noch als Fussgänger unterwegs, sitzt der junge Mann jetzt auf dem Rücksitz von Werners Motorrad. Am Ziel, vor dem legendären Hotel Baron (heute 3-Stern), steigt er ab und verlässt uns freundlich zuwinkend. Die Wahl dieser Unterkunft haben wir getroffen, weil Nils und Thomas es uns empfohlen hatten. Beim parken unserer Motorräder in der torlosen aber gedeckten Einstellhalle, erkennen wir auch sofort die BMW und die Africa Twin von den beiden. Sie ahnen allerdings nicht, dass wir hier sind. Diesmal werden wir tüchtig an ihrer Türe klopfen. Zunächst aber beziehen wir im ältesten Hotel von ganz Syrien ein kleines Doppelzimmer. Seit Berühmtheiten wie Lawrence von Arabien, Agatha Christie, Kemal Atatürk, Charles Lindbergh oder Charles de Gaulle hier übernachtet haben, wurde nur die Infrastruktur modernisiert. Das Äussere jedoch, so zum Beispiel die Vorhallen, Bar oder das Treppengelände ist noch so wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Seine Umgebung hat sich hingegen stark verändert. So unglaublich es angesichts der heutigen Lage erscheint, soll das Hotel inmitten von Busch- und Graslandschaft gestanden haben. Erlebnisaustausch: Durch die Rezeption finden wir das Hotelzimmer von Nils und Thomas heraus und verabreden uns gleich an der hauseigenen Bar. Es gibt wieder viel auszutauschen. Sie erzählen uns begeistert von ihrem Zeltaufenthalt inmitten einer toten Stadt und von der gespenstigen Stimmung, die dort herrsche.Hotel Baron Eine von 500, Serdjilla soll das bedeutendste sein. Ohne einen ortskundigen Einheimischen jedoch, der die Ruinen zuordne, bliebe eine tote Stadt für Touristen rätselhaft. Um zu Abend zu essen, trennen wir uns von den beiden und gehen einfach mal zu Fuss in die Altstadt. Ursprünglichkeit vor Moderne: Die Suqs haben hier noch ein altertümliches Flair und richten sich vorwiegend an den einfachen einheimischen Besucher. Ein weiterer viel besuchter Ort ist die Zitadelle. Sie hat eine dicke hohe Festungsmauer und beinhaltet einen Palast, eine Kaserne und zwei Moscheen. Auf dem Weg zum Christenviertel „Djdeide“, auch „Neu-Viertel“ genannt, geraten wir in schmale dunkle Handwerkergassen. Hier, in den garageähnlichen Kleinstbuden, arbeiten und produzieren die Menschen noch wie im Vorindustriealter. Inzwischen ist es Nacht geworden. Wir dinieren im Dachrestaurant eines 4-Stern-Hotels. Von dieser Höhe hat man eine wunderschöne Aussicht auf die funkelnde Stadt. Besonders fällt dabei das Augenmerk auf die künstlich beleuchtete Zitadelle, das Herz von Aleppo. Man muss nicht Tage in dieser Stadt verbringen, um zu spüren, dass sie viele Gesichter hat und ethnisch durchmischt ist. Das Stadt- und Strassenbild ist zwar deutlich arabisch geprägt ist, es leben hier aber viele Kurden, Armenier und Juden. Westliche Touristen hingegen sind selten. Gegen 22 Uhr treffen wir wieder im Hotel Baron ein und sitzen eine Weile mit Nils und Thomas auf der gemütlichen Café-Veranda. Zufällig hätten sie im Stadtzentrum einem Proganda-Event beigewohnt. In einem grossen Zelt, habe man antiisraelische Fotografien ausgestellt, um die Besucher auf die Gewalttaten der israelischen Armee aufmerksam zu machen. Auf einigen der Fotos seien äusserst brutal massakrierte Palästinenser und Syrer abgebildet gewesen.

Fazit: Nach unserer letzten Nacht in Syrien, kommen wir zu folgenden Schlussfolgerungen, natürlich aus rein persönlicher Sicht:

1. Der Motorrad war der ideale Fahruntersatz für diese Tour. Pisten für Offroader sind zahlreich vorhanden. Dabei sollte man genügend Treibstoffvorrat mitführen und sich nicht in Militärgebiete verirren.

2. Syrien würden wir nur noch in Kombination mit Libanon und Jordanien bereisen. Alleine wegen Syrien lohnt sich die lange Anreise in die Region kaum.

3. Der äussere Osten des Landes ist von den Sehenswürdigkeiten, der Landschaft und den Aussenbedingungen (zu warm, mangelnde Basisversorgung) her eher unattraktiv.

4. Das Preisniveau für die Übernachtung ist gut 2-3x so hoch wie in der Türkei. Gewöhnlich haben 3-Sterne-Hotels (Mittelklasse) einen tieferen Standard als in der Türkei. In gewissen 4- oder 5-Sterne-Hotels können Motorradfahrer wegen Vorurteilen wie ungepflegte Erscheinung oder Knauserigkeit, abgewiesen werden.

5. Treibstoff kann mindere Qualität aufweisen. Katalysatoren sollten entfernt werden.

6. Mit Einheimischen haben wir gute Erfahrungen gemacht. Es dominiert eine zurückhaltende Haltung.

7. Kriminalität oder Gewalt haben wir keine beobachtet.

8. In Syrien gibt es kein Massentourismus. Individuelles Reisen ist ohne weiteres möglich.

9. Das Land gibt sich noch sehr isoliert. Eine freie Marktwirtschaft ist nur sehr beschränkt vorhanden.

 

Montag, 24. September, Aleppo-Konya (Km 670)

Zurück in unsere Welt – Tanz der Derwische

Nach einem Abschiedsfoto mit Nils und Thomas vor dem Hotel Baron, peilen wir am frühen Morgen die 50 Km entfernte Grenze zur Türkei an. Die breiten geraden Umfahrungsstrassen führen uns rasch aus der Stadt heraus. Am syrischen Zoll bei Cilvegözü, ein moderner Baukomplex, stehen gerade mal drei ausländische Lkw’s an. Echt oder falsch? Ein junger Mann stellt sich uns in nahezu perfektem Englisch vor und will unsere Papiere abnehmen. Sein Namensschild trägt den improvisierten Untertitel „Office Manager“ oder „Tourist Government“ und ähnlich. Er ist ein so genannter Schlepper und unterhält im Zollgebäude völlig legal ein Touristenbüro. Für seine Dienstleistung beansprucht er bis zu 100.- US-Dollar Provision. Wären wir nicht durch einen Erfahrungsbericht im Internet darüber informiert gewesen, hätten wir den Mann auch nicht von einem gewöhnlichen Beamten unterscheiden können. Dem Bericht sei also dank, sind wir nicht geprellt worden. Die Ausreise dauert eine knappe Stunde. Von der letzten syrischen und bis zur ersten türkischen Zollbarriere sind es noch etwa drei Kilometer. Gut zwei Kilometer davon belegen über 40 Lkws, die für die Einreise in die Türkei anstehen. Zum Glück dürfen wir sie überholen. Nichts mehr fremd: Der türkische Papierkram ist wie immer mit viel Aufwand verbunden. Wir freuen uns aber, in der Türkei zu sein. Hier ist uns die Gangart bestens vertraut. Bevor wir das Zollgelände verlassen, kommen wir nochmals kurz mit Nils und Thomas zusammen. Tanzende DerwischeUnterwegs nach Konya: Bei Iskenderun fahren wir auf eine nahezu neue Autobahn. Sie führt zuerst um den industriereichen Golf von Iskenderun und viel später bei der Stadt Adana vorbei. Für die Breite und Qualität die sie hat, ist die Strecke ungewöhnlich schwach frequentiert. Hat man sich hier übernommen? Denn auf den ersten 70 Kilometern sieht man regelmässig Ausfahrtstafeln für Raststätte, die noch gar nicht gebaut sind. Sie würden hier zurzeit auch nicht rentieren. Die Vegetation ist seit der Grenze wieder üppig und die Landschaft abwechslungsreich. Etwa 50 Km vor Adana gibt es gar einen kurzen Landstrich, ähnlich dem der syrischen Steinwüste. Das Wetter ist nach wie vor unbetrübt und etwa 33 Grad warm. Bevor wir bei Tarsus rechts in Richtung Eregli abbiegen, machen wir eine längere Mittagspause. Die Raststätte hat eine gemütliche Imbissstube, saubere Toiletten und eine grosse Auswahl an Getränken und Mahlzeiten. Das hatten wir in Syrien am Meisten vermisst. Hüglige Bergtäler: Die nächsten 60 Km bis zum Autobahnende führen über den 1050 Meter hohen Gülekbogazi-Pass. Mit den dichten Tannenbaumwäldern und den urigen Bergdörfern dazwischen, könnte dieses schöne Berggebiet ebenso gut im Tirol oder in der Steiermark sein. An der Mautstelle bei Pozanti müssen wir noch das zurückgelegte Autobahnstück bezahlen. Vor einer Stunde seien zwei deutsche Motorradfahrer bei ihm durchgefahren, erzählt uns der aufmerksame Schalterbeamte. Natürlich ahnen wir, um wen es sich gehandelt haben muss und sind amüsiert, dass wir inmitten der Türkei zufällig darüber informiert werden. Bis Eregli führt die 107 Km lange Strecke meist entlang der Eisenbahnlinie. Auf den ersten 40 Km ist sie stark befahren und ihr Belag in schlechtem Zustand. Dann fahren wir über den 1467 Meter hohen Ulukisla-Pass und befinden uns auf einmal wieder in einer wildromantischen Bergwelt. In der Nähe tut sich eine dunkelgraue Gewitterfront breit, wir entwischen ihr gerade rechtzeitig noch. Inzwischen ist es später Nachmittag. Konya by nightKonya bei Nacht: Das letzte Teilstück von 170 Km, zwischen Eregli und Konya, müsste vor Sonnenuntergang zu schaffen sein. Als wir die lange gerade Zufahrtstrasse zur Stadtmitte erreichen, müssen wir einfach anhalten und unsere Kameras hervornehmen. Die untergehende Sonne färbt gerade ganze Stadtviertel unter sich tiefrot ein. Mit den Minaretten und Gebirgen im Hintergrund, sieht es fabelhaft aus. In diesem Moment stossen Nils und Thomas auf uns. Jeder ist über den anderen erstaunt, die grosse Tagesetappe geschafft zu haben. Erfreut über das erneute unvorhersehbare Zusammentreffen, suchen wir gemeinsam eine Unterkunft. Nach dem Abendessen spricht uns auf der Strasse ein älterer Mann auf das Programm der tanzenden Derwische an. Das wollten wir schon immer mal sehen und sind für diesen Hinweis sehr dankbar. Bei der Vorführung spielen jeweils sechs ältere Männer live auf verschiedenen Instrumenten und singen dazu Gebetssätze. Gleichzeitig tanzen immerzu drehend etwa fünf Derwische, in langen weissen Röcken, zu den Klängen. Atatürk liess die Derwischklöster seinerzeit schliessen. Die Orden hatten sich immer mehr von ihrem ursprünglichen Grundsatz entfernt und damit den Ruf und Status einer Sekte eingehandelt. Der Tourismus hat die Derwische wieder zum Leben erweckt. Zu Recht, wie wir das feststellen. Denn die Zeremonie verbreitet die Gründungsglaubensgrundsätze, und die sind von Gewaltlosigkeit, Liebe und Frieden geprägt.

Fazit: Nachdem wir Syrien gesehen haben, können wir folgende Vergleiche zwischen beiden Ländern ziehen:

1. Syrien und die Türkei sind kulturell, politisch und landschaftlich sehr unterschiedlich.

2. So unterschiedlich sind auch ihre Verbündeten. Syrien unterhält vor Allem zu Iran, Russland, Frankreich, Libanon und Ägypten Freundschafts- und teilweise Abhängigkeitsverhältnisse. Die Türkei hingegen zu den USA, zu Israel, Westeuropa und Zentralasien.

3. Auch sprachlich können sich die beiden Völker ohne Übersetzungshilfe nicht verständigen. Denn, was angeblich nicht alle wissen, die arabische und die türkische Sprache sind weder verwandt noch ähnlich. Ausnahmen gibt es am Grenzgebiet zu Syrien und Irak. Dort sind heute viele arabischstämmige Menschen angesiedelt.

4. Gemeinsam hatten sie wohl, dass wir niemanden über die Anschläge in den USA haben freuen sehen. In den westlichen Medien wurde angeblich gezeigt, wie sich zum Beispiel die Palästinenser darüber gefreut hätten. Für diese Menschen schienen diese Anschläge eine Katastrophe wie jede andere zu sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Dienstag, 25. September, Konya-Cesme (Km 650)

Letzte Etappe – Wieder im Westen

Gräber im Mevlana-KlosterBevor wir Konya wieder verlassen, besichtigen wir das berühmte Mevlana-Kloster. Darin befinden sich die Gräber zahlreicher Derwische, darunter die der Gründer. Die Souvenirläden verkaufen nebst touristischen Artikeln auch die zehn Gebote, ähnlich die der Bibel, bedruckt auf Tassen oder Karten. Auch heute haben wir eine Etappe von über 600 Km vor uns und wollen via Afyon und Izmir, das Hafenstädtchen Cesme erreichen. Bei einer Tankstelle warnt uns ein türkischer Familienvater aus Basel vor den zahlreichen Radarkontrollen auf dieser Strecke. Er sei heute schon zweimal in die Falle getappt. Nach etwa 100 Km geraten wir dann auch in eine Polizeikontrolle. Noch während der Beamte unsere Fahrzeugpapiere überprüft, fährt zufällig der Basler Türke an uns vorbei und hupt uns an.Mevlana-Kloster Nach nur etwa 50 Km werden wir erneut angehalten. Zum Glück ist es wieder „nur“ eine Ausweiskontrolle. Ein drittes Mal kommen wir nur davon, weil uns rechtzeitig ein Einheimischer via Handzeichen gewarnt hat. Doch dafür hat es diesmal den Türken aus Basel erwischt. Beim Vorbeifahren können wir gerade noch zusehen, wie er verzweifelt seine Hände hochwirft. Die Fahrt ist auf alle Fälle unterhaltsam, wenn auch für manche teuer bezahlt. Wir erreichen Cesme erst in der Nacht und checken uns im selben Hotel ein, das wir schon bei unserer Ankunft hatten. Seine Besitzer, ein älteres Ehepaar, freuen sich uns wieder zu sehen und erkundigen sich gleich nach unserer Syrienreise. Es überrascht sie, dass Nils und Thomas nicht bei uns sind, denn sie dachten, wir seien eine Gruppe. Die müssten jetzt bei den Kalksintterrassen in Pamukkale sein.

 

Donnerstag-Samstag, 27.-29. September, Cesme-Venedig-Oetwil a.d.L.

Ausruhen bis zur Rückfahrt – Mit Motorradfahrern auf See

Strassenkatze in CesmeDie verbliebene Zeit in Cesme packen wir ruhig an. Wir spazieren durch die Gassen, füttern hie und da eine Strassenkatze oder sitzen in einem der zahlreichen Caféhäuser am Strand. Früher hatten die Ladenbesitzer die Touristen auf der Strasse angesprochen. Heute tut man das nicht mehr. Oft sieht man sie vor ihrem Ladeneingang sitzen und friedlich eine Katze oder einen Hund streicheln. Ein Teppichverkäufer den ich seit langem kenne, hat sich einer Katzenmutter angenommen. Die Teppichberge dienen ihren fünf Jungen als Spiel- und Versteckflächen. Er verschenkt sie nur an Stammkunden, wie zum Beispiel Konsulatbeamte in Izmir, die er kennt. In Sachen Tierliebe wurden die Einheimischen nicht zuletzt durch Medien und Touristen sensibilisiert. Es ist Zeit, mit den Rentnern, Langzeiturlaubern und Motorradreisenden auf die Fähre zu gehen. Mit Nils, Thomas und acht weiteren Bikern aus Deutschland und der Schweiz vergeht die 50-stündige Überfahrt sehr kurzweilig. Haarsträubende Erlebnisse werden da teilweise ausgetauscht. Einer hat ein Kleinkind angefahren und dabei schwer verletzt, es kam zu einem Prozess. Doch die meisten Geschichten handeln glücklicherweise „nur“ von Pannen, vom Verfahren oder einfach von Gastfreundschaft und besonderen Eindrücken. Ein unnötiges Handgemenge auf dem Deck, stört für kurze Zeit die gelassene Stimmung. Zwei ältere Passagiere, ein Deutscher und ein Schweizer, provozieren einander verbal und geraten sich in die Haare. Andere müssen eingreifen und sie auseinandertrennen. Der Schweizer erleidet dabei eine Herzkreislaufstörung und muss vom Schiffsarzt behandelt werden. Gleich nach der Ankunft in Venedig verabschieden wir uns von der Zweirad-Gruppe und begeben uns bei heiterem Sonnenschein auf die langweilige „autostrada“. Kaum in der Schweiz, heisst uns der Kanton Tessin mit sintflutartigem Regen willkommen. Hinzu kommen schlechte Sichtverhältnisse bei Nacht, starker Verkehr und mangelhaft abgesicherte Baustellen auf der Autobahn. Sie alle sorgen für eine gefährliche Schlussfahrt.

Biker auf hoher See

 

Ein paar Meinungen zum Schluss:

Nach diesem Urlaub brauchen wir Erholung. Doch mit einem Strandurlaub würden wir diese Eindrücke auch nicht tauschen wollen.

Es war eine Zeitreise. Der Osten der Türkei und Syrien haben uns erneut klar gemacht, wie sehr sich die Zivilisation, die Weltanschauung und die Lebensbedingungen in drei bis vier Flugstundenentfernung von unseren unterscheiden.

Alle Menschen brauchen dasselbe. Wie wir wissen, gibt es in diesen Ländern schon seit Langem eine zunehmende Abwanderung in industrialisierte oder touristische Gebiete. Sie würden grundsätzlich in ihrer Heimat bleiben. Die Umstände, unter denen sie leben erschweren dies jedoch. Es fehlt eine Basis-Infrastruktur wie regelmässige Wasser- und Stromversorgung sowie ärztliche Versorgung und Bildung für alle. Statt in gesicherte Arbeitsplätze und ökologische Landwirtschaft zu investieren, wird in der Armee aufgerüstet. Kriege und Krisen in Nachbarregionen schwächen zusätzlich. Die Vegetation stirbt inzwischen durch mangelnde Aufklärung, Vernachlässigung und falsche Landwirtschaftsnutzung weiter, bis die Erosion auch die gebliebenen Menschen vertreibt.

Reich, aber nur an Kindern. Die ärmsten Regionen haben die höchsten Wachstumsraten. Es gilt immer noch als normal fünf oder zehn Kinder zu haben. Wann schiebt der Staat diesem Wachstum, der weiteren Verarmung und der Ressourcentilgung einen Riegel?

Was wir tun können. Politiker von Morgen wählen, die verhindern, dass Kriege und Krisen weiterhin durch Kriegsmateriallieferungen und eigennützige Kreditvergabe geschürt werden. Die heutige Politik und Gesellschaft im eigenen Land hinterfragen. An die Urne gehen.

Zur aktuellen Lage: Ein neuer Krieg in der Region (gegen Irak) wäre fatal. Daran verdienen bekanntlich die Rüstungsindustrie, ranghohe Militärfunktionäre, der Geheimdienst, viele Politiker und ihre Handlanger. Für den grossen Rest der Welt bedeutet er immer Rückschritt. Bleibt also zu hoffen, dass Bush, CIA, Militär, Öl + EU GmbHuuM (Gesellschaft mit beschränktem Hirn und uneingeschränkter Macht) keine Unterstützung finden.

 

Karten

 

Türkei

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Syrien

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Praktische Informationen und Tipps

Syrische Formalität:

Gültiger Pass, Visum*, Int. Führerausweis, Carnet de Passage (Grenzpassierschein)

Der Pass muss bei Einreise mind. 6 Monate gültig sein und darf keinen Vermerk oder Stempel einer Grenzübergangsstelle von Israel, Taba, Wadi-Araba, Jordantal (Waadi Al Ordon), Rafah und Sharm Al Sheikh enthalten.

*An der Grenze oder am Flughafen werden keine Visa erteilt. Für Schweizer ist das Syrische Konsulat in Genf zuständig. Um das Visa-Antragsformular zu erhalten, muss man ein frankiertes Rückantwortcouvert zustellen. Darauf mussten wir einen Monat warten. Das doppelseitige Antragsformular haben wir in französischer Sprache erhalten. Pro Person ist ein Formular auszufüllen und ein Passfotos beizulegen. Zusammen mit dem Pass und einem frankierten Rückantwortcouvert (am besten eingeschrieben) sind sie dem Konsulat zuzustellen. Nach einem Monat und nur zehn Tage vor Abreise hatten wir immer noch keinen Pass mit Visum. Gemäss unserer Erkundigung fehlte das frankierte Rückantwortcouvert. Vier Tage vor Abreise erhielten wir endlich unsere Pässe und ein Visum mit 14 Tagen Gültigkeit ab Einreisedatum.

Den internationalen Führerschein liessen wir uns vom Büro des TCS (Touring Club Schweiz) ausstellen. Es wurde ein Passfoto benötigt und kostete CHF 20.- (Mitgliederbetrag). Das Ganze dauert höchstens 15 Minuten.

Wir wussten nichts über den „Carnet de Passage“ und hatten ihn nicht dabei. Gemäss TCS wird bei dessen Fehlen eine vorübergehende Einfuhrgenehmigung für 1 Monat ohne Hinterlegung einer Geldsumme an der Grenze erteilt; sie ist für jeweils 7 Tage (in Damaskus oder Aleppo) verlängerbar. Für ausländische Fahrzeuge mit Benzinmotor wird eine Strassengebühr von 7 USD bei der Einreise nach Syrien verlangt; für Diesel-betriebene Fahrzeuge beträgt diese Gebühr 100 USD pro Woche. Vorübergehende Einfuhr von Motorrädern ist nicht möglich. Ja richtig! Offiziell dürfte man mit einem Motorrad nicht nach Syrien einreisen. An der Grenze wird jedoch eine Ausnahmebewilligung erteilt. In den letzten Jahren soll niemand abgewiesen worden sein.

Die grüne Versicherungskarte ist nicht anerkannt. An der Grenze muss eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden.

Unsere Gesamtkosten betrugen am Zoll pro Person 105.- US-Dollar. Da wir kein arabisch verstehen, wissen wir nicht wofür wie viel verlangt wurde.

Durchschnittlicher Zeitaufwand am Zoll: zirka 1-2 Stunden

 

Türkische Formalität:

Grüne Versicherungskarte und gültiger Pass.

Die Einreiseformalität wurde auf der Fähre erledigt. Die Passagiere wurden via Aufruf darüber informiert. Die Gebühr (Stempelsteuer?) betrug pro Person DM 14.-. Inzwischen soll diese Gebühr abgeschafft worden sein.

Aus Syrien kommend, betrug die Einreisegebühr etwa umgerechnet DM 8.- pro Person.

Durchschnittlicher Zeitaufwand am Zoll: zirka 1,5-2 Stunden

 

Zahlungsmittel:

Vor Reiseantritt:

Italienische Lire: Für Autobahn, Zwischenverpflegung und Treibstoff

DM: Für Getränkekonsum und Zollgebühr auf der Fähre

US-Dollar: Für syrische Einreisegebühr am Zoll, für Hotels ab 2-Sterne, genug 1 Dollar-Noten für Trinkgelder wechseln

Vor Ort:
Kreditkarten: Wir hatten die Visa-Card. Die Mittelklassehotels in Syrien akzeptieren sie meist nur gegen eine Kommission von 3-6%. In der Türkei ist mit einem Spesenzuschlag von zirka 5-7% zu rechnen. Dies wird mit hohen Bankspesen ihrerseits begründet. In beiden Ländern ist der Einsatz jedoch erst ab einem Betrag von etwa CHF 50.- üblich. In der Türkei sind inzwischen die meisten Tankstellen mit Kreditkartensystem ausgerüstet.

Syrische Pfund: Geldwechsel ist in Syrien zeitaufwändig und mit wenigen Ausnahmen nur bei der staatlichen „Commercial Bank of Syria“ erlaubt. Diese befindet sich jedoch nur in grösseren Städten.

Türkische Pfund: In der Türkei wechseln ist am Günstigsten, normalerweise bei der Bank. Wechselbüros sind nur ausserhalb der Bürozeiten zu empfehlen, da sie Gebühren erheben. Die Türken übrigens, natürlich die, die es haben, tragen oft bis zu CHF 1000.- Cash bei sich. Wir haben jeweils für 7-10 Reisetage gewechselt.

 

Kartenmaterial Türkei:

Offizielle Strassenkarten der Türkei, herausgegeben von „Kartographischer Verlag Reinhard Ryborsch“ Nr. 2, 3, 4, 5, 7, alle 1:500 000. Sehr zu empfehlen!

GPS: Integrierte Karte „Garmin e-map“

 

Kartenmaterial Syrien:

Syrien gibt aus taktischen Gründen leider nichts Genaueres als 1:800 000 heraus. Autokarte Syrien 1:800 000 v. freytag & berndt.

 

Die Fähre:

Wir fuhren mit der privaten TML „Turkish Marmara Lines“ von Venedig nach Cesme (Südwesttürkei-Küste). Dauer Samstag, 19 Uhr bis Montag, 22 Uhr. Die Rückfahrt Cesme-Venedig fand von Donnerstag, 12 Uhr bis Samstag, 13 Uhr statt. Die Ausstattung und der Service haben ein deutlich tieferes Niveau als die skandinavischen Fähren. Kabinen sind trotz massiv teureren Preisen dem Pullmannsessel vorzuziehen und sollten frühzeitig gebucht werden.

Inzwischen soll diese Verbindung aufgehoben worden. Seit 2002 gibt es nur noch die Verbindungen Ancona-Cesme-Ancona und Brindisi-Cesme-Ancona. Neu werden zudem ehemals skandinavische Fähren eingesetzt, die besser ausgestattet sein sollen. Weiter Infos unter www.marmaralines.com

 

Unterwegs in der Türkei:

Wer spätabends oder in der Nacht ins Land einreist, sollte bereits am Zoll etwas Geld für die erste Übernachtung/Verpflegung wechseln. Gepflegte Pensionen/Hotels gibt es meist schon ab 15.- Euro (Zimmer mit Frühstück). Handeln sollte man bei diesen Preisen nicht mehr. Nachtfahrten, vor Allem zwischen 23 und 5 Uhr sind wegen erhöhter Unfallgefahr unbedingt zu vermeiden. Tankstellen gibt es mit wenigen Ausnahmen im Überfluss. Die meisten haben einen Shop und nehmen Kreditkarten. Neben vielen sind zudem Restaurants vorhanden. Die Treibstoffqualität und –Auswahl entspricht unserer. Diesel ist massiv günstiger als Benzin.

 

Kleine Statistik Syrien / Türkei

Syrien (offizieller Name: Syrische Arabische Republik):

- 185'180 km2 (Weltrang 87), davon 3% Wald- und Buschland, gehört zu Vorderasien

- Höchster Punkt Berg Hermon 2'814 m, tiefster Punkt unbenannt, Nähe Tiberias See 200 m unter dem Meeresspiegel

- Geographische Unterteilung: Westen = fruchtbare Küstenebene und Bergkette am Libanon entlang, Landesmitte = trockene Ebene,  Südosten = Wüste und Savanne.

- in 14 Provinzen unterteilt, grösste Städte: 1. Aleppo, 2. Damaskus, 3. Homs, 4. Latakia

- Zirka 17 Mio. Einwohner, Anteil Araber 88.8%, Kurden 6.3%, Andere 4.3%

- Sprache: offiziell Arabisch. Minderheiten Kurdisch, Armenisch, Aramäisch

- Religion: keine Staatsreligion. Anteil Muslime 86%, Christen 8.9%, Druden 3%, Andere 2.1%

 

Sonstiges:

- Beste Reisezeit: Frühling (März bis Mai) und Herbst (September bis November)

- Strassenzustand: ca. 9'600 Km (davon 877 km Autobahn) asphaltiert. Ca. 31'800 Km unbefestigte Strassen (Stand: 1997).

- Erforderliche Unterlagen: Visum, internationaler Führerschein, Carnet de Passage (Zollbescheinigung für das Fahrzeug), Haftpflichtversicherung am Zoll

- Wachstum der Bevölkerung ca. 3% pro Jahr

- Bevölkerung unter der Armutsgrenze ca. 15-25%

- Arbeitslosenzahl wird auf 20% geschätzt

- Anteil Militärausgaben am Bruttosozialprodukt: 7.2% (Weltdurchschnitt 2.8%)

- Internetzugang: wird staatlich kontrolliert und ist Privatpersonen nicht erlaubt.

 

Türkei (offizieller Name: Republik Türkei)

- 779'442 km2 (Weltrang 36)

- Höchster Punkt Berg Ararat 5'166 m, tiefster Punkt Meeresspiegel bei 0 m

- In 81 Provinzen unterteilt, grösste Städte: 1. Istanbul 2. Ankara 3. Izmir

- 67.8 Mio. Einwohner (Volkszählung 2000), Anteil Türken 80%, Kurden 20%

- Sprache: offiziell Türkisch (ural-altaische Sprache). Minderheiten Kurdisch, Arabisch, Armenisch, Griechisch

- Religion: 99.8% Muslime (sunnitisch), 0.2% Christen und Juden

 

Sonstiges:

- Strassenzustand (Schätzung 1999): ca. 107'000 Km asphaltiert (davon 1'726 Km Autobahn), ca. 275'000 Km unbefestigte Strassen.

- Wachstum der Bevölkerung (zwischen 1999-2000) 1.8%

- Bevölkerung unter der Armutsgrenze k.A.

- Arbeitslosenzahl ca. 10.6% (plus 6.1% Unterbeschäftigung)

- Anteil Militärausgaben am BSP: ca. 4.5% (Weltdurchschnitt

- Internetzugang: ca. 4 Mio. Benutzer (2001)

 

Motorräder

Honda Africa Twin XRV 750 Y (RD 07/Baujahr 2000), Farbe; rot-blau-weiss:

KM-Stand 6'000 vor und rund 12'000 nach der Reise

Bereifung/Dimension: Metzeler Tourance V: 90/90-21 54H H: 140/80 R17 69H

Zubehör/Sonderausstattung: Original-Sturzbügel, geschlossene Handprotektoren, Griffheizung, Scheinwerferschutz aus Kunststoff, Kofferhaltersystem „Givi“, 2 Seitenkoffer à 36 Liter und 1 Topcase à 45 Liter.

Technische Daten: Hubraum 742 cm3, , PS 60, 232 Kg Leergewicht (unbeladen+vollgetankt), 207.5 Kg Trockengewicht (ohne Flüssigkeiten), Tankvolumen 23 Liter (inkl. Reserve 5.1 Liter), max. Drehmoment ca. 62 Nm bei 6'000 U/Min., Bodenfreiheit 215 mm, Sitzhöhe 860 mm*, Endantrieb O-Ring-Kette, Bremsen vorne Doppel- hinten Einscheibenbremse. *Sitzpolster auf das Minimum ausgehoben.

 

BMW R 1150 GS (Baujahr 2000), Farbe; silber

KM-Stand 10'000 vor und rund 16'000 nach der Reise

Bereifung/Dimension: Metzeler Tourance V: 110/80-ZR 19 (schlauchlos) H: 150/70-ZR 17 (schlauchlos)

Zubehör/Sonderausstattung: k.A.

Technische Daten: unter Rubrik „Motorräder“, „Töffverschleiss“.

 

Mitgeführte Werkzeuge/Ersatzteile:

Je 1 Pneuschlauch vorne/hinten, Fusspedal-Luftdruckpumpe, 2 Felgenhebel, Kabelbinder und Kettenschmierzeug für die Honda.

Für die BMW ein Flickset für Platten und die wichtigsten Werkzeuge gemäss offizieller Händlerempfehlung. Motorenöl.

 

 

 

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